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29.06.2015

20:09 Uhr

Musterdepots

Die Staatspleite kann ein Befreiungsschlag sein

Griechenland hält die Börsen weiterhin auf Trab. Auch die Autoren der Musterdepots blicken mit Sorge auf das pleitegefährdete Land. Alexander Kovalenko sieht in der derzeitigen Lage aber auch Licht am Ende des Tunnels.

Alexander Kovalenko

Alexander Kovalenko

Die Staatspleite Griechenlands sowie der Austritt des Landes aus der Euro-Zone sind nach dem Scheitern der Verhandlungen am Wochenende zum wahrscheinlichsten Szenario geworden. Die Reaktion der Aktienmärkte fiel am Montag allerdings relativ moderat aus. Die Börsen haben zwar mit einem deutlichen Abschlag zu den Schlusskursen vom Freitag eröffnet, ein richtig großer Ausverkauf blieb aber aus.

Es scheint wirklich so zu sein, dass Klarheit – eine Böse oder eine Gute – für die Marktteilnehmer wichtiger ist als eine ewig dauernde Hängepartie. Darüber hinaus betonen die Volkswirte sowie die Unternehmensvertreter immer wieder, dass die realwirtschaftlichen Folgen eines Grexits sehr überschaubar sind. Was die Staatsverschuldung des Landes betrifft, ist die Situation im Grunde genommen ebenfalls nicht tragisch. Mehr als 50 Prozent der Forderungen werden von der EZB, dem IWF und der „Rettungsschirm-Organisation“ EFSF gehalten. Eine mögliche Abschreibung auf griechische Anleihen wäre für die Organisationen verkraftbar beziehungsweise hätte keine fatalen Folgen.

Alexander Kovalenko

Der Anleger

Alexander Kovalenko arbeitet für Bayerische Vermögen. „Wir machen normalerweise keine Prognosen, weil es aus unserer Sicht eher wenig Sinn macht“, sagt er. „Wir können nur sagen, dass die Aktien für uns aktuell eine stark bevorzugte Anlageklasse darstellen, und hier vor allem die (süd)europäischen Aktien, die noch deutlich unter ihrem Fair-Wert gehandelt werden. Dazu kommt eine Dividendenrendite von durchschnittlich etwa drei Prozent. Bei Aktien sehen wir also trotz eventuellen und sogar eher wahrscheinlichen Korrekturen ein sehr attraktives Chance/Risiko-Profil!“

Die Strategie

Das Social-Trading-Depot versteht sich als Kombination eines langfristig orientierten Kernportfolios und der innovativen Anlageform des Social Trading. Einen Anteil von 60 bis 70 Prozent bildet ein Aktienportfolio, das einen Value-Ansatz verfolgt: Es wird in zehn bis 15 stark unterbewertete Einzeltitel aus dem breiten europäischen Aktienmarkt investiert, wobei die Selektion der Einzeltitel mittels Analyse der Fundamentalkriterien beziehungsweise der Bilanzdaten erfolgt. Der Social-Trading-Anteil beträgt zwischen 30 und 40 Prozent und wird in wikifolio-Indexzertifikate investiert: Diese bilden unterschiedliche Strategien von Top-Tradern auf wikifolio.com ab. Das Social-Trading-Depot soll in der Regel voll investiert sein. Der Anlagehorizont ist mittel- bis langfristig ausgerichtet und sieht nur selten Umschichtungen vor. Betreut wird das Social-Trading-Depot von Bayerische Vermögen AG.

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Wirklich Sorgen sollte man sich vor allem in Bezug auf eine Ansteckungsgefahr machen. Die Regierungen und die EZB haben jedoch mehrmals betont, dass sie mit aller Kraft und allen verfügbaren Instrumenten dagegen vorgehen würden. Richtig problematisch sind aus kurzfristiger Sicht die Staatspleite und der Grexit für Griechenland selbst.

Auf der anderen Seite könnte dadurch das größte Problem des Landes – eine sehr niedrige Wettbewerbsfähigkeit – durch die unvermeidliche Abwertung einer wiedereingeführten Nationalwährung mittelfristig gelöst werden. In der Welt- und Finanzgeschichte gab es diesbezüglich bereits mehrere Beispiele. Eine Staatspleite kann einen Befreiungsschlag und einen erfolgreichen Neuanfang darstellen. Griechenland könnte zu einem ähnlichen Beispiel werden.

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