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15.12.2014

20:42 Uhr

Musterdepots

Eine selbsterfüllende Prophezeiung

Charttechnik ist für viele Anleger ein Buch mit sieben Siegeln. Doch die 200-Tage-Linie kennen viele Investoren und halten sich auch an ihre einfache Faustregel. Die Folge könnte ein Jahresschlussrutsch sein.

Georgios Kokologiannis Pablo Castagnola

Georgios Kokologiannis

Statt der meist üblichen Weihnachtsrally drohen dem Dax dieses Jahr in den verbleibenden Handelstagen massive Verluste. Davor warnen derzeit technische Analysten. Hintergrund ist, dass der deutsche Leitindex nach dem heftigen Rückschlag der vergangenen Woche seiner sogenannten 200-Tage-Linie bedrohlich nah gekommen ist, die derzeit bei rund 9.530 Punkten verläuft. Rutscht der Dax darunter, dann könnte es im Anschluss laut Einschätzung der Experten bis auf das Jahrestief von 8.355 Zählern runtergehen.

Georgios Kokologiannis

Der Redakteur

Mit Geldanlagethemen beschäftigt sich der Diplom-Kaufmann beim Handelsblatt seit über 16 Jahren - davor bereits während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und beim Finanzconsulting einer Unternehmensberatung.

Twitter: @kokologiannis

Die Strategie

"Mein Ziel ist es, eine durchschnittliche Rendite von sechs bis acht Prozent per annum zu erreichen – und das möglichst nervenschonend. Zwei Kernbestandteilen meiner Strategie: Erstens der Einsatz von Anlagezertifikaten und anderen Derivaten, mit denen sich zum einen Depotpositionen absichern lassen und die es zum anderen ermöglichen, auch von schwierigen Phasen an den Aktien- und Rohstoffmärkten zu profitieren. Zweitens arbeite ich bei risikoreicheren Engagements mit Stopp-Loss-Marken - das soll dazu beitragen, dass ich nicht zu lange an Fehlinvestitionen festhalte."

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Die Kurve beschreibt den gleitenden Durchschnittswert der Notierung in den zurückliegenden 200 Tagen und es gilt folgende Faustregel: Verkaufe wenn der Kurs unter diese Linie absinkt – und kaufe im umgekehrten Fall. Weil die Handlungsanweisung so eingängig ist, orientieren sich auch massenhaft solche Anleger daran, für die Charttechnik sonst ein Buch mit sieben Siegeln ist. Die Folge: Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Welche Dynamik dadurch tatsächlich entstehen kann, dass viele Investoren diese Linie als Orientierungspunkt nutzen, konnte man in diesem Jahr bereits mehrfach beobachten – zum Beispiel Mitte November: Nachdem der Dax die 200-Tage-Linie von unten nach oben überraschend durchstoßen hatte, kletterte das Börsenbarometer anschließend schubartig noch deutlich – auf ein neues Allzeithoch im fünfstelligen Bereich. Deutlich höher also als es meiner Überzeugung nach fundamental gerechtfertigt war.

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