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16.02.2017

20:15 Uhr

Musterdepots

Indexfonds vor der Bewährungsprobe

Sie sind vermeintlich leicht zu verstehen und vor allem preisgünstig. Passive Indexfonds stehen deshalb bei Anlegern hoch im Kurs. Doch was, wenn der Aufwärtstrend bei Dax & Co. ausläuft?, fragt Georgios Kokologiannis.

Georgios Kokologiannis Pablo Castagnola

Georgios Kokologiannis

Herkömmliche Anlagefonds lohnen sich nicht, da die wenigsten Portfoliomanager ihre Messlatten schlagen. Davon sind auch immer mehr Privatinvestoren überzeugt und setzen stattdessen auf preisgünstigere passive Indexfonds (ETF), die einfach die Wertentwicklung eines Börsenbarometers nachzeichnen.

Georgios Kokologiannis

Der Redakteur

Mit Geldanlagethemen beschäftigt sich der Diplom-Kaufmann beim Handelsblatt seit über 16 Jahren - davor bereits während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und beim Finanzconsulting einer Unternehmensberatung.

Twitter: @kokologiannis

Die Strategie

"Mein Ziel ist es, eine durchschnittliche Rendite von sechs bis acht Prozent per annum zu erreichen – und das möglichst nervenschonend. Zwei Kernbestandteilen meiner Strategie: Erstens der Einsatz von Anlagezertifikaten und anderen Derivaten, mit denen sich zum einen Depotpositionen absichern lassen und die es zum anderen ermöglichen, auch von schwierigen Phasen an den Aktien- und Rohstoffmärkten zu profitieren. Zweitens arbeite ich bei risikoreicheren Engagements mit Stopp-Loss-Marken - das soll dazu beitragen, dass ich nicht zu lange an Fehlinvestitionen festhalte."

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Allein im vergangenen Jahr legten Investoren in Europa beispielsweise rund vier Prozent mehr frisches Kapital in Aktien-ETFs an als noch im Vorjahr. Ihr Marktanteil kletterte auf etwa 25 Prozent. Das geht aus aktuellen Zahlen des Analysehauses Morningsstar hervor. Gleichzeitig seien aktiv verwaltete Aktienfonds fast spiegelbildlich geschrumpft.

Doch gerade in Nischensektoren ist es oft sinnvoll, auf das Können von Experten zu vertrauen, statt breit gestreut in den Gesamtmarkt zu investieren. So hat etwa nach Angaben des Branchendienstes Ecoreporter im vergangenen Jahr nur jeder zweite nachhaltige ETF an Wert gewonnen. Dagegen erreichten mehr als zwei Drittel ihrer aktiv geführten Pendants eine positive Rendite.

Ein weiteres Risiko bei Indexprodukten: Die Bewährungsprobe steht der noch jungen Boom-Branche erst bevor. Anders als bei aktiv verwalteten Portfolios werden ETF-Anleger auf sich selbst gestellt sein, wenn die liquiditätsgetriebene globale Ausnahmehausse ausläuft. Kippt der inzwischen fast acht Jahre währende Aufwärtstrend bei Dax & Co., werden auch die so gern propagierten monatlichen ETF-„Sparpläne“ drohende Abwärtsrisiken nur unwesentlich dämpfen.

Kommentare (1)

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Frau Edelgard Kah

17.02.2017, 08:44 Uhr

Eigentlich sollte man nicht über primitive Selbstverständlichkeiten diskutieren müssen. Ein ETF bildet einen Aktienindex im Verhältnis 1 : 1 ab und hat damit schon per Definition die gleiche Performance wie der Index. Dass im vergangenen Jahr nur jeder zweite "nachhaltige" ETF an Wert gewonnen hat, ist eine Statistik-Ente. Vermutlich erfunden von einem Banker, der lieber seine teuren Fonds verkaufen möchte.

Über Jahrzehnte hinweg ist hingegen durch zahlreiche Untersuchungen belegt, dass rund 90 % der aktiv gemanagten Fonds die performance ihrer benchmark nicht erreichen. Über längere Zeiträume hinweg, schafft dies wahrscheinlich kein einziger Fondsmanager.

Doch reden wir einmal über die Phasen einer Baisse. Ein gutes Beispiel ist die sehr lange Phase von Anfang 2000 bis März 2003 (3 1/4 Jahre), in der DAX fast drei Viertel seines Wertes verlor. Jeder Chart ließ auf einen Blick erkennen, dass es mit den Aktienkursen steil bergab ging.

Dessen ungeachtet haben die aktiv gemanagten Fonds keine Aktien verkauft, sondern ihre Investitionsquote beibehalten. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Die Fondsmanager orientieren sich sehr eng an ihrer benchmark und trauen sich nicht, von dieser abzuweichen. Und die nachzubildende benchmark DAX besteht eben zu 100 % aus Aktien.

Köstlich, wie die Herren Fondsmanager ihre Verhaltensweise nach außen hin rechtfertigen. Sie behaupten, ihre Kunden bezahlen uns nur dafür, dass wir einen Aktienfonds managen. Für Kassenhaltung werden wir nicht bezahlt. Und wenn einzelne Kunden mehr Kassenhaltung wollen, können sie Anteile unseres Fonds verkaufen.

Noch einmal und noch einmal, verehrter Herr Kokologiannis: Wenn es an der Börse bergab geht, legen die Manager aktiv verwalteter Fonds ihre Hände in den Schoß. Ein Anleger, der sich vor größeren Verlusten schützen will, muß in eigener Regie und eigenhändig Fondsanteile verkaufen. Genau wie bei einem ETF.

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