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29.03.2016

16:57 Uhr

Musterdepots

Inflationsanleihen werden überschätzt

Inflationsindexierte US-Anleihen sind für unseren Autor nur auf den ersten Blick attraktiv. Denn auch sie bieten ein unterschätztes Risiko: Spiegelt die Inflationsrate wirklich den tatsächlichen Kaufkraftverlust wider?

Georgios Kokologiannis Pablo Castagnola

Georgios Kokologiannis

Experten der Fonds-Riesen Blackrock und Pimco raten derzeit in inflationsindexierte US-Anleihen zu investieren. Ich teile diese Auffassung nicht. Nur oberflächlich betrachtet erscheint der Kauf inflationsindexierter US-Anleihen attraktiv.

Diese speziellen Produkte sollen eigentlich bequem vor Vermögensverlusten durch Inflation schützen. Denn vereinfacht gesagt gilt hier: je höher die künftigen Teuerungsraten, desto höher auch die Zinszahlungen. Und: Sind die aktuellen Inflationserwartungen niedrig, können Anleger diese speziellen Bonds besonders günstig erwerben – so wie derzeit.

Georgios Kokologiannis

Der Redakteur

Mit Geldanlagethemen beschäftigt sich der Diplom-Kaufmann beim Handelsblatt seit über 16 Jahren - davor bereits während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und beim Finanzconsulting einer Unternehmensberatung.

Twitter: @kokologiannis

Die Strategie

"Mein Ziel ist es, eine durchschnittliche Rendite von sechs bis acht Prozent per annum zu erreichen – und das möglichst nervenschonend. Zwei Kernbestandteilen meiner Strategie: Erstens der Einsatz von Anlagezertifikaten und anderen Derivaten, mit denen sich zum einen Depotpositionen absichern lassen und die es zum anderen ermöglichen, auch von schwierigen Phasen an den Aktien- und Rohstoffmärkten zu profitieren. Zweitens arbeite ich bei risikoreicheren Engagements mit Stopp-Loss-Marken - das soll dazu beitragen, dass ich nicht zu lange an Fehlinvestitionen festhalte."

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Hintergrund: In den USA preist der Markt derzeit eine Inflation von rund einem Prozent ein. Da die Geldprofis von Blackrock und Pimco damit rechnen, dass die Verbraucherpreisentwicklung stark unterschätzt wird, sehen sie Aufholpotenzial bei den Kursen der Bonds.

Doch unabhängig davon wie sich die Teuerung in den USA tatsächlich entwickeln wird, bergen die auch als „Inflations-Linker“ bezeichneten Anleihen meiner Überzeugung nach ein unterschätztes Risiko: Die Zinskupons sind an offizielle Messziffern gekoppelt - und es sind Zweifel angebracht, ob die publizierten Inflationsraten den tatsächlichen Kaufkraftverlust hinreichend widerspiegeln.

Umstritten ist vor allem die sogenannte „hedonistische“ Preismessung der Güter im offiziellen Warenkorb, den die Statistiker unter der Lupe haben. Glauben die Experten beispielsweise bei Smartphones eine Leistungsverdoppelung beobachtet zu haben, dann führt dies dazu, dass bei gleichbleibendem Verkaufspreis eine fünfzigprozentiger Preisabschlag für dieser Warenkategorie attestiert wird.

Zudem sind jederzeit politisch motivierte Änderungen bei der Berechnung der Preisentwicklung möglich. Einer der berüchtigsten Fälle: Die britische Regierung ersetzte vor rund sechs Jahren kurzerhand den Index zur Messung der Verbraucherpreisteuerung durch eine neue Variante, die Wohnkosten fortan ausklammerte - die waren in der Vergangenheit nämlich besonders stark geklettert. Dadurch sparte Großbritannien seitdem etliche Millionen Pfund an Zinszahlungen - auf Kosten der Inhaber von Inflationsanleihen.

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