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24.07.2016

17:29 Uhr

Musterdepots

Europa steht im Gegenwind

Die ersten frischen Konjunkturdaten nach dem Brexit-Votum sind da – und sie verheißen nichts Gutes. Zwar bieten sie keine Grundlage für Untergangsszenarien, doch der Optimismus der vergangenen Monate dürfte vorbei sein.

Daniel Hupfer

Daniel Hupfer

Noch im Juni hatten wir von einer überraschend starken Verbesserung des ZEW-Index berichtet. Dies hat sich, einen Monat später und nach dem Brexit-Votum, in ein extremes Gegenteil gekehrt: Der Index fiel um 26 Punkte und steht nun bei minus 6,8 – dem niedrigsten Stand seit der Euro-Krise 2012. Wir hatten im vergangenen Monat schon gemutmaßt, dass der Index sich nur deshalb noch einmal deutlich verbessert hatte, da die für den ZEW-Index befragten Finanzmarktexperten einem Brexit als Ergebnis des Referendums eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit beigemessen hatten.

Daniel Hupfer

Der Anleger

Daniel Hupfer arbeitet für M.M.Warburg. "Wir präferieren die Direktanlage, das heißt im Wesentlichen kaufen wir Aktien und Anleihen, Fonds nur bei bestimmten Themen, wie China. Zertifikate grundsätzlich nicht", sagt er.

Die Strategie

Wir werden die "Handelsblatt"-Anlagestrategie offensiv ausrichten. Das bedeutet, unser Fokus liegt auf chancenorientierten Wertpapieren, wie beispielsweise Aktien. Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase und eines enormen Anlagedrucks halten wir Aktien und Unternehmensanleihen nach wie vor für attraktiv. Zwar sind Aktien nicht mehr günstig bewertet. Aufgrund unseres positiven Konjunkturszenarios sollten aber die Unternehmensgewinne weiter steigen und sich damit die aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnisse wieder relativieren. Wir halten die Region Europa für am interessantesten. Hier gibt es am Aktienmarkt noch Aufholpotential. Der US-Aktienmarkt ist etwas höher bewertet, allerdings sehen wir auch hier noch Potential.


Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Die Mehrheit der Finanzbrache wurde von dem letztendlichen Wahlausgang auf dem völlig falschen Fuß erwischt, da für sie die ökonomischen und nicht die emotionalen Vor- und Nachteile eines Brexits im Vordergrund standen. Auch wenn sich nüchtern betrachtet auf Sechs-Monats-Sicht an den Konjunkturperspektiven für Deutschland erst einmal wenig geändert hat, so ist der im Juni noch vorherrschende Konjunkturoptimismus der vom ZEW befragten 220 Finanzmarktexperten gänzlich verschwunden.

Und auch die Bewertung der aktuellen konjunkturellen Lage in Deutschland verschlechterte sich, wenn auch nicht so dramatisch, von 54,5 auf 49,8 Punkte. Während die Ausprägungen der Rückgänge in den ZEW-Befragungen sicherlich eine Übertreibung durch den „Brexit-Schock“ darstellen, zeigt die Wirkungsrichtung jedoch, dass die befragten institutionellen Anleger in der Zukunft durchaus mit konjunkturellem Gegenwind rechnen.

Die ZEW-Daten waren die ersten Frühindikatoren, deren Befragung nach dem Ausgang des Referendums stattgefunden hat. In den kommenden Tagen werden die anderen Frühindikatoren, wie zum Beispiel der ifo-Index, der GfK-Index oder die Einkaufsmanagerindizes, folgen. Wahrscheinlich wird auch hier der Juli eine Übertreibung nach unten darstellen.

Daher bleibt es vor allem wichtig zu beobachten, wie sich die Indizes in den kommenden Monaten entwickeln werden, wenn der erste Schreck verdaut und die konjunkturellen Konsequenzen des Brexits etwas besser einschätzbar geworden sind.

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