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02.03.2017

10:00 Uhr

Musterdepots

Droht bald Gegenwind an den Börsen?

Der US-Index Dow Jones ist am Mittwoch zum ersten Mal in seiner Geschichte über die Marke von 21.000 Punkten gestiegen. Doch wie lange wird die gute Stimmung anhalten, fragen sich die Musterdepot-Experten.

Georgios Kokologiannis Pablo Castagnola

Georgios Kokologiannis

FrankfurtAnders als es die Entwicklung an der Wall Street vermuten lässt, hat die US-Wirtschaft ihr Wachstumstempo im vergangenen Jahr deutlich verringert. Das geht aus neuen Daten des Handelsministeriums hervor. Während die Aktienkurse 2016 um rund ein Zehntel geklettert sind, stieg das Bruttoinlandsprodukt nur um 1,6 Prozent. Dies ist der schwächste Wert seit 2011.

Seit Anfang Januar haben die Notierungen von Dow Jones & Co. im Schnitt um weitere sechs Prozent zugelegt. Auch daran lässt sich erahnen, wie hoch die eingepreisten Erwartungen des Marktes an Donald Trumps in Aussicht gestellte Wirtschaftspolitik inzwischen sind. Das bisherige Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent liegt niedriger als als in anderen Industriestaaten wie etwa Großbritannien oder Deutschland.

Georgios Kokologiannis

Der Redakteur

Mit Geldanlagethemen beschäftigt sich der Diplom-Kaufmann beim Handelsblatt seit über 16 Jahren - davor bereits während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und beim Finanzconsulting einer Unternehmensberatung.

Twitter: @kokologiannis

Die Strategie

"Mein Ziel ist es, eine durchschnittliche Rendite von sechs bis acht Prozent per annum zu erreichen – und das möglichst nervenschonend. Zwei Kernbestandteilen meiner Strategie: Erstens der Einsatz von Anlagezertifikaten und anderen Derivaten, mit denen sich zum einen Depotpositionen absichern lassen und die es zum anderen ermöglichen, auch von schwierigen Phasen an den Aktien- und Rohstoffmärkten zu profitieren. Zweitens arbeite ich bei risikoreicheren Engagements mit Stopp-Loss-Marken - das soll dazu beitragen, dass ich nicht zu lange an Fehlinvestitionen festhalte."

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Vor allem die Aufwertung des Dollars belastet die Geschäfte der US-Unternehmen. Mit der möglicherweise schon im März anstehenden nächsten Leitzinsanhebung der US-Notenbank droht exportabhängigen Konzernen von der Währungsseite weiterer Gegenwind. Es ist der extremen Kaufstimmung der US-Verbraucher zu verdanken, dass die größte Volkwirtschaft der Welt nicht stärker in Stottern kommt. Der Konsum trägt fast drei Viertel zum BIP bei.

Doch auch die Jubellaune der Verbraucher führen Experten maßgeblich auf die von Trump in Aussicht gestellten wirtschaftspolitischen Maßnahmen zurück. Die Stimmung der US-Konsumenten hat sich im Februar einer Umfrage zufolge auf den höchsten Wert seit Juli 2001 aufgehellt.

Entscheidende Details zu seinen Vorhaben bleibt der US-Präsident aber weiterhin schuldig. Auch seine mit Spannung erwartete Rede vor dem Kongress am Dienstagabend lieferte etwa zur geplanten Steuerreform keine konkreten Neuigkeiten. Dennoch reagierten die Börsen positiv. Dabei hatten die meisten Analysten für genau diesen Fall kräftige Kursverluste vorausgesagt.

Kommentare (1)

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Frau Edelgard Kah

02.03.2017, 14:21 Uhr

Sehr geehrter Herr Kokologiannis,

ich könnte jeden einzelnen Ihrer Sätze unterschreiben. Ich glaube, dass es für die Hausse, die wir in den USA und an den Weltbörsen beobachten, keine fundamentalen Gründe gibt. Sie kennen sicher das Börsensprichwort "Die Hausse nährt die Hausse". Es beschreibt, dass steigende Börsenkurse immer mehr Anleger an die Börse locken, so dass bei den Kursen eine Blase entsteht.

Leider kann niemand vorhersagen, wann die immer größer werdende Blase platzen wird. Aus der Vergangenheit wissen wir nur, dass Übertreibungen lange dauern und ein ungeahnt großes Ausmaß annehmen können.

Aus meiner Sicht ist die Kernfrage, wie der Anleger mit den Übertreibungen der Börse umgehen soll. Eine Variante ist, dass er sich für eine gewisse Zeit über seinen unerwarteten Reichtum freut. Wenn dann aber die Blase platzt, sagt er sich "Die Märkte haben es gegeben, die Märkte haben es genommen, die Märkte sind wunderbar".

Wer jedoch Geld verdienen will, muß einen Teil seiner Aktien verkaufen. Dass man dabei niemals den Hochpunkt der Kurse erwischt, versteht sich von selbst. Aber schon in die Nähe des Hochpunktes zu kommen, ist unendlich schwer. Deshalb empfiehlt es sich vielleicht, den Verkauf auf mehrere kleine Tranchen mit unterschiedlich hohen Kursen zu verteilen.

Alles graue Theorie? Also brauchen wir ein praktisches Beispiel. Der DAX notiert zur Zeit bei rund 12 000 Punkten. Wer glaubt, irgendwann billiger wieder einsteigen zu können, kann einen kleinen Teil seiner Aktien verkaufen. Danach wartet er ab, ob der DAX vielleicht auf 12 500 Punkte steigt und verkauft dann bei dieser Marke wiederum einen kleinen Teil seiner Aktien. Beschrieben habe ich einen Ausstieg auf Raten. Er ist das Gegenstück zum oft empfohlenen Einstieg auf Raten.

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