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27.06.2017

18:00 Uhr

Musterdepots

Anzeichen für Korrektur der Märkte

Drei Manager, drei Konzepte, drei Portfolios: Die Musterdepots zeigen, wie man mit Timing und Strategie den Markt schlagen kann. Sönke Niefünd sieht Anzeichen, die für eine Goldposition sprechen.

Ulf Sommer, Alexander Kovalenko und Sönke Niefünd.

Die Handelsblatt-Musterdepots und ihre Manager

Ulf Sommer, Alexander Kovalenko und Sönke Niefünd.

Das Redaktionsdepot: Ulf Sommer, Handelsblatt

Welche Dax-Werte haben sich seit Jahresbeginn am schlechtesten entwickelt? BMW und Daimler mit einem Minus von jeweils mehr als fünf Prozent. Im selben Zeitraum legte der Dax elf Prozent zu. Beide Autokonzerne haben 2016 so viel wie noch nie verdient und auch im bisherigen Jahresverlauf Milliardengewinne eingefahren. Gemessen am Kurs und Gewinn sind die Aktien spottbillig. Gut möglich, dass die Börse irrt, weil sie Auto-Konzernen kein Potenzial zubilligt. Oder die Börse erweist sich als zuverlässiger Frühindikator für eine Branche, die ihren Höhepunkt hinter sich hat.

Ulf Sommer

Der Redakteur

Mit den Finanzmärkten, der Geldanlage und branchenübergreifenden Unternehmensthemen wie Dividenden, Aktienrückkäufe und vor allem Bilanzkennzahlen beschäftigt sich der promovierte Historiker beim Handelsblatt seit über 15 Jahren.

Die Strategie

Das Kapital wird kurzfristig nicht gebraucht. Es dient vielmehr der Altersvorsorge, dem späteren Studium der Kinder oder dem Kauf eines Hauses im Rentenalter. Deshalb steht nicht der kurzfristige Werterhalt um jeden Preis, sondern die langfristige Mehrung des Kapitals im Fokus. Verlustzeiten sind schmerzhaft, können aber ausgesessen werden. Zur Auswahl stehen Einzelaktien, Aktien-Indizes in Form von Zertifikaten, Gold, große Währungen wie Euro, Dollar und Yen sowie Hebel-Zertifikate. Mit ihnen eröffnet sich die Möglichkeit, auf stark steigende oder fallende Märkte zu spekulieren. Anleihen scheiden bis auf weiteres auf Grund aus, weil die Zinsen und Renditen zu unattraktiv sind.

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Ulf Sommer hat allerdings zum 6. März 2017 das Depot von Handelsblatt-Redakteur Georgios Kokologiannis übernommen. Den Kommentatoren steht es frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Das Social-Trading-Depot: Alexander Kovalenko, Bayerische Vermögen

Die europäischen Aktienbörsen gerieten am gestrigen Dienstag unter Druck. Doch in unserem Musterdepot konnten sich einige Titel dem negativen Trend widersetzen. Beispielsweise profitierte die Aktie des österreichischen Stahlkonzerns Voestalpine von einem höheren Kursziel der britischen Großbank Barclays. Der Titel ist seit Auflage des Musterdepots im Aktienkernportfolio. Laut unserer Analyse ist Voestalpine einer der am besten aufgestellten Stahlkonzerne in Europa, verfügt über eine hochqualitative und diversifizierte Produktpalette und treibt seine Internationalisierung konsequent voran.

Alexander Kovalenko

Der Anleger

Alexander Kovalenko arbeitet für Bayerische Vermögen. „Wir machen normalerweise keine Prognosen, weil es aus unserer Sicht eher wenig Sinn macht“, sagt er. „Wir können nur sagen, dass die Aktien für uns aktuell eine stark bevorzugte Anlageklasse darstellen, und hier vor allem die (süd)europäischen Aktien, die noch deutlich unter ihrem Fair-Wert gehandelt werden. Dazu kommt eine Dividendenrendite von durchschnittlich etwa drei Prozent. Bei Aktien sehen wir also trotz eventuellen und sogar eher wahrscheinlichen Korrekturen ein sehr attraktives Chance/Risiko-Profil!“

Die Strategie

Das Social-Trading-Depot versteht sich als Kombination eines langfristig orientierten Kernportfolios und der innovativen Anlageform des Social Trading. Einen Anteil von 60 bis 70 Prozent bildet ein Aktienportfolio, das einen Value-Ansatz verfolgt: Es wird in zehn bis 15 stark unterbewertete Einzeltitel aus dem breiten europäischen Aktienmarkt investiert, wobei die Selektion der Einzeltitel mittels Analyse der Fundamentalkriterien beziehungsweise der Bilanzdaten erfolgt. Der Social-Trading-Anteil beträgt zwischen 30 und 40 Prozent und wird in wikifolio-Indexzertifikate investiert: Diese bilden unterschiedliche Strategien von Top-Tradern auf wikifolio.com ab. Das Social-Trading-Depot soll in der Regel voll investiert sein. Der Anlagehorizont ist mittel- bis langfristig ausgerichtet und sieht nur selten Umschichtungen vor. Betreut wird das Social-Trading-Depot von Bayerische Vermögen AG.

