Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.11.2016

18:41 Uhr

Musterdepots

Die Investoren halten sich zurück

Der US-Aktienmarkt steht im Blickpunkt der Musterdepotstrategen. Sönke Niefünd stellt ein US-Wertpapier mit solider Dividendenrendite und positiven Nachhaltigkeitswerten vor.

Georgios Kokologiannis Pablo Castagnola

Georgios Kokologiannis

FrankfurtDas renommierte britische Wörterbuch Oxford Dictionary hat „postfaktisch“ („post-truth“) zum Wort des Jahres gekürt. Der Begriff steht dafür, wie viele politische Diskussionen zunehmend geführt werden: weniger tatsachenbasiert – mehr aus dem Bauch heraus.

Auch an den Börsen sehe ich postfaktische Auswüchse: Donald Trumps wirtschaftspolitische Vorhaben werden mit dem Handeln Ronald Reagans gleichgesetzt. Dabei hinkt der Vergleich an entscheidenden Stellen: Beim Stand im US-Konjunkturzyklus zum Regierungsstart, der Ausgestaltung des Investitionsprogramms, der künftigen Geldpolitik und der Einstellung zum Freihandel.

Georgios Kokologiannis

Der Redakteur

Mit Geldanlagethemen beschäftigt sich der Diplom-Kaufmann beim Handelsblatt seit über 16 Jahren - davor bereits während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und beim Finanzconsulting einer Unternehmensberatung.

Twitter: @kokologiannis

Die Strategie

"Mein Ziel ist es, eine durchschnittliche Rendite von sechs bis acht Prozent per annum zu erreichen – und das möglichst nervenschonend. Zwei Kernbestandteilen meiner Strategie: Erstens der Einsatz von Anlagezertifikaten und anderen Derivaten, mit denen sich zum einen Depotpositionen absichern lassen und die es zum anderen ermöglichen, auch von schwierigen Phasen an den Aktien- und Rohstoffmärkten zu profitieren. Zweitens arbeite ich bei risikoreicheren Engagements mit Stopp-Loss-Marken - das soll dazu beitragen, dass ich nicht zu lange an Fehlinvestitionen festhalte."

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Punkt eins: Während sich die USA beim Amtsantritt Reagans im Januar 1981 in einer wirtschaftlichen Schwächephase befanden, ist derzeit das genaue Gegenteil der Fall: Die konjunkturelle Expansion dauert bereits mehr als sieben Jahre an – und die Arbeitslosigkeit liegt bei unter fünf Prozent.

Die derzeit diskutierte Kombination aus einem möglicherweise bis zu einer Billion US-Dollar umfassenden Infrastrukturprogramm und Steuererleichterungen hat folglich eher das Zeug dazu, ausgehend von massiven Lohnerhöhungen in eine Inflationsspirale zu münden, statt die Wirtschaft nachhaltig zu stärken.

Zweitens: Anders als Trump es offensichtlich vorhat, weitete Ex-Präsident Reagan damals während des Kalten Krieges schuldenfinanziert vor allem die Rüstungsausgaben aus. Ob dagegen mit den republikanischen Mehrheiten im US-Kongress kreditfinanziert milliardenschwere Infrastrukturprojekte durchgewunken werden, ist mehr als zweifelhaft.

Drittens: Zum Regierungsantritt Reagans stand der US-Leitzins „Federal Fund rate“ auf einem Rekordhoch von über 19 Prozent – eine Folge der extrem restriktiven Geldpolitik mit der der damalige Fed-Vorsitzende Paul Volcker zuvor die emporschnellende Inflation bekämpft hatte. In der Folge tendierten die Leitzinsen trotzt eines anfänglichen Hin-und-hers während Reagans Ära in den USA klar abwärts.

Die aktuelle US-Notenbankpolitik dagegen befindet sich jedoch an einem Wendepunkt in die entgegengesetzte Richtung: Vergangenen Dezember wurde die Leitzinswende eingeleitet, die - wenn auch nur zaghaft - in den kommenden Monaten und Jahren fortgesetzt werden dürfte.

Viertens: Reagan war bekennender Befürworter sowohl der Globalisierung als auch des Freihandels. Zudem war seine Regierung maßgeblich daran beteiligt, das spätere Nordamerikanische Freihandelsabkommen (Nafta) zu ermöglichen. Trump dagegen ist während seines Wahlkampfs nicht müde geworden genau diesen Wirtschaftsverband zwischen den USA, Kanada und Mexiko immer wieder ins Visier zu nehmen.

Wegen all dieser erheblichen Unterschiede verbietet es sich zu erwarten, dass Trumps angepeiltes Wirtschaftspolitik auf Konjunktur und die Aktienmärkte eine ähnlich positive Wirkung entfalten wird, wie die Stimuli unter Ronald Reagan in den 1980er Jahren.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×