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05.12.2016

14:39 Uhr

Musterdepots

Die Börsen werden resistenter

Die drei Depotstrategen machen sich ihre Gedanken über die Reaktion nach dem Ausgang des Referendums in Italien. Keiner rät zum Einstieg in europäische Aktien. Sönke Niefünd nimmt einen ausländischen Markt ins Visier.

Georgios Kokologiannis Pablo Castagnola

Georgios Kokologiannis

FrankfurtNach dem „Nein“ der Italiener zu Verfassungsänderungen und der Rücktrittsankündigung des Ministerpräsidenten Matteo Renzi wächst die Wahrscheinlichkeit einer neuen Euro-Krise. Doch die Märkte lässt das völlig kalt. Zwar war etwa der Wechselkurs der europäischen Gemeinschaftswährung zum US-Dollar in der Nacht zum Montag auf den tiefsten Stand seit 20 Monaten gerutscht.

Doch nach Börseneröffnung schnellten nicht nur die Aktienkurse in Europa nach oben – auch der Euro erholte sich schlagartig und machte seine Verluste mehr als wett. Durch die Erfahrungen beim Brexit und dem Trump-Sieg sind Anleger inzwischen offensichtlich darauf konditioniert, die Warnungen der vermeintlichen Experten nicht mehr ernst zu nehmen - und stattdessen auf die genau gegenteilige Marktreaktion zu wetten.

Georgios Kokologiannis

Der Redakteur

Mit Geldanlagethemen beschäftigt sich der Diplom-Kaufmann beim Handelsblatt seit über 16 Jahren - davor bereits während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und beim Finanzconsulting einer Unternehmensberatung.

Twitter: @kokologiannis

Die Strategie

"Mein Ziel ist es, eine durchschnittliche Rendite von sechs bis acht Prozent per annum zu erreichen – und das möglichst nervenschonend. Zwei Kernbestandteilen meiner Strategie: Erstens der Einsatz von Anlagezertifikaten und anderen Derivaten, mit denen sich zum einen Depotpositionen absichern lassen und die es zum anderen ermöglichen, auch von schwierigen Phasen an den Aktien- und Rohstoffmärkten zu profitieren. Zweitens arbeite ich bei risikoreicheren Engagements mit Stopp-Loss-Marken - das soll dazu beitragen, dass ich nicht zu lange an Fehlinvestitionen festhalte."

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Hintergrund: Sowohl bei der Volksbefragung der Briten über den Verbleib in der Europäischen Union als auch bei den US-Präsidentschaftswahlen hatten Fachleute wochenlang nahezu unisono Katastrophenszenarien für die Börsen gemalt, falls die Briten den Brexit wählen - beziehungsweise die Amerikaner Trump. Die Realität indes war eine gänzlich andere.

Nach dem Brexit-Votum Großbritanniens Ende Juni hatte der Dax noch am ersten Handelstag einen Großteil seiner zwischenzeitlichen Verluste aus dem Kurs-Chart ausgebügelt. Und keine vier Wochen später war das Brexit-Minus vollständig wettgemacht. Bei der überraschenden Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten dauerte es sogar nur wenige Stunden bis die wichtigsten Aktienindizes weltweit in den grünen Bereich drehten.

Diesmal warteten Anleger einen Kurseinbruch nach Eintritt des politischen Negativszenarios gar nicht erst ab, bevor sie die Aktienkurse in die Höhe getrieben haben. Fazit: Entweder immer mehr Investoren halten die Einschätzungen der Fachleute für so wertlos wie ihnen die Experten ahnungslos erscheinen.

Oder aber das Vertrauen der Anleger in die Macht der Geldpolitik ist so unerschütterlich, dass sie sich ganz bewusst entgegen aller Ratschläge ins Risiko stürzen - und einfach nur noch darauf setzen, dass im Zweifel die Notenbanker bereit stehen, um die Märkte weiterhin in die genehme Richtung zu manipulieren.

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