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23.07.2017

17:59 Uhr

Musterdepots

Börsenwoche in Moll

Drei Manager, drei Konzepte, drei Portfolios: Die Musterdepots zeigen, wie man mit Timing und Strategie den Markt schlagen kann. Das Thema der Strategen ist der steigende Euro-Kurs im Vergleich zum US-Dollar.

Ulf Sommer, Alexander Kovalenko und Sönke Niefünd.

Die Handelsblatt-Musterdepots und ihre Manager

Ulf Sommer, Alexander Kovalenko und Sönke Niefünd.

Das Redaktionsdepot: Ulf Sommer, Handelsblatt

So schnell geht es mit Korrekturen am Aktienmarkt: Zwischenzeitlich verlor der deutsche Leitindex am vergangenen Freitag mehr als 250 Punkte. Offenbar belastet der starke Euro die Exportnation Deutschland und sorgt dafür, dass sich vor allem internationale und institutionelle Anleger aus Deutschland vom Dax abwenden. Das ergibt sich aus Umfragen zur aktuellen Börsenstimmung und zu den -erwartungen. Dass sich diese Situation noch in den Sommerferien wieder ins Positive dreht, ist nicht zu erwarten. Zumindest nicht, solange die europäische Gemeinschaftswährung so stark bleibt.

Ulf Sommer

Der Redakteur

Mit den Finanzmärkten, der Geldanlage und branchenübergreifenden Unternehmensthemen wie Dividenden, Aktienrückkäufe und vor allem Bilanzkennzahlen beschäftigt sich der promovierte Historiker beim Handelsblatt seit über 15 Jahren.

Die Strategie

Das Kapital wird kurzfristig nicht gebraucht. Es dient vielmehr der Altersvorsorge, dem späteren Studium der Kinder oder dem Kauf eines Hauses im Rentenalter. Deshalb steht nicht der kurzfristige Werterhalt um jeden Preis, sondern die langfristige Mehrung des Kapitals im Fokus. Verlustzeiten sind schmerzhaft, können aber ausgesessen werden. Zur Auswahl stehen Einzelaktien, Aktien-Indizes in Form von Zertifikaten, Gold, große Währungen wie Euro, Dollar und Yen sowie Hebel-Zertifikate. Mit ihnen eröffnet sich die Möglichkeit, auf stark steigende oder fallende Märkte zu spekulieren. Anleihen scheiden bis auf weiteres auf Grund aus, weil die Zinsen und Renditen zu unattraktiv sind.

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Ulf Sommer hat allerdings zum 6. März 2017 das Depot von Handelsblatt-Redakteur Georgios Kokologiannis übernommen. Den Kommentatoren steht es frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Das Social-Trading-Depot: Alexander Kovalenko, Bayerische Vermögen

Das „Social-Trading“-Musterdepot stellt eine Kombination aus dem Aktienkernportfolio mit aktuell 15 Einzeltiteln und einigen ausgewählten Zertifikaten von der Plattform wikifolio.com dar. Wenn es um die Auswahl einzelner Titel geht, konzentrieren wir uns auf unterbewertete Unternehmen mit einem guten Geschäftsmodell. Bei der Selektion der Wikifolios nehmen wir die Strategien der jeweiligen Wikifolio-Manager unter die Lupe. Unter dem Strich ist unsere Anlagestrategie langfristig ausgerichtet, transaktionsarm und sieht in der Regel eine hohe Investitionsquote vor.

Alexander Kovalenko

Der Anleger

Alexander Kovalenko arbeitet für Bayerische Vermögen. „Wir machen normalerweise keine Prognosen, weil es aus unserer Sicht eher wenig Sinn macht“, sagt er. „Wir können nur sagen, dass die Aktien für uns aktuell eine stark bevorzugte Anlageklasse darstellen, und hier vor allem die (süd)europäischen Aktien, die noch deutlich unter ihrem Fair-Wert gehandelt werden. Dazu kommt eine Dividendenrendite von durchschnittlich etwa drei Prozent. Bei Aktien sehen wir also trotz eventuellen und sogar eher wahrscheinlichen Korrekturen ein sehr attraktives Chance/Risiko-Profil!“

Die Strategie

Das Social-Trading-Depot versteht sich als Kombination eines langfristig orientierten Kernportfolios und der innovativen Anlageform des Social Trading. Einen Anteil von 60 bis 70 Prozent bildet ein Aktienportfolio, das einen Value-Ansatz verfolgt: Es wird in zehn bis 15 stark unterbewertete Einzeltitel aus dem breiten europäischen Aktienmarkt investiert, wobei die Selektion der Einzeltitel mittels Analyse der Fundamentalkriterien beziehungsweise der Bilanzdaten erfolgt. Der Social-Trading-Anteil beträgt zwischen 30 und 40 Prozent und wird in wikifolio-Indexzertifikate investiert: Diese bilden unterschiedliche Strategien von Top-Tradern auf wikifolio.com ab. Das Social-Trading-Depot soll in der Regel voll investiert sein. Der Anlagehorizont ist mittel- bis langfristig ausgerichtet und sieht nur selten Umschichtungen vor. Betreut wird das Social-Trading-Depot von Bayerische Vermögen AG.

