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19.05.2015

18:14 Uhr

Musterdepots

Der sechsstellige Dax

Es ist gar nicht solange her, als sich Aktienmarktexperten mit den Prognosen für den Dax gegenseitig übertrafen. Musterdepot-Autor Georgios Kokologiannis sah diese Entwicklung kritisch – zu Recht, wie sich jetzt zeigt.

Georgios Kokologiannis Pablo Castagnola

Georgios Kokologiannis

Wenn unter Experten extreme Einigkeit herrscht über die weitere Marktentwicklung an den Börsen, sollten Anleger besonders kritisch agieren. So wurde die Wette auf eine Fortsetzung des Euro-Absturzes lange Zeit als Freifahrtschein zum Geldverdienen gehandelt. Die Parität zum Dollar galt als ausgemachte Sache. Doch seit rund zwei Monaten entwickelt sich die Gemeinschaftswährung völlig anders als prognostiziert. Der Blick auf die Umsatzstatistiken der Derivatebörsen offenbart, dass sich hier offenbar massenhaft auch Kleinanleger mehr als nur die Finger verbrannt haben.

Mit immer düsteren Preisprognosen haben sich Analysten in den vergangenen Monaten auch bei Rohöl überboten. Fachleute von Goldman Sachs warnten etwa im Januar davor, dass vor dem Jahresende keinesfalls mit einer Erholung der Ölpreise zu rechnen sei. Die Realität ist eine andere: Seitdem haben die Notierungen für den weltweit wichtigsten Rohstoff bereits wieder um mehr als ein Drittel zugelegt.

Georgios Kokologiannis

Der Redakteur

Mit Geldanlagethemen beschäftigt sich der Diplom-Kaufmann beim Handelsblatt seit über 16 Jahren - davor bereits während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und beim Finanzconsulting einer Unternehmensberatung.

Twitter: @kokologiannis

Die Strategie

"Mein Ziel ist es, eine durchschnittliche Rendite von sechs bis acht Prozent per annum zu erreichen – und das möglichst nervenschonend. Zwei Kernbestandteilen meiner Strategie: Erstens der Einsatz von Anlagezertifikaten und anderen Derivaten, mit denen sich zum einen Depotpositionen absichern lassen und die es zum anderen ermöglichen, auch von schwierigen Phasen an den Aktien- und Rohstoffmärkten zu profitieren. Zweitens arbeite ich bei risikoreicheren Engagements mit Stopp-Loss-Marken - das soll dazu beitragen, dass ich nicht zu lange an Fehlinvestitionen festhalte."

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Die US-Investmentbanker haben sich beim „Schwarzen Gold“ auch schon in die entgegengesetzte Preisrichtung als Kontraindikator verdient gemacht: Vor ziemlich genau acht Jahren reihten sie sich in die Gruppe derjenigen ein, die eine Fortsetzung der damaligen Ölpreis-Rally für alternativlos hielten - und setzten sich mit ihrem Kursziel von bis zu 200 Dollar für ein Barrel an die Spitze der damals euphorischen Preisprognosen. Nur kurz danach kollabierten die Preise um mehr als drei Viertel.

Nicht beim schwarzen, sondern beim echten Gold lag die Analystenzunft im Spätsommer 2011 spektakulär daneben: Während es nur als eine Frage der Zeit dargestellt wurde, bis der Unzenpreis für das Edelmetall die 2000-Dollar-Marke überspringen würde, legte Gold plötzlich den Rückwärtsgang ein und bescherte Späteinsteigern, die auf die gebetsmühlenartig wiederholten Kaufempfehlungen vertrauten, einen Verlust von rund 40 Prozent.

Hellhörig werden sollten Investoren auch jetzt, wenn in Zusammenhang mit Geldanlage die unheilschwangeren Phrasen „alternativlos“ und „nur eine Frage der Zeit“ fallen und immer aufmerksamkeitsheischendere Kursziele ausgerufen werden. Ein Wettkampf um die spektakulärsten Prognosen ist zuletzt vor allem am deutschen Aktienmarkt entbrannt: Nachdem der Dax die 12.000er-Marke im vergangenen Monat geknackt hat, riefen die ersten Fachleute bereits 14.000 Punkte als Jahresendziel aus.

Mittelfristig seien selbstredend auch 20.000, 30.000 und mehr Zähler drin. Manch ein Anlageexperte fühlt sich nach der Endlos-Hausse der vergangenen Jahre sogar dazu ermutigt mit vollends unseriösen Kursprognosen zu kokettieren: Bei den extremen Niedrigzinsen am Anleihemarkt komme man derzeit rein rechnerisch auf einen fairen Dax im sechsstelligen Bereich...

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