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04.01.2017

18:30 Uhr

Musterdepots

Die EZB unter Zugzwang

Europas Aktien erlebten in der vergangenen Woche einen echte Rally. Doch Georgios Kokologiannis mahnt zur Vorsicht. Die entscheidende Frage ist die nach der Inflation. Der Musterdepotautor über die Möglichkeiten der EZB.

Georgios Kokologiannis Pablo Castagnola

Georgios Kokologiannis

Es ist eine entscheidende Frage für die weitere Entwicklung an den Anlagemärkten: Wie lange wird die Europäische Zentralbank, die EZB, ihr beispielloses Geldflutprogramm im neuen Jahr tatsächlich fortsetzen können, nachdem die Inflation inzwischen überraschend deutlich steigt.

Georgios Kokologiannis

Der Redakteur

Mit Geldanlagethemen beschäftigt sich der Diplom-Kaufmann beim Handelsblatt seit über 16 Jahren - davor bereits während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und beim Finanzconsulting einer Unternehmensberatung.

Twitter: @kokologiannis

Die Strategie

"Mein Ziel ist es, eine durchschnittliche Rendite von sechs bis acht Prozent per annum zu erreichen – und das möglichst nervenschonend. Zwei Kernbestandteilen meiner Strategie: Erstens der Einsatz von Anlagezertifikaten und anderen Derivaten, mit denen sich zum einen Depotpositionen absichern lassen und die es zum anderen ermöglichen, auch von schwierigen Phasen an den Aktien- und Rohstoffmärkten zu profitieren. Zweitens arbeite ich bei risikoreicheren Engagements mit Stopp-Loss-Marken - das soll dazu beitragen, dass ich nicht zu lange an Fehlinvestitionen festhalte."

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Seit dem Start im März 2015 bis Ende 2016 hat die EZB mit frisch geschöpften Notenbankgeld Anleihen im Umfang von über 1,2 Billionen Euro aufgekauft – und damit maßgeblich auch Dax & Co aufgepumpt. Vorgeblich um Deflationsgefahren zu bekämpfen.

Doch im Dezember kletterte die Teuerungsrate im gesamten Euroraum so kräftig wie seit drei Jahren nicht mehr: Waren und Dienstleistungen kosteten durchschnittlich 1,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, nachdem die Inflationsrate im November noch bei 0,6 Prozent gelegen hatte. In Deutschland verteuerte sich das Konsumentenpreisniveau sogar auf satte 1,7 Prozent von 0,8 Prozent in den beiden Vormonaten.

Experten zufolge könnten diese jetzt publik gewordenen Preisdaten den Anfang vom Ende der EZB-Wertpapierkäufe und der ultralockeren Geldpolitik bedeuten, da sich die Inflationsrate dem Notenbank-Ziel von zwei Prozent annähere.

Dabei hatten die Währungs-„Hüter“ um EZB-Chef Mario Draghi erst im Dezember beschlossen, das umstrittenen Anleihekaufprogramm um mindestens neun Monate bis Ende 2017 zu verlängern. Sollte die Diskussion um den drohenden Aufwärtsschub bei den Preisen nicht rasch abebben, wird im Bundeswahljahr der Widerstand der deutschen Politik gegen die Inflationierungspolitik zwangsläufig massiv zunehmen.

Dies ist neben der Überbewertung der meisten Marktsegmente der zweite entscheidende Grund dafür, sich nicht von der jüngsten Kaufpanik an den Aktienbörsen anstecken zu lassen und in den kommenden Monaten weiterhin besonnen zu agieren.

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