Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.02.2017

20:04 Uhr

Musterdepots

Das Verlustrisiko ist so hoch wie selten

Die Dax-Anleger haben viel Vertrauen in steigende Kurse – zu viel, findet Georgios Kokologiannis. Ein Indikator zeigt, weshalb Anleger ihren Optimismus zügeln müssen. Die Musterdepots im Überblick.

Georgios Kokologiannis Pablo Castagnola

Georgios Kokologiannis

Das Verlustrisiko am deutschen Aktienmarkt ist so hoch wie selten zuvor. Darauf deutet ein Indikator der Beratungsfirma Sentix hin, die Daten zum Anlegerverhalten analysiert und daraus Schlüsse für die Börsenentwicklung zieht. Der „Overconfidence Index“ für den Dax sei nicht mehr weit von seinem theoretischen Maximum entfernt, warnen die Experten

Seit 2011 ist dies nur fünf Mal geschehen. Danach sei es aber stets zu einer Erschöpfung der Rally gekommen – oder zu einem starken Kursrückgang. Hohe Indexwerte zeigen an, dass Anleger dazu tendieren, übermäßige Positionen aufzubauen. Nach einem solchen Warnsignal habe der Dax in der Vergangenheit im Schnitt 3.7 Prozent über die nächsten zwölf Wochen verloren.

Georgios Kokologiannis

Der Redakteur

Mit Geldanlagethemen beschäftigt sich der Diplom-Kaufmann beim Handelsblatt seit über 16 Jahren - davor bereits während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und beim Finanzconsulting einer Unternehmensberatung.

Twitter: @kokologiannis

Die Strategie

"Mein Ziel ist es, eine durchschnittliche Rendite von sechs bis acht Prozent per annum zu erreichen – und das möglichst nervenschonend. Zwei Kernbestandteilen meiner Strategie: Erstens der Einsatz von Anlagezertifikaten und anderen Derivaten, mit denen sich zum einen Depotpositionen absichern lassen und die es zum anderen ermöglichen, auch von schwierigen Phasen an den Aktien- und Rohstoffmärkten zu profitieren. Zweitens arbeite ich bei risikoreicheren Engagements mit Stopp-Loss-Marken - das soll dazu beitragen, dass ich nicht zu lange an Fehlinvestitionen festhalte."

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Daher sollte dieses Vorzeichen nach Einschätzung der Fachleute von Sentix ernst genommen werden. Gerade auch unter Berücksichtigung eines aktuell fallenden Grundvertrauens der Anleger in Aktien - trotz weiter steigender Kurse. Zuletzt haben sie den deutschen Leitindex auf ein neues Jahreshoch bei knapp 12.000 Punkten getrieben.

Das Musterdepot ist derzeit auf ein Auslaufen der zweitlängsten Börsenrally aller Zeiten ausgerichtet. Selbst gegen eine kräftigere Korrektur ist das Portfolio vollständig abgesichert. Mehrere Reverse-Bonuszertifikate kompensieren in diesem Szenario die Verluste anderer Positionen.

Davon scheinen die meisten Investoren derzeit nicht auszugehen. Darauf zeigt etwa der Blick auf ein spezielles Barometer: Der VStoxx-Index misst die von Investoren erwartete Nervosität am europäischen Aktienmarkt und ist bis in das unterste Fünftel seiner langjährigen Handelsspanne gesunken.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Frau Edelgard Kah

22.02.2017, 12:12 Uhr

Sehr geehrter Herr Kokologiannis,

erinnern Sie sich noch, wie Sie am Montag die Sentiment-Umfragen des Analysehauses Animusk vorgestellt haben? Erinnern Sie sich noch an Ihre Überschriften "Es droht nur ein kleiner Ausverkauf" und "Warum kein Absturz am deutschen Aktienmarkt bevorsteht". Erinnern Sie sich auch noch an Ihre Begründung: "Die meisten Investoren erwarten nun einen Rückschlag. Nie war die Erwartung in den zurückliegenden zwei Jahren so pessimistisch wie derzeit". Erinnern Sie sich auch daran, dass sie die hohe Absicherung institutioneller Investorenn herausgestellt haben weil sie einen Absturz verhindert?

Einen Tag später, am Dienstag, stellen Sie dann die Meinung der Beratungsfirma Sentix vor. Nun erfahren Ihre Leser von einem "Overconfidence Index" der besagt, "Das Verlustrisiko ist so hoch wie selten".

Ein Redakteur ist selbstverständlich nicht dafür verantwortlich, dass die Umfragen zweier Analysehäuser zu diametral unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Aber es kann auch nicht angehen, dass er zu diametral unterschiedlichen Umfrageergebnissen einfach nur schweigt. Dass er sich sich an seine eigene Präsentation des Vortages Vortages nicht erinnern möchte.

Gewiss, es gibt noch viel schlimmere Beispiele. Ich denke dabei an Ihre Kollegen, die kein eigenes Argument und keine eigene Meinung haben. Die bei jedem Thema nur einige Banker anrufen und mit deren Zitaten die Seiten füllen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×