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Das Privatbank-Depot: Sönke Niefünd, Otto M. Schröder Bank

Am Ende der Börsenwoche werden die Lieder in Moll gesungen. Durch den starken Euro-Dollar-Wechselkurs ohnehin unter Druck, zeigen sich deutsche Automobilwerte durch einen Bericht über wettbewerbswidrige Absprachen zusätzlich belastet. In diesem Umfeld meldet der französische Automobilzulieferer Valeo aus unserem Musterdepot hervorragende Zahlen und verweist auf das Wachstumspotenzial seines innovativen Portfolios – die Jahresziele werden bestätigt. Trotz deutlichem Tagesverlust am Freitag beschert uns Valeo in 2017 einen Kursgewinn von über 9,5 Prozent.

Sönke Niefünd

Der Anleger Niefünd

Das Anlageziel besteht darin, nachhaltig zu investieren und dabei einen langfristigen Vermögenszuwachs zu erzielen. Dazu werden je nach Einschätzung der Wirtschafts- und der Börsenaussichten Wertpapiere erworben und veräußert. Dabei wird besonders auf die Risikostreuung geachtet.

Der Stratege Niefünd

Unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien der Themengebieten Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance), auch ESG-Ansatz genannt. Das Mandat wird aktiv gemanagt, gleichzeitig werden jedoch strategisch langfristig Positionen gehalten. Wir verfolgen die Umsetzung der „Politik der ruhigen Hand“. Es werden Fonds, ETFs und Einzeltitel gekauft, die unseren Kriterien erfüllen. Die Auswahl der Einzeltitel erfolgt in den Themengebieten innerhalb der 4 Säulen Wirtschaftliches, Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG-Ansatz). Ausgewählte Wertpapiere haben in jedem Bereich mindestens 65 Punkte von 100 Punkten im Bereich der Nachhaltigkeit. Zudem kommen Negativkritieren und ein Best-in-Class Ansatz bei der Einzeltitelauswahl zum Tragen.

Die Regeln Niefünd

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Sönke Niefünd hat allerdings zum 1. August 2016 das Depot von Daniel Hupfer von der M.M. Warburg übernommen. Den Kommentatoren steht es frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Die Regeln der Depots

Die Musterdepots veranschaulichen aussichtsreiche Anlagestrategien und geben Anregungen, mit denen Investoren ihre Renditeziele erreichen können. Im Vordergrund steht nicht ein Wettbewerb zwischen den drei Portfolios, sondern vielmehr die Nachvollziehbarkeit und Transparenz der Anlageentscheidungen für den Leser. Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn, am Freitag, dem 31. Januar 2014, wurden mindestens fünf Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, wann sie investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,25 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern.

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Kommentare (2)

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Frau Edelgard Kah

24.07.2017, 11:16 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Sommer,

reden wir einmal über das Thema "Erwartungen". Es hat einen großen Unterhaltungswert. Auch ich lasse mich gerne unterhalten und lese jeden Morgen die Ausführungen eines mittelberühmten Charttechnikers.

Heute hält er es für möglich, dass der DAX bis auf 11 800 Punkte zurückfällt. "Möglich" ist das ganz bestimmt. "Möglich" ist wirklich alles. Und "unwahrscheinlich" sind die 11.800 Punkte auch nicht. Sie würden eine Korrektur um 8,5 % bedeuten, das liegt im Rahmen früherer Erfahrungen.

Dennoch nützt mir die Prognose überhaupt nichts. Weil ich kein Trader, sondern Anleger bin. Und als Anleger möchte ich unbedingt wissen, was kommt denn eigentlich nach den 11 800 Punkten? Kommen danach neue Allzeithochs? Oder verliert der DAX danach weitere 5 000 Punkte? Quo vadis DAX?

Auf diese Frage hat natürlich niemand eine Antwort. Wir wissen es schlicht und einfach nicht. Aber sollen wir dennoch täglich darüber diskutieren? Uns unaufhörlich die Köpfe heiß reden? Obwohl wir ganz genau wissen, dass es keine Antwort gibt?

Frau Edelgard Kah

24.07.2017, 14:03 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Sommer,

hängt die Schwächephase des DAX tatsächlich mit der Aufwertung des EURO zusammen? "Der Aktionär" hat in seiner online-Ausgabe (www.deraktionaer.tv Beitrag 13) dazu eine Untersuchung veröffentlicht. Sie hat den Titel "Der Euro/Dollar-Einfluß auf den DAX". Untersuchungszeitraum sind die 47 Jahre von 1970 bis 2017. Das Ergebnis: Stärkere Aufwertungen der DM bzw. des EURO haben in den nachfolgenden drei Monaten im Mittel zu einem DAX-Anstieg geführt.. In selteneren Fällen aber auch zu einem DAX-Rückgang. Soweit zur Vergangenheit.

In der Gegenwart erscheint mir eher die Frage von Interesse, warum seit Jahresbeginn der EURO gegenüber dem Dollar rund 10 % aufgewertet hat. Eine Erklärung dafür habe ich bislang nicht gefunden. Die Geldpolitik diesseits und jenseits des Atlantiks hätte eigentlich eher den Dollar stärken müssen. Die wirtschaftliche Entwicklung auch.

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