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14.07.2016

20:44 Uhr

Musterdepots

Kaufen Anleger aus Verzweiflung?

Der Großteil der Verluste nach dem Brexit-Votum sind nun wieder aufgeholt. Doch Musterdepotstratege Daniel Hupfer zweifelt daran, dass die Kurse der europäischen Aktien so weiter steigen werden.

Daniel Hupfer

Daniel Hupfer

FrankfurtAn den Kapitalmärkten hat der Brexit zumindest auf Ebene der Indizes bisher keine dramatischen Spuren hinterlassen. Der Dax liegt nur noch knapp zwei Prozent unter dem Stand vom Tag des Referendums, und auch der Stoxx 600 hat sich vergleichsweise gut erholt und notiert ebenfalls nur noch etwa zwei Prozent unter den Schlusskursen vom 23. Juni 2016. Auch innerhalb der Indizes hat sich ein Teil der Verwerfungen abgebaut.

Während beispielsweise einige börsennotierte Bauunternehmen in Großbritannien in der Spitze 50 Prozent verloren haben, hat sich der Verlust bei diesen Unternehmen auf etwa 30 Prozent reduziert. Doch ist damit wieder „business as usual“ angesagt? Leider ist das vermutlich noch nicht der Fall.

Daniel Hupfer

Der Anleger

Daniel Hupfer arbeitet für M.M.Warburg. "Wir präferieren die Direktanlage, das heißt im Wesentlichen kaufen wir Aktien und Anleihen, Fonds nur bei bestimmten Themen, wie China. Zertifikate grundsätzlich nicht", sagt er.

Die Strategie

Wir werden die "Handelsblatt"-Anlagestrategie offensiv ausrichten. Das bedeutet, unser Fokus liegt auf chancenorientierten Wertpapieren, wie beispielsweise Aktien. Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase und eines enormen Anlagedrucks halten wir Aktien und Unternehmensanleihen nach wie vor für attraktiv. Zwar sind Aktien nicht mehr günstig bewertet. Aufgrund unseres positiven Konjunkturszenarios sollten aber die Unternehmensgewinne weiter steigen und sich damit die aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnisse wieder relativieren. Wir halten die Region Europa für am interessantesten. Hier gibt es am Aktienmarkt noch Aufholpotential. Der US-Aktienmarkt ist etwas höher bewertet, allerdings sehen wir auch hier noch Potential.


Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Ein erster Hinweis darauf, dass diese eher skeptische Sichtweise berechtigt sein könnte, ist die Entwicklung der Gewinnschätzungen für Unternehmen im breiten Stoxx 600. Hier zeichnete sich im Zeitraum von April 2016 bis zum Brexit eine Stabilisierung der Gewinnschätzungen ab; leider sind die Gewinnschätzungen der Analysten im Konsens kurz nach dem Brexit recht deutlich nach unten revidiert worden.

Insgesamt sind die Gewinnschätzungen für das Jahr 2016 nun schon seit Anfang des Jahres um 14 Prozent gefallen. Setzt sich dieser Trend in der kommenden Berichtssaison fort, würde der europäische Aktienmarkt auch bei konstanten Kursen beginnen, eher teuer bewertet zu sein.

Auf der anderen Seite ist die Differenz zwischen der Rendite von Staatsanleihen und der Dividendenrendite derart hoch, dass Investoren fast schon aus „Verzweiflung“ Aktien kaufen könnten. Ob dies aber ein solides Fundament für einen lang anhaltenden Aufschwung am Aktienmarkt ist, bleibt dahingestellt.

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