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26.10.2015

20:13 Uhr

Musterdepots

Die sich selbst erfüllende Prophezeiung

Handelsblatt-Redakteur Georgios Kokologiannis weiß: Auch ein mathematisch präzises Analyseinstrument wie die Charttechnik hat viel mit Börsenpsychologie zu tun – und entwickelt seine ganz eigene Dynamik.

Georgios Kokologiannis Pablo Castagnola

Georgios Kokologiannis

DüsseldorfSchafft es der Dax demnächst, seine sogenannte 200-Tage-Linie zu überwinden, dürfte der deutsche Aktienindex danach schubartig noch weit höher steigen, als es fundamental gerechtfertigt ist. Die Linie verläuft aktuell bei knapp über 11.000 Punkten und dient vielen Investoren als Signalgeber für ihre Börsenengagements.

Georgios Kokologiannis

Der Redakteur

Mit Geldanlagethemen beschäftigt sich der Diplom-Kaufmann beim Handelsblatt seit über 16 Jahren - davor bereits während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und beim Finanzconsulting einer Unternehmensberatung.

Twitter: @kokologiannis

Die Strategie

"Mein Ziel ist es, eine durchschnittliche Rendite von sechs bis acht Prozent per annum zu erreichen – und das möglichst nervenschonend. Zwei Kernbestandteilen meiner Strategie: Erstens der Einsatz von Anlagezertifikaten und anderen Derivaten, mit denen sich zum einen Depotpositionen absichern lassen und die es zum anderen ermöglichen, auch von schwierigen Phasen an den Aktien- und Rohstoffmärkten zu profitieren. Zweitens arbeite ich bei risikoreicheren Engagements mit Stopp-Loss-Marken - das soll dazu beitragen, dass ich nicht zu lange an Fehlinvestitionen festhalte."

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Die Kurve beschreibt den gleitenden Durchschnitt der Notierung in den vergangenen 200 Tagen und es gilt die Faustregel: Verkaufe, wenn der Kurs einer Aktie oder eines Marktindexes unter diese Linie absinkt - und kaufe im umgekehrten Fall. Weil die Handlungsanweisung so eingängig ist, orientieren sich massenhaft auch solche Anleger daran, für die Charttechnik sonst ein Buch mit sieben Siegeln ist. Die Folge: eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Welche Dynamik dadurch tatsächlich entstehen kann, dass viele Investoren diese Linie als Orientierungspunkt nutzen, konnte man in den vergangenen zwölf Monaten bereits mehrfach beobachten - zuletzt Mitte August: Nachdem der Dax die 200-Tage-Linie - damals von oben nach unten - überraschend durchstoßen hatte, brach das Börsenbarometer anschließend innerhalb weniger Tage um mehr als 700 Punkte ein.

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