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09.05.2016

18:52 Uhr

Musterdepots

Deutsche Anleger sind besser als ihr Ruf

Die Deutschen sind Aktienmuffel und überlassen selbst heimische Bluechip-Aktien lieber ausländischen Anlegern. Handelsblatt-Redakteur Georgios Kokologiannis kennt diesen Dauervorwurf - und hält ihn für substanzlos.

Georgios Kokologiannis Pablo Castagnola

Georgios Kokologiannis

Es ist ein Börsenthema, das hierzulande regelmäßig als Aufreger dient: Die meisten Aktien der bedeutendsten deutschen börsengelisteten Unternehmen sind seit Jahren fest in ausländischer Hand – und daran scheint sich auch nichts zu ändern. Laut einer zum Wochenstart veröffentlichten Erhebung der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young) hielten Investoren aus dem Ausland zuletzt über 55 Prozent der Abteile an den dreißig Titeln aus dem deutschen Leitindex Dax.

Das nehmen Kritiker immer wieder gerne zum Anlass, um sich über den vermeintlich einfältigen deutschen Anleger zu echauffieren: Statt sich selbst mit Hilfe von Aktienengagements am Geschäftserfolg von Daimler, Beiersdorf und Co. zu beteiligen, überlasse dieser die heimischen Renditebringer nichtsahnend ausländischen Investoren. Doch dieser Dauervorwurf der Besserwisser entpuppt sich bei tiefergehender Betrachtung als substanzloses Gefasel. Vor allem aus drei Gründen.

Georgios Kokologiannis

Der Redakteur

Mit Geldanlagethemen beschäftigt sich der Diplom-Kaufmann beim Handelsblatt seit über 16 Jahren - davor bereits während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und beim Finanzconsulting einer Unternehmensberatung.

Twitter: @kokologiannis

Die Strategie

"Mein Ziel ist es, eine durchschnittliche Rendite von sechs bis acht Prozent per annum zu erreichen – und das möglichst nervenschonend. Zwei Kernbestandteilen meiner Strategie: Erstens der Einsatz von Anlagezertifikaten und anderen Derivaten, mit denen sich zum einen Depotpositionen absichern lassen und die es zum anderen ermöglichen, auch von schwierigen Phasen an den Aktien- und Rohstoffmärkten zu profitieren. Zweitens arbeite ich bei risikoreicheren Engagements mit Stopp-Loss-Marken - das soll dazu beitragen, dass ich nicht zu lange an Fehlinvestitionen festhalte."

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Erstens: Selbstverständlich ist der Anteil internationaler Investoren an den größten heimischen Global-Playern höher als die Summe der Beteiligungen, die in den Depots hierzulande liegt. Schließlich gibt es weltweit insgesamt auch wesentlich mehr nicht-deutsche Investoren als Bundesbürger, die auf der Suche nach Rendite sind – und dabei einen (relativ betrachtet nur geringen) Teil ihres Vermögens auch in Dax-Werte stecken. Zur Orientierung: Nur rund sechs Prozent aller potenziellen Investoren aus den Industrieländern leben in Deutschland. Gemessen daran ist die deutsche Beteiligungsquote an den eigenen Standardaktien sogar weit überproportional.

Zweitens: Es ist das Gegenteil von irrational, wenn Aktien-Anleger möglichst breit gestreut – auch über die eigenen Landesgrenzen hinweg - investieren, statt aus emotionalen Gründen bevorzugt nur auf bekannte heimische Dividendentitel zu setzen. Konkret: Wenn sich die Deutschen bei der geographischen Diversifikation ihrer Aktien-Portfolios zum Beispiel an der Zusammensetzung des Weltleitindex MSCI World orientieren, dann dürfen heimische Titel nur rund 3,3 Prozent des Gesamtbestandes ausmachen.

Drittens: Fast zwei Drittel der Aktien im Dax liegen laut der EY-Studie bei institutionellen Anlegern. Dazu zählen nicht nur Banken, Versicherer und Pensionsfonds, sondern auch große Investmentfonds. Allen voran der US-Vermögensverwalter Blackrock, der mit seiner Marke iShares weltgrößter Anbieter von Indexfonds ist (Exchange Trades Funds, ETF). Erwirbt ein deutscher Anleger nun Anteile an einem Dax-ETF von iShares, dann wird das zur Verfügung gestellte Geld in den Börsenstatistiken offiziell als Ausländer-Investment verbucht – liegt doch der Geschäftssitz der Wall-Street-Firma nicht in Deutschland, sondern in Manhattan.

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