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22.12.2014

21:38 Uhr

Musterdepots

Bundesanleihen schlagen den Dax

Die ewigen Mahner warnen vor einem Investment in Staatsanleihen. Dabei haben Bundesanleihen den Dax um ein Vielfaches geschlagen. Und wenn die EZB anfängt Anleihen zu kaufen, könnte es noch weiter aufwärts gehen.

Georgios Kokologiannis Pablo Castagnola

Georgios Kokologiannis

Bundesanleihen seien nichts anderes als eine Art „renditeloses Risiko“ lautetet die Einschätzung praktisch aller Anlageprofis vor rund einem Jahr. Und nur wer in Aktien umschichte, werde in den kommenden Monaten sein Geld nach Abzug der Inflation real erhalten. Doch die Realität war rückblickend eine völlig andere.

Erstens gibt es hierzulande von einer beschleunigten Geldentwertung weit und breit keine Spur. Ganz im Gegenteil: Es droht Deflation und die Europäische Zentralbank hat jüngst ihre Inflationsprognose für das kommenden Jahr nahezu halbiert auf 0,7 Prozent. Selbst mit vielen stockkonservativen Festgeldangeboten war der Kapitalerhalt zuletzt überhaupt kein Problem.

Georgios Kokologiannis

Der Redakteur

Mit Geldanlagethemen beschäftigt sich der Diplom-Kaufmann beim Handelsblatt seit über 16 Jahren - davor bereits während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und beim Finanzconsulting einer Unternehmensberatung.

Twitter: @kokologiannis

Die Strategie

"Mein Ziel ist es, eine durchschnittliche Rendite von sechs bis acht Prozent per annum zu erreichen – und das möglichst nervenschonend. Zwei Kernbestandteilen meiner Strategie: Erstens der Einsatz von Anlagezertifikaten und anderen Derivaten, mit denen sich zum einen Depotpositionen absichern lassen und die es zum anderen ermöglichen, auch von schwierigen Phasen an den Aktien- und Rohstoffmärkten zu profitieren. Zweitens arbeite ich bei risikoreicheren Engagements mit Stopp-Loss-Marken - das soll dazu beitragen, dass ich nicht zu lange an Fehlinvestitionen festhalte."

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Zweitens hat die Wertentwicklung von Bundesanleihen den Dax deutlich abgehängt: Wer Anfang Januar beispielsweise in zehnjährige deutschte Staatspapiere investiert hat, der darf sich inzwischen über Kursgewinne von über 14 Prozent freuen – ein Vielfaches der aktuellen Inflationsrate. Der Aktienindex hat dagegen mit Mühe und Not nicht einmal ein Plus von dreieinhalb Prozent geschafft – zwischenzeitlich waren Dax-Investments sogar um dreizehn Prozent in den tiefroten Bereich eingebrochen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Experten mit ihren Warnungen vor dem Anleihemarkt Anlegern einen Bärendienst erwiesen haben. Mindestens seit dem Jahr 2010 liegen sie regelmäßig völlig daneben. Ihre Argumentation ist seitdem dieselbe geblieben: Die Renditen der als besonders sicher geltenden (deutschen) Bonds sei wegen der starken Nachfrage auf rekordtiefem Niveau. Es drohten daher Kursverluste, sobald das Interesse nachlässt und die Zinsen wieder steigen.

Ob die ewigen Warner vielleicht im kommenden Jahr endlich recht behalten, ist mehr als fraglich: Sollte die Europäische Zentralbank tatsächlich ihr umstrittenes Anleihekaufprogramm starten, dann werden die Notenbanker auch Bundesanleihen vom Markt nehmen, die Renditen folglich noch weiter sinken und die Kurse im Gegenzug tendenziell steigen.

Sollte EZB-Chef Mario Draghi dagegen - anders als erwartet - doch noch von seinem Vorhaben abgebracht werden, dann droht an den Aktienmärkten in Europa ein panikartiger Abverkauf. Schließlich ist es ausschließlich der Glaube an die versprochene Geldflut, die den Dax von seinem Jahrestief bei rund 8300 Punkten wieder bis in den Bereich der Zehntausender-Marke hochkatapultiert hat – und nichts anderes.

Bleibt die erhoffte Marktmanipulation der Notenbanker überraschend aus, dann wird es an den Aktienbörsen mehrere Etagen abwärts gehen – und die Anleger werden in sichere Häfen flüchten. Auch in diesem Szenario würde es also weiter aufwärts gehen mit den Kursen deutscher Staatspapiere.

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