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Das Privatbank-Depot: Sönke Niefünd, Otto M. Schröder Bank

Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist entgegen den Prognosen auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Der Dax hatte Mitte Juni ein Jahreshoch von etwa 12.900 Punkten erreicht. Es gibt jedoch für uns erste Anzeichen, die für eine Korrektur an den Märkten sprechen. Diese Anzeichen dürften für unsere Goldposition sprechen, die sich durch den möglichen „Fat-Finger-Fehler“ zeitweise deutlich verschlechtert hatte. Eine technische Gegenreaktion erfolgte bereits am Dienstag. Aufgrund unserer Marktanalyse erwarten wir, dass der Dax in den nächsten Monaten um mindestens 900 Punkte schwanken könnte.

Sönke Niefünd

Der Anleger Niefünd

Das Anlageziel besteht darin, nachhaltig zu investieren und dabei einen langfristigen Vermögenszuwachs zu erzielen. Dazu werden je nach Einschätzung der Wirtschafts- und der Börsenaussichten Wertpapiere erworben und veräußert. Dabei wird besonders auf die Risikostreuung geachtet.

Der Stratege Niefünd

Unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien der Themengebieten Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance), auch ESG-Ansatz genannt. Das Mandat wird aktiv gemanagt, gleichzeitig werden jedoch strategisch langfristig Positionen gehalten. Wir verfolgen die Umsetzung der „Politik der ruhigen Hand“. Es werden Fonds, ETFs und Einzeltitel gekauft, die unseren Kriterien erfüllen. Die Auswahl der Einzeltitel erfolgt in den Themengebieten innerhalb der 4 Säulen Wirtschaftliches, Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG-Ansatz). Ausgewählte Wertpapiere haben in jedem Bereich mindestens 65 Punkte von 100 Punkten im Bereich der Nachhaltigkeit. Zudem kommen Negativkritieren und ein Best-in-Class Ansatz bei der Einzeltitelauswahl zum Tragen.

Die Regeln Niefünd

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Sönke Niefünd hat allerdings zum 1. August 2016 das Depot von Daniel Hupfer von der M.M. Warburg übernommen. Den Kommentatoren steht es frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Die Regeln der Depots

Die Musterdepots veranschaulichen aussichtsreiche Anlagestrategien und geben Anregungen, mit denen Investoren ihre Renditeziele erreichen können. Im Vordergrund steht nicht ein Wettbewerb zwischen den drei Portfolios, sondern vielmehr die Nachvollziehbarkeit und Transparenz der Anlageentscheidungen für den Leser. Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn, am Freitag, dem 31. Januar 2014, wurden mindestens fünf Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, wann sie investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,25 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern.

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Kommentare (2)

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Frau Edelgard Kah

28.06.2017, 12:59 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Sommer,

"Autowerte spottbillig". Vielleicht können Sie einmal überprüfen, ob dieses Phänomen wirklich neu ist. Ich meine mich zu erinnern, dass das das niedrige KGV der Autowerte eine langjährige Dauererscheinung ist. Und ich erinnere mich auch an weit zurückliegende Erklärungsversuche. Danach sind die Autowerte in sehr starkem Maße "Zykliker", bei denen einige Jahre mit hohem Gewinn durch Verlustjahre abgelöst werden. Dass flüchtige Gewinne längst nicht so hoch bewertet werden wie dauerhafte Gewinne, sollte unstrittig sein.

Frau Edelgard Kah

28.06.2017, 15:07 Uhr

Sehr geehrte Herren Redakteure,

Sie sehen "Anzeichen für Korrektur der Märkte". Ich nehme an, dass Sie die Definition einer "Börsenkorrektur" kennen. Mein Lexikon vermerkt, "stärkerer Kursrückgang in einem grundsätzlich aufwärts gerichteten Trend". Im Klartext: Der Trend bleibt erhalten, mit den Kursen geht es weiter nach oben. Nur unterbrochen durch einige Tage oder Wochen mit rückläufigen Kursen.

Die Rede ist somit von einem Geschenk des Himmels. Sie bekommen die Chance billig einzukaufen. Aber Sie müssen sich auf diese Chance vorbereiten. Gut überlegen, in welche Indices Sie investieren wollen. Aber hoffentlich kommt niemand auf die Idee, Einzelwerte wie beispielsweise Allianz, Siemens oder Rheinmetall ins Depot zu nehmen. Dass dies viel zu gefährlich ist, sagt auch Herr Dr. Sommer.

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