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12.11.2015

19:28 Uhr

Musterdepots

Ein Musterschüler weicht vom Kurs

In Portugal herrscht gerade politisches Chaos. Vor allem von der linken Seite baut sich immer mehr Druck auf. Handelsblatt-Autor Daniel Hupfer macht sich Sorgen um das Rating des einstigen Spar-Musterlandes der EU.

Daniel Hupfer

Daniel Hupfer

Einer der Musterschüler der Eurozone gerät ins Wanken. Die nach der Wahl von Anfang Oktober ungelöste politische Situation in Portugal hat das Potenzial sich zu einer handfesten Krise auszweiten. Am Dienstag Abend hat die linke Mehrheit im portugiesischen Parlament das Regierungsprogramm des amtierenden Ministerpräsidenten Coelho mit 123 zu 107 Stimmen abgelehnt und damit die Regierung gestürzt. Sozialistenchef Costa möchte eine Minderheitsregierung etablieren und sich bei Abstimmungen vom marxistischen Linksblock, den Kommunisten und den Grünen tolerieren beziehungsweise unterstützen lassen.

Daniel Hupfer

Der Anleger

Daniel Hupfer arbeitet für M.M.Warburg. "Wir präferieren die Direktanlage, das heißt im Wesentlichen kaufen wir Aktien und Anleihen, Fonds nur bei bestimmten Themen, wie China. Zertifikate grundsätzlich nicht", sagt er.

Die Strategie

Wir werden die "Handelsblatt"-Anlagestrategie offensiv ausrichten. Das bedeutet, unser Fokus liegt auf chancenorientierten Wertpapieren, wie beispielsweise Aktien. Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase und eines enormen Anlagedrucks halten wir Aktien und Unternehmensanleihen nach wie vor für attraktiv. Zwar sind Aktien nicht mehr günstig bewertet. Aufgrund unseres positiven Konjunkturszenarios sollten aber die Unternehmensgewinne weiter steigen und sich damit die aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnisse wieder relativieren. Wir halten die Region Europa für am interessantesten. Hier gibt es am Aktienmarkt noch Aufholpotential. Der US-Aktienmarkt ist etwas höher bewertet, allerdings sehen wir auch hier noch Potential.


Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Es liegt nun an Staatspräsident Silva zu entscheiden, ob er Costa das Mandat zu einer Regierungsbildung erteilt oder ob er vorzeitige Neuwahlen ausruft, die aufgrund der portugiesischen Verfassung allerdings nicht vor April 2016 durchgeführt werden können. Bisher hat Silva einer Koalition aus Sozialisten und linksextremen Parteien allerdings eine klare Absage erteilt. Der Schachzug von Sozialistenchef Costa, keine Koalition zu bilden, sondern eine Minderheitsregierung anzuführen, könnte allerdings von Erfolg gekrönt sein.

Erschwerend kommt für Portugal hinzu, dass die EZB im Rahmen ihres Anleihekaufprogramms Staatsanleihen nur erwerben kann, wenn mindestens eine der vier Ratingagenturen Moody´s, Standard & Poor´s, Fitch und DBRS ein Investmentgrade-Rating vergibt. Dies ist derzeit nur bei DBRS der Fall. Und wie es der Teufel will, steht das Rating Portugals bei DBRS diesen Freitag zur Überprüfung an. Sollte Portugal allerdings das letzte Investmentgrade-Rating verlieren und somit bei den Anleihekäufen der EZB außen vor bleiben, hätte dies einen verstärkten Abgabedruck und eine sprunghaft ansteigende Illiquidität zur Folge. Wir schätzen das Chance-Risiko-Profil aktuell als negativ sein. Daher raten wir dazu vorhandene Positionen an Staatsanleihen aus Portugal zu verkaufen und die Entwicklung in den nächsten Tagen und Wochen abzuwarten

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