Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.04.2017

15:57 Uhr

Musterdepots

„Anleger können sich nicht beklagen“

Drei Manager, drei Konzepte, drei Portfolios: Die Musterdepots zeigen, wie man mit Timing und Strategie den Markt schlagen kann. Ulf Sommer glaubt, dass weiterhin viel für eine gute Börsenentwicklung spricht.

Ulf Sommer, Alexander Kovalenko und Sönke Niefünd.

Die Handelsblatt-Musterdepots und ihre Manager

Ulf Sommer, Alexander Kovalenko und Sönke Niefünd.

FrankfurtUlf Sommer, Handelsblatt

Setzt sich der Börsenaufschwung fort? Seit 65 Jahren gilt nach einer Analyse der Commerzbank die Regel: je länger die US-Zinsstrukturkurve steil ist, desto länger läuft ein Bullenmarkt. „Steil“ heißt, dass es für langlaufende Staatsanleihen (deutlich) höhere Zinsen gibt als für kurzlaufende – was nicht selbstverständlich ist. Aktuell bewegt sich der S&P 500 seit acht Jahren aufwärts, da die US-Zinsstrukturkurve ebenfalls seit acht Jahren steil geblieben ist. Derzeit gibt es für zehnjährige US-Anleihen mit 2,4 Prozent deutlich höhere Zinsen als für Kurzläufer. Das spricht für die Börse.

Ulf Sommer

Der Redakteur

Mit den Finanzmärkten, der Geldanlage und branchenübergreifenden Unternehmensthemen wie Dividenden, Aktienrückkäufe und vor allem Bilanzkennzahlen beschäftigt sich der promovierte Historiker beim Handelsblatt seit über 15 Jahren.

Die Strategie

Das Kapital wird kurzfristig nicht gebraucht. Es dient vielmehr der Altersvorsorge, dem späteren Studium der Kinder oder dem Kauf eines Hauses im Rentenalter. Deshalb steht nicht der kurzfristige Werterhalt um jeden Preis, sondern die langfristige Mehrung des Kapitals im Fokus. Verlustzeiten sind schmerzhaft, können aber ausgesessen werden. Zur Auswahl stehen Einzelaktien, Aktien-Indizes in Form von Zertifikaten, Gold, große Währungen wie Euro, Dollar und Yen sowie Hebel-Zertifikate. Mit ihnen eröffnet sich die Möglichkeit, auf stark steigende oder fallende Märkte zu spekulieren. Anleihen scheiden bis auf weiteres auf Grund aus, weil die Zinsen und Renditen zu unattraktiv sind.

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Ulf Sommer hat allerdings zum 6. März 2017 das Depot von Handelsblatt-Redakteur Georgios Kokologiannis übernommen. Den Kommentatoren steht es frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Alexander Kovalenko, Bayerische Vermögen

Am Freitag hat das europäische Statistikamt Eurostat die ersten Schätzungen zur Inflationsrate im März veröffentlicht. Mit 1,5 Prozent ist die Teuerungsrate in der Eurozone deutlich moderater ausgefallen, als von Volkswirten erwartet. Sie haben mit etwa 1,8 Prozent gerechnet. Die Lebensmittel und vor allem die Energiepreise bleiben die wichtigste Triebkraft der Preissteigerung im Vergleich zur Vorjahresperiode. Diese Wirkung hat jedoch im März merklich nachgelassen. Eine Inflationsrate unter zwei Prozent dämpft die Argumentationskraft der Befürworter des Verabschiedens von der ultralockeren Geldpolitik der EZB.

Alexander Kovalenko

Der Anleger

Alexander Kovalenko arbeitet für Bayerische Vermögen. „Wir machen normalerweise keine Prognosen, weil es aus unserer Sicht eher wenig Sinn macht“, sagt er. „Wir können nur sagen, dass die Aktien für uns aktuell eine stark bevorzugte Anlageklasse darstellen, und hier vor allem die (süd)europäischen Aktien, die noch deutlich unter ihrem Fair-Wert gehandelt werden. Dazu kommt eine Dividendenrendite von durchschnittlich etwa drei Prozent. Bei Aktien sehen wir also trotz eventuellen und sogar eher wahrscheinlichen Korrekturen ein sehr attraktives Chance/Risiko-Profil!“

