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03.09.2015

20:01 Uhr

Musterdepots

Das Für und Wider des Betongolds

Die aktienscheuen Deutschen investieren in Zeiten von Nahenullzinsen massiv in Immobilien. Grund genug für Musterdepotstratege Alexander Kovalenko, die Anlageklassen Aktien und Immobilien zu vergleichen. Wer gewinnt?

Alexander Kovalenko

Alexander Kovalenko

Derzeit erlebt man in der Bundesrepublik einen regelrechten Immobilien-Run. Aufgrund der fehlenden Renditen bei den Sparanlagen, gepaart mit der für Deutschland traditionellen Unbeliebtheit der Aktien, steigt die Nachfrage nach Wohnimmobilien rasant weiter. Stellt dies aber ein rationales Verhalten dar?

Unseres Erachtens bieten die Dividendenpapiere im aktuellen Umfeld langfristig ein attraktiveres Chance- / Risikoprofil, vor allem für diejenigen, die ihr komplettes Kapital in eine Wohnung oder in ein Haus investieren möchten. Wir sehen einige Argumente, die momentan gegen Immobilienanlagen sprechen.

Alexander Kovalenko

Der Anleger

Alexander Kovalenko arbeitet für Bayerische Vermögen. „Wir machen normalerweise keine Prognosen, weil es aus unserer Sicht eher wenig Sinn macht“, sagt er. „Wir können nur sagen, dass die Aktien für uns aktuell eine stark bevorzugte Anlageklasse darstellen, und hier vor allem die (süd)europäischen Aktien, die noch deutlich unter ihrem Fair-Wert gehandelt werden. Dazu kommt eine Dividendenrendite von durchschnittlich etwa drei Prozent. Bei Aktien sehen wir also trotz eventuellen und sogar eher wahrscheinlichen Korrekturen ein sehr attraktives Chance/Risiko-Profil!“

Die Strategie

Das Social-Trading-Depot versteht sich als Kombination eines langfristig orientierten Kernportfolios und der innovativen Anlageform des Social Trading. Einen Anteil von 60 bis 70 Prozent bildet ein Aktienportfolio, das einen Value-Ansatz verfolgt: Es wird in zehn bis 15 stark unterbewertete Einzeltitel aus dem breiten europäischen Aktienmarkt investiert, wobei die Selektion der Einzeltitel mittels Analyse der Fundamentalkriterien beziehungsweise der Bilanzdaten erfolgt. Der Social-Trading-Anteil beträgt zwischen 30 und 40 Prozent und wird in wikifolio-Indexzertifikate investiert: Diese bilden unterschiedliche Strategien von Top-Tradern auf wikifolio.com ab. Das Social-Trading-Depot soll in der Regel voll investiert sein. Der Anlagehorizont ist mittel- bis langfristig ausgerichtet und sieht nur selten Umschichtungen vor. Betreut wird das Social-Trading-Depot von Bayerische Vermögen AG.

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Zum einen haben die Preise in Ballungsgebieten astronomische Höhen erreicht. Viele kontern damit, dass die Finanzierungskosten dagegen gesunken sind. Das stimmt zwar, in den meisten Fällen macht aber ein hoher Anschaffungspreis diesen Vorteil zunichte. Außerdem können die Finanzierungskosten ab jetzt fast nur noch steigen. Zum anderen stellt die Illiquidität einen massiven Nachteil dar, was bei einem unerwarteten größeren Liquiditätsbedarf sehr unangenehme Folgen haben kann.

Des Weiteren vergisst man oft, dass die Immobilienpreise durchaus fallen können. Wenn ein zu 75 Prozent fremdfinanziertes Haus 25 Prozent seines Wertes verliert, kann dies einen Anleger deutlich schmerzhafter treffen, als eine 25-prozentige Korrektur am Aktienmarkt. Denn das Erste zerstört faktisch das gesamte Eigenkapital. Darüber hinaus ist der Immobilienbesitz mit laufenden Reparatur- beziehungsweise Instandhaltungskosten sowie mit der Altersentwertung verbunden, welche ein Mieter nicht hat.

Ein Immobilienkauf kann natürlich durchaus sinnvoll sein, wenn man nur einen Teil seines Vermögens investiert und somit eine Diversifikation schafft. Es wäre allerdings nicht ratsam sein komplettes Kapital für eine Immobilie einzusetzen und dies vor allem, wenn sie fremdfinanziert wird. Wir empfehlen ein diversifiziertes Portfolio, welches neben Immobilien und festverzinslichen Anlagen auf jeden Fall einen signifikanten Aktienanteil beinhalten sollte. Wie dieser aufgebaut werden kann, versuchen wir mit unserem langfristigen transaktionsarmen Musterdepot zu zeigen.     

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