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16.10.2016

17:51 Uhr

Musterdepots

Die Jahresendrally an der Wall Street könnte ausfallen

Trotz der aktuell schon hohen Bewertungen von US-Aktien erwarten viele Experten zum Jahresende weiter steigende Kurse. Musterdepot-Autor Georgios Kokologiannis hegt da so seine Zweifel.

Georgios Kokologiannis Pablo Castagnola

Georgios Kokologiannis

Experten erwarten in der gerade angelaufenen Berichtssaison der US-Unternehmen den sechsten Rückgang bei den Quartalsgewinnen in Folge. Dennoch phantasieren Optimisten von einer anstehenden Jahresendrally an der Wall Street - trotz bereits jetzt extrem hoher Bewertungskennzahlen. So liegt etwa das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der aktuellen Firmengewinne an der Wall Street bei über 20 - und damit mehr als ein Viertel über dem Schnitt der vergangenen fünf Jahre. Hauptargument der Bullen: Analysten rechnen im kommenden Jahr mit dem Ende der längsten Gewinnrezession seit der Finanzkrise.

Und in der Tat: Laut dem führenden Datendienst Factset prognostizieren sie ein Ertragsplus von 13 Prozent für die Firmen im S&P 500. Woher solch ein plötzlicher Geldregen ausgerechnet in der Endphase der mehr als sieben Jahre währenden konjunkturellen Expansion aber kommen soll, ist mir schleierhaft. Die weltweit größte Volkswirtschaft läuft mittlerweile fast nur noch auf einem Zylinder: Dem Konsum. Und selbst der fängt an zu stottern.

Georgios Kokologiannis

Der Redakteur

Mit Geldanlagethemen beschäftigt sich der Diplom-Kaufmann beim Handelsblatt seit über 16 Jahren - davor bereits während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und beim Finanzconsulting einer Unternehmensberatung.

Twitter: @kokologiannis

Die Strategie

"Mein Ziel ist es, eine durchschnittliche Rendite von sechs bis acht Prozent per annum zu erreichen – und das möglichst nervenschonend. Zwei Kernbestandteilen meiner Strategie: Erstens der Einsatz von Anlagezertifikaten und anderen Derivaten, mit denen sich zum einen Depotpositionen absichern lassen und die es zum anderen ermöglichen, auch von schwierigen Phasen an den Aktien- und Rohstoffmärkten zu profitieren. Zweitens arbeite ich bei risikoreicheren Engagements mit Stopp-Loss-Marken - das soll dazu beitragen, dass ich nicht zu lange an Fehlinvestitionen festhalte."

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

So sind die am vergangenen Freitag vermeldeten Zahlen zu den Verbraucherausgaben nur oberflächlich betrachtet positiv: Zwar sind demnach die Einzelhandelsumsätze in den USA im September saisonbereinigt um immerhin 0,6 Prozent zum Vormonat gestiegen. Insgesamt liegen sie aber im dritten Quartal nur 0,7 Prozent über dem Vorquartal – Tendenz schrumpfend: Denn im zweiten Quartal hatten die Konsumausgaben noch um 1,4 zum Vorquartal zugelegt.

Gleichzeitig sinken derzeit auch die Gewinnmargen der US-Unternehmen, weil die Lohnstückkosten schneller steigen als die erzielbaren Absatzpreise der Firmen. Kaschiert wurde die sich seit Monaten verschlechternde Geschäftsentwicklung der Unternehmen bisher durch die massiven Aktienrückkäufe der US-Firmen: Die führen dazu, dass trotz sinkender Gesamtgewinne, der Ertrag je Aktie konstant bleibt – oder sogar steigt. Um die Erträge nicht nur kosmetisch zu schönen, müssten die Unternehmen dagegen ihre Absatzpreise spürbar erhöhen.

Damit steckt der Aktienmarkt aber erst recht in einer Zwickmühle: Gelingt es den Firmen tatsächlich höhere Absatzpreise durchzusetzen, würde sich zwar ihre Gewinnentwicklung wie von den Analysten prognostiziert verbessern. Davon werden die Aktienkurse aber nicht nachhaltig profitieren. Denn deutlich steigende Inflationsraten bei den Endabnehmerpreisen würden die US-Notenbank Fed unter Druck setzen, endlich die immer wieder verschleppte Leitzinserhöhungen umzusetzen. Und dann konsequenter als es den Börsenbullen lieb sein kann.

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