Die Strategie

Das Social-Trading-Depot versteht sich als Kombination eines langfristig orientierten Kernportfolios und der innovativen Anlageform des Social Trading. Einen Anteil von 60 bis 70 Prozent bildet ein Aktienportfolio, das einen Value-Ansatz verfolgt: Es wird in zehn bis 15 stark unterbewertete Einzeltitel aus dem breiten europäischen Aktienmarkt investiert, wobei die Selektion der Einzeltitel mittels Analyse der Fundamentalkriterien beziehungsweise der Bilanzdaten erfolgt. Der Social-Trading-Anteil beträgt zwischen 30 und 40 Prozent und wird in wikifolio-Indexzertifikate investiert: Diese bilden unterschiedliche Strategien von Top-Tradern auf wikifolio.com ab. Das Social-Trading-Depot soll in der Regel voll investiert sein. Der Anlagehorizont ist mittel- bis langfristig ausgerichtet und sieht nur selten Umschichtungen vor. Betreut wird das Social-Trading-Depot von Bayerische Vermögen AG.

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Sönke Niefünd, Otto M. Schröder Bank

Ein bewegtes erstes Quartal geht zu Ende. Wir können mit einem Plus von 5,21 Prozent in unserem Musterdepot durchaus zufrieden sein, auch wenn der Dax 7,2 Prozent zugelegt hat. Wir gehen davon aus, dass die Investoren das Allzeithoch im deutschen Leitindex von 12 390 Punkten zumindest einmal sehen wollen. Unsere Aktienpositionen lassen wir deshalb weiter langsam, aber stetig steigen. Die Politik dürfte auch im zweiten Quartal des Jahres weiter die Kapitalmärkte bestimmen. Bei Erreichen neuer Höchststände der Indizes werden wir anfangen, vorhandene Aktiengewinne abzusichern.

Sönke Niefünd

Der Anleger Niefünd

Das Anlageziel besteht darin, nachhaltig zu investieren und dabei einen langfristigen Vermögenszuwachs zu erzielen. Dazu werden je nach Einschätzung der Wirtschafts- und der Börsenaussichten Wertpapiere erworben und veräußert. Dabei wird besonders auf die Risikostreuung geachtet.

Der Stratege Niefünd

Unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien der Themengebieten Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance), auch ESG-Ansatz genannt. Das Mandat wird aktiv gemanagt, gleichzeitig werden jedoch strategisch langfristig Positionen gehalten. Wir verfolgen die Umsetzung der „Politik der ruhigen Hand“. Es werden Fonds, ETFs und Einzeltitel gekauft, die unseren Kriterien erfüllen. Die Auswahl der Einzeltitel erfolgt in den Themengebieten innerhalb der 4 Säulen Wirtschaftliches, Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG-Ansatz). Ausgewählte Wertpapiere haben in jedem Bereich mindestens 65 Punkte von 100 Punkten im Bereich der Nachhaltigkeit. Zudem kommen Negativkritieren und ein Best-in-Class Ansatz bei der Einzeltitelauswahl zum Tragen.

Die Regeln Niefünd

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Sönke Niefünd hat allerdings zum 1. August 2016 das Depot von Daniel Hupfer von der M.M. Warburg übernommen. Den Kommentatoren steht es frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Frau Edelgard Kah

03.04.2017, 12:03 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Sommer,

was? Die Steilheit der Zinsstrukturkurve soll Garant für die Fortsetzung des Börsenaufschwungs sein? Ich hatte gelesen, die Rotfärbung der Ahornblätter sei entscheidend.

Gott sei Dank, Herr Dr. Sommer, haben Sie meinem Mann und mir auch beigebracht, dass der US-Präsident die Börsen kaum beeinflußt, dass es "politische Börsen" schlicht und einfach nicht gibt. Seit wir das wissen, schlafen wie wieder sehr viel ruhiger.

Überhaupt sind wir mit Ihnen der Meinung, dass die Börse eine gefahrlose Einbanstraße ist und die Kurse bald über die Wolken steigen werden. Und seit wir von Ihnen erfahren haben, dass dividendenstarke Aktien noch gefahrloser sind, haben wir unsere Depots völlig umgestellt.

Herzliche Grüße und viel Spaß beim Studium der Zinsstrukurkurve. Und grüßen Sie bitte auch Herrn Hürkamp.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×