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02.01.2017

17:29 Uhr

Musterdepots

Hohe Rückschlaggefahr

Nach Einschätzung des Musterdepotstrategen Georgios Kokologiannis notieren die wichtigsten Aktienindizes bereits jetzt auf den Niveaus, die Experten im Schnitt erst für Ende des Jahres prognostiziert haben.

Alexander Kovalenko

Alexander Kovalenko

FrankfurtDas Börsenjahr 2016 gehört seit zwei Tagen zur Kapitalmarkthistorie. Nun kann man einen groben Rückblick machen. Nach einem sehr schlechten Start im Januar-Februar sowie einem erneuten Rücksetzer Mitte des Jahres, haben die internationalen Aktienbörsen im Endeffekt jedoch ein durchaus solides Ergebnis abgeliefert.

Der bedeutendste Aktienindex der Welt – der US-amerikanische S&P 500 – legte fast zwölf Prozent in der Originalwährung und inklusive der Dividendenausschüttungen zu. Noch erfreulicher war das Ergebnis dank US-Dollar-Stärke für die Euroanleger, welche in den USA investiert waren.

Alexander Kovalenko

Der Anleger

Alexander Kovalenko arbeitet für Bayerische Vermögen. „Wir machen normalerweise keine Prognosen, weil es aus unserer Sicht eher wenig Sinn macht“, sagt er. „Wir können nur sagen, dass die Aktien für uns aktuell eine stark bevorzugte Anlageklasse darstellen, und hier vor allem die (süd)europäischen Aktien, die noch deutlich unter ihrem Fair-Wert gehandelt werden. Dazu kommt eine Dividendenrendite von durchschnittlich etwa drei Prozent. Bei Aktien sehen wir also trotz eventuellen und sogar eher wahrscheinlichen Korrekturen ein sehr attraktives Chance/Risiko-Profil!“

Die Strategie

Das Social-Trading-Depot versteht sich als Kombination eines langfristig orientierten Kernportfolios und der innovativen Anlageform des Social Trading. Einen Anteil von 60 bis 70 Prozent bildet ein Aktienportfolio, das einen Value-Ansatz verfolgt: Es wird in zehn bis 15 stark unterbewertete Einzeltitel aus dem breiten europäischen Aktienmarkt investiert, wobei die Selektion der Einzeltitel mittels Analyse der Fundamentalkriterien beziehungsweise der Bilanzdaten erfolgt. Der Social-Trading-Anteil beträgt zwischen 30 und 40 Prozent und wird in wikifolio-Indexzertifikate investiert: Diese bilden unterschiedliche Strategien von Top-Tradern auf wikifolio.com ab. Das Social-Trading-Depot soll in der Regel voll investiert sein. Der Anlagehorizont ist mittel- bis langfristig ausgerichtet und sieht nur selten Umschichtungen vor. Betreut wird das Social-Trading-Depot von Bayerische Vermögen AG.

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Das britische Pfund musste dagegen aufgrund des Brexit-Referendums gegenüber dem Euro heftig abwerten, was für die Euro-Anleger belastend war. Der britische FTSE 100 Index wies nichtsdestotrotz mit 19 Prozent Total Return Performance in der Originalwährung eines der besten Jahresergebnisse unter den Industrieländern auf. Der Verlauf des FTSE 100 war übrigens charakteristisch für das vergangene Börsenjahr und wurde zu einem Symbol der Resistenz der Aktienmärkte gegenüber den befürchteten – zu Recht oder zu Unrecht sei dahingestellt - politischen Erdbeben.

Dazu gehören das bereits erwähnte Brexit-Referendum, die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten sowie das Verfassungsreferendum in Italien. Alle drei genannten Ereignisse endeten mit einem aus der Mainstream-Sicht „schlechten“ Ergebnis, wovon sich die Aktienbörsen jedoch nicht wirklich beeindrucken ließen. Es bleibt eine große Frage, ob dies auch ohne massive Eingriffe der Notenbanken der Fall gewesen wäre. Fakt bleibt aber, dass die Absicherungen vor den US-Wahlen oder Italien-Referendum viele Marktteilnehmer wirklich Performance gekostet haben. Morgen nehmen wir das Abschneiden unseres Musterdepots im Jahr 2016 unter die Lupe.

Kommentare (1)

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Frau Edelgard Kah

03.01.2017, 13:04 Uhr

@Depot Georgios Kokologiannis
Ich schätze Sie seit langem wegen Ihrer Expertise. Aber vielleicht darf ich gelegentlich auch einmal anderer Meinung sein?

Einer Meinung sind wir wahrscheinlich, dass die Börse immer wieder nach unten oder nach oben sehr stark übertreibt und dabei gewaltige Schwankungen produziert. Angesichts dieser riesigen Schwankungen stellt sich natürlich die Frage, wo ein "mittlerer" oder "fairer" Wert liegen könnte.

Sie stellen dabei ab auf die Jahresendprognosen sogenannter "Experten". Einspruch Euer Ehren. Aus meiner Sicht ist diese Meßlatte völlig ungeeignet.

Wenn Sie wollen können wir zusammen fragen, ob Aktien derzeit preiswert oder hoch bewertet sind. Verglichen mit der Vergangenheit oder verglichen mit anderen Anlageklassen, Ich fürchte nur, dass die Bewertung uns überhaupt keinen Anhaltspunkt für die weitere Kursentwicklung gibt. Ein teurer DAX kann jahrelang teuer bleiben und noch teurer werden. Dass sich aus einer hohen Bewertung eine Rückschlagsgefahe herleiten läßt, sehe ich nicht.

Vielleicht lesen Sie einmal die gestrige Sentimentsumfrage von Stephan Heibel. Er sieht, dass zahlreiche Anleger Absicherungsgeschäfte getan haben. "Anleger spekulieren in hohem Maße auf fallende Kurse". Heibel meint deshalb, dass Dax und Dow Jones nach unten gut abgesichert sind, so dass Korrekturen klein bleiben dürften.

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