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31.08.2015

19:59 Uhr

Musterdepots

Die Märkte haben irrational reagiert

Berechnungen von Musterdepot-Autor Daniel Hupfer haben ergeben, dass die jüngsten Börsenturbulenzen vor allem von Irrationalität geprägt waren. China spielt bei der Anlagestrategie kaum eine Rolle – vorerst zumindest.

Daniel Hupfer

Daniel Hupfer

Vor dem Hintergrund diverser Aktienmarktkapriolen in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten stellt sich aktuell die Frage, wie die jüngsten Börsenturbulenzen einzuordnen sind. Gibt es für die scharfe Korrektur der letzten Wochen eine logische Erklärung, oder ist die jüngste Episode doch eher ein Beispiel für die zeitweilige Irrationalität der Märkte?

Diese Frage lässt sich aus unserer Perspektive noch nicht abschließend beantworten, jedoch tendieren wir derzeit eher zu der These, dass Irrationalität eine erhebliche Rolle gespielt haben dürfte. Ein erster Hinweis auf die Irrationalität ist der gewaltige Herdentrieb, den wir seit Wochen in unseren Modellen beobachten können. Wir messen dieses Verhalten der Marktteilnehmer unter anderem über die Korrelationen zwischen verschiedenen Asset-Klassen. Bewegen sich Asset-Klassen auch im globalen Kontext im Gleichklang, spricht das für einen Herdentrieb, da offensichtlich ein abwägendes und differenzierendes Investmentverhalten in den Hintergrund tritt und durch ein unreflektiertes, eher pauschalisierendes Verhalten ersetzt wird.

Daniel Hupfer

Der Anleger

Daniel Hupfer arbeitet für M.M.Warburg. "Wir präferieren die Direktanlage, das heißt im Wesentlichen kaufen wir Aktien und Anleihen, Fonds nur bei bestimmten Themen, wie China. Zertifikate grundsätzlich nicht", sagt er.

Die Strategie

Wir werden die "Handelsblatt"-Anlagestrategie offensiv ausrichten. Das bedeutet, unser Fokus liegt auf chancenorientierten Wertpapieren, wie beispielsweise Aktien. Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase und eines enormen Anlagedrucks halten wir Aktien und Unternehmensanleihen nach wie vor für attraktiv. Zwar sind Aktien nicht mehr günstig bewertet. Aufgrund unseres positiven Konjunkturszenarios sollten aber die Unternehmensgewinne weiter steigen und sich damit die aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnisse wieder relativieren. Wir halten die Region Europa für am interessantesten. Hier gibt es am Aktienmarkt noch Aufholpotential. Der US-Aktienmarkt ist etwas höher bewertet, allerdings sehen wir auch hier noch Potential.


Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Genau das ist seit einigen Wochen der Fall. Nach unseren Berechnungen lagen die Korrelationen zwischen einer Vielzahl von weltweit relevanten Asset-Klassen noch im Mai dieses Jahres auf einem historischen Tiefpunkt. Dementsprechend führten die Märkte ein großes „Eigenleben“ und bewegten sich kaum in Kontext anderer Märkte. Ausgehend von diesem tiefen Niveau ist aber die Korrelation vor allem in den letzten Wochen so stark gestiegen wie selten zuvor.

Selbst zu Beginn der Subprime-Krise im Jahr 2007 oder im Zuge der Lehman-Insolvenz kam es nicht zu derartigen Anstiegen in den Korrelationen. Dabei halten wir es für extrem unwahrscheinlich, dass sich diese Entwicklung allein mit den Problemen in China erklären lässt.

Wir haben schon häufiger zu den Problemen in China Stellung bezogen und wollen diese auch nicht kleinreden, jedoch können wir kaum Ansteckungswege für die USA und Europa erkennen, die ein eher lokales Problem zu einem signifikanten globalen Problem werden lassen. Die heftige Marktreaktion auf die von China ausgehenden Turbulenzen hat daher vermutlich zumindest zum Teil eine andere Ursache.

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