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25.05.2015

14:03 Uhr

Musterdepots

Finanzaufsicht mit Fauxpas

Wie wichtig Rhetorik in der modernen Geldpolitik ist, hat Mario Draghi mehrmals eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Dass gerade seiner EZB eine heikle Kommunikationspanne unterläuft, besorgt Depotstratege Daniel Hupfer.

Daniel Hupfer

Daniel Hupfer

Die Europäische Zentralbank leistete sich jüngst eine veritable Kommunikationspanne. So gab Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré in einer nichtöffentlichen Veranstaltung in London bekannt, die Notenbank werde ihre Anleihekäufe der Liquiditätssituation entsprechend anpassen. Bis zum Sommer und im Herbst werde die EZB mehr Anleihen kaufen, in den traditionell weniger liquiden Sommermonaten würden die Käufe dagegen reduziert.

Diese Information war neu und marktrelevant, schließlich hieß es vorher, die EZB werde im Rahmen ihrer Geldpolitik jeden Monat Anleihen im Volumen von konstant 60 Milliarden Euro aufkaufen. Ein Blick auf den Euro/US-Dollar Wechselkurs zeigt, dass es um den Zeitpunkt des Treffens zu einer sichtbaren Reaktion gekommen ist; es wäre durchaus möglich, dass die von Coeuré verbreiteten Informationen den Ausschlag zu dieser Bewegung gegeben haben. Der breiten Öffentlichkeit wurden die neuen Pläne der Notenbank jedoch erst am Morgen des Folgetages bekannt.

Daniel Hupfer

Der Anleger

Daniel Hupfer arbeitet für M.M.Warburg. "Wir präferieren die Direktanlage, das heißt im Wesentlichen kaufen wir Aktien und Anleihen, Fonds nur bei bestimmten Themen, wie China. Zertifikate grundsätzlich nicht", sagt er.

Die Strategie

Wir werden die "Handelsblatt"-Anlagestrategie offensiv ausrichten. Das bedeutet, unser Fokus liegt auf chancenorientierten Wertpapieren, wie beispielsweise Aktien. Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase und eines enormen Anlagedrucks halten wir Aktien und Unternehmensanleihen nach wie vor für attraktiv. Zwar sind Aktien nicht mehr günstig bewertet. Aufgrund unseres positiven Konjunkturszenarios sollten aber die Unternehmensgewinne weiter steigen und sich damit die aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnisse wieder relativieren. Wir halten die Region Europa für am interessantesten. Hier gibt es am Aktienmarkt noch Aufholpotential. Der US-Aktienmarkt ist etwas höher bewertet, allerdings sehen wir auch hier noch Potential.


Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Dies löste weitere Euro-Verkäufe aus, und die Gemeinschaftswährung verlor binnen kurzer Zeit rund 1,2 Prozent an Wert. Auch wenn dies absolut nur wenig erscheint, für den Devisenmarkt handelt es sich um eine sehr starke Bewegung, mit der, sofern sie sich mit hoher Wahrscheinlichkeit antizipieren lässt, Gewinne in einem erheblichen Ausmaß erzielt werden können.

Insofern halten wir es für bedenklich, dass die Notenbank in diesem Fall die Informationen nicht zeitgleich mit dem Treffen in London auch der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt hat. Seitens der EZB hieß es, die späte Veröffentlichung sei auf einen internen Fehler zurückzuführen. Unserer Ansicht nach gilt es, derartige Fehler in Zukunft in jedem Falle und mit aller Entschlossenheit zu vermeiden. Nichts wäre schädlicher für die Reputation einer Zentralbank und Finanzaufsicht, als wenn der Eindruck entstehen sollte, diese Organisation selbst ermögliche Insiderhandel.

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