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05.06.2014

19:38 Uhr

Musterdepots

Der Beginn der zinslosen Zeit

Die EZB schafft die Zinsen praktisch ab. Banken müssen sogar Strafzinsen bezahlen. Die Anleger lassen den Dax kurzzeitig über 10.000 Punkte steigen. Was das für die Depots bedeutet und wie die Autoren damit umgehen.

Alexander Kovalenko

Alexander Kovalenko

Die zinslose Zeit wird wohl noch lange dauern, zumindest in Europa. Experten haben in den USA errechnet, dass die gesamten geldpolitischen Maßnahmen ohnehin schon die Wirkung von Negativzinsen entfalten. Ein Zins an der Nullgrenze in Verbindung mit weiteren Stimulationsmaßnahmen ist quasi schon ein Negativzinsumfeld. Dass Zinsen lange bei null sein können, zeigt das Beispiel Japan. Bernanke soll bei einem privaten Mittagessen wohl davon gesprochen haben, dass er den Zins zu seinen Lebzeiten nicht mehr über vier Prozent sieht. Die Vergangenheit zeigt, dass in solchen Phasen Aktien den Renten deutlich überlegen sind.

Wenn wir in Europa und den USA auf Wachstumskurs bleiben, dann werden wir noch viel höhere Aktienkurse, dem billigen Geld sei Dank, erleben. Nicht nur Staaten sondern auch Konzerne haben sich so günstig wie nie Geld am Kapitalmarkt besorgt. Unternehmen werden wohl das billige Geld vermehrt für Firmenübernahmen verwenden. Vor Jahren war eine angekündigte Firmenübernahme immer zunächst schlecht für den Kurs des Übernehmenden und positiv für den der Übernommenen. Heute kann ein Konzern mit billigem Geld ein Unternehmen kaufen und verdient sofort Geld. Die  Finanzierungskosten liegen weit unter der Gewinnrendite des Zielunternehmens. 

Alexander Kovalenko

Der Anleger

Alexander Kovalenko arbeitet für Bayerische Vermögen. „Wir machen normalerweise keine Prognosen, weil es aus unserer Sicht eher wenig Sinn macht“, sagt er. „Wir können nur sagen, dass die Aktien für uns aktuell eine stark bevorzugte Anlageklasse darstellen, und hier vor allem die (süd)europäischen Aktien, die noch deutlich unter ihrem Fair-Wert gehandelt werden. Dazu kommt eine Dividendenrendite von durchschnittlich etwa drei Prozent. Bei Aktien sehen wir also trotz eventuellen und sogar eher wahrscheinlichen Korrekturen ein sehr attraktives Chance/Risiko-Profil!“

Die Strategie

Das Social-Trading-Depot versteht sich als Kombination eines langfristig orientierten Kernportfolios und der innovativen Anlageform des Social Trading. Einen Anteil von 60 bis 70 Prozent bildet ein Aktienportfolio, das einen Value-Ansatz verfolgt: Es wird in zehn bis 15 stark unterbewertete Einzeltitel aus dem breiten europäischen Aktienmarkt investiert, wobei die Selektion der Einzeltitel mittels Analyse der Fundamentalkriterien beziehungsweise der Bilanzdaten erfolgt. Der Social-Trading-Anteil beträgt zwischen 30 und 40 Prozent und wird in wikifolio-Indexzertifikate investiert: Diese bilden unterschiedliche Strategien von Top-Tradern auf wikifolio.com ab. Das Social-Trading-Depot soll in der Regel voll investiert sein. Der Anlagehorizont ist mittel- bis langfristig ausgerichtet und sieht nur selten Umschichtungen vor. Betreut wird das Social-Trading-Depot von Bayerische Vermögen AG.

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Unser französischer Wert Peugeot gehört weiterhin zu den Bestperformer. Investoren und wir glauben immer mehr an die Trendwende. Sebastian Reese kaufte im wikifolio „SR wisdom capital spekulativ“ kleine Stückzahlen von Sino AG und Deutsche Rohstoff AG. Die Position Sino AG  (DE0005765507) ist laut dem  wikifolio-Kommentar von Sebastian Reese mittelfristig ausgerichtet und hat in erster Linie fundamentale Gründe. Dem Unternehmen ist im letzten Geschäftsjahr der Turnaround gelungen. Der Start in das aktuelle Geschäftsjahr verlief mit Blick auf die Zahlen zum ersten Halbjahr auch sehr vielversprechend. Die Tradezahlen im April waren allerdings rückläufig. Dieser Trend könnte sich auch im Mai fortgesetzt haben (Tradezahlen werden kommenden Freitag gemeldet).

Dieser Dämpfer dürfte nach Meinung von Sebastian Reese aber nur von kurzer Dauer sein. Neben dem klassischen Geschäftsmodell kommt nämlich folgender Aspekt hinzu: Die Sino AG ist mit 43 Prozent an der Tick TS AG beteiligt, welche zuletzt immer wieder einen positiven Beitrag zum Jahresergebnis beigetragen hat. Die Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr inklusive Sonderausschüttung betrug 0,55 Euro. Erst gestern wurde eine Kooperation mit der comdirect vermeldet. Sollten die Umsätze der Sinokunden nicht völlig einschlafen, so dürften die Aktien der Sino AG mittel bis langfrsitig für Freude sorgen. Gemessen am aktuellen Kursniveau, bietet der Wert eine attraktive Dividendenrendite, so der Depotverwalter Sebastian Reese.

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