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22.08.2016

15:56 Uhr

Musterdepots

„Demontage der marktwirtschaftlichen Ordnung“

Musterdepotstratege Georgios Kokologiannis hält es für möglich, dass die Europäische Zentralbank ihr Kaufprogramm ausweitet und sogar Aktien im großen Stil einsammeln könnte. Mit erheblichen Nebenwirkungen.

Georgios Kokologiannis Pablo Castagnola

Georgios Kokologiannis

FrankfurtAls ein maßgeblicher Grund für die so überraschende wie überzogene Rally europäischer Aktien nach dem Brexit-Votum Ende Juni gilt die Spekulation auf neue Marktmanipulationen durch die Europäische Zentralbank. Dass die EZB neben einer Ausweitung ihrer bisherigen Anleihekäufe künftig irgendwann sogar Dividendenpapiere im großen Stil einsammeln könnte, halten hinter vorgehaltener Hand mittlerweile sogar Vertreter namhafter Großbanken für nicht mehr völlig ausgeschlossen.

Georgios Kokologiannis

Der Redakteur

Mit Geldanlagethemen beschäftigt sich der Diplom-Kaufmann beim Handelsblatt seit über 16 Jahren - davor bereits während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und beim Finanzconsulting einer Unternehmensberatung.

Twitter: @kokologiannis

Die Strategie

"Mein Ziel ist es, eine durchschnittliche Rendite von sechs bis acht Prozent per annum zu erreichen – und das möglichst nervenschonend. Zwei Kernbestandteilen meiner Strategie: Erstens der Einsatz von Anlagezertifikaten und anderen Derivaten, mit denen sich zum einen Depotpositionen absichern lassen und die es zum anderen ermöglichen, auch von schwierigen Phasen an den Aktien- und Rohstoffmärkten zu profitieren. Zweitens arbeite ich bei risikoreicheren Engagements mit Stopp-Loss-Marken - das soll dazu beitragen, dass ich nicht zu lange an Fehlinvestitionen festhalte."

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Das aber wäre ein weiterer Schritt Richtung de facto (Teil-)Verstaatlichung in der Eurozone und Demontage der marktwirtschaftlichen Ordnung. Langfristig wahrlich kein Anlass zum Jubeln für private Kapitalanleger. Ein warnendes Beispiel: In Japan, wo sich die dortige Notenbank schon seit sechs Jahren über Indexfonds in die Unternehmen des Landes einkauft, zählt die Bank of Japan bereits jetzt bei dutzenden börsennotierten Firmen zu den größten Anteilseignern - und es werden laufend mehr.

Sollten sich demnächst tatsächlich die Gerüchte über ähnliche Aktienkauf-Pläne in den Schubläden der hiesigen Währungshüter erhärten – etwa diese Woche auf der diesjährigen internationalen Notenbankkonferenz in Jackson Hole – dann bekäme die jüngste Börsenrally noch aus einem weiteren Grund einen faden Beigeschmack: Was gab den ursprünglichen Anstoß dafür, dass ab einem bestimmten Zeitpunkt einige Marktteilnehmer plötzlich das hierzulande lange Undenkbare in Erwägung zogen und so die Kurse befeuerten?

Schon bald könnten Erinnerungen geweckt werden an einen Fauxpas aus der jüngsten Vergangenheit der EZB, der an der Grenze zum Skandal lag - die kapitalmarktrelevante Kommunikationspanne im vergangenen Frühsommer: Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré hatte am 18. Mai bei einer Rede vor Banken und Hedgefonds die bis dato unbekannten Pläne zu einer möglichen Ausweitung des Wertpapierkaufprogramms der EZB ausgeplaudert - welche die Anwesenden prompt für Insidertransaktionen nutzten.

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