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09.04.2017

18:29 Uhr

Musterdepots

Lieber auf Nummer sicher gehen

Drei Manager, drei Konzepte, drei Portfolios: Die Musterdepots zeigen, wie man mit Timing und Strategie den Markt schlagen kann. Ulf Sommer schaut auf die steigenden US-Zinsen. Auf lange Sicht schaden sie den Börsen.

Ulf Sommer, Alexander Kovalenko und Sönke Niefünd.

Die Handelsblatt-Musterdepots und ihre Manager

Ulf Sommer, Alexander Kovalenko und Sönke Niefünd.

Ulf Sommer, Handelsblatt

Schaden höhere Zinsen den Aktienkursen? Bislang nicht, wie die Entwicklung an der Wall Street zeigt. Dort notieren Dow, Nasdaq & Co nahe ihren Allzeithochs. Doch die Notenbank hob die Zinsen bereits mehrfach an, zuletzt im März um 0,25 Punkte auf 0,75 bis ein Prozent. Dies sollte nun allerdings nicht zu Nachlässigkeit verführen, warnt der erfahrene Anlagestratege Franz Wenzel von Axa Investment Managers. Denn langfristig schadeten höhere Zinsen den Börsen immer. Langfristige Investoren seien daher gut beraten, in Übertreibungsphasen das Risiko zu reduzieren.

Ulf Sommer

Der Redakteur

Mit den Finanzmärkten, der Geldanlage und branchenübergreifenden Unternehmensthemen wie Dividenden, Aktienrückkäufe und vor allem Bilanzkennzahlen beschäftigt sich der promovierte Historiker beim Handelsblatt seit über 15 Jahren.

Die Strategie

Das Kapital wird kurzfristig nicht gebraucht. Es dient vielmehr der Altersvorsorge, dem späteren Studium der Kinder oder dem Kauf eines Hauses im Rentenalter. Deshalb steht nicht der kurzfristige Werterhalt um jeden Preis, sondern die langfristige Mehrung des Kapitals im Fokus. Verlustzeiten sind schmerzhaft, können aber ausgesessen werden. Zur Auswahl stehen Einzelaktien, Aktien-Indizes in Form von Zertifikaten, Gold, große Währungen wie Euro, Dollar und Yen sowie Hebel-Zertifikate. Mit ihnen eröffnet sich die Möglichkeit, auf stark steigende oder fallende Märkte zu spekulieren. Anleihen scheiden bis auf weiteres auf Grund aus, weil die Zinsen und Renditen zu unattraktiv sind.

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Ulf Sommer hat allerdings zum 6. März 2017 das Depot von Handelsblatt-Redakteur Georgios Kokologiannis übernommen. Den Kommentatoren steht es frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Alexander Kovalenko, Bayerische Vermögen

Neben dem auf Wertsteigerung fokussierten Investmentprozess haben wir beim Musterdepot ein Wertsicherungsmodell im Hintergrund installiert. Es wurde bewusst sehr „träge“ entwickelt. Das ist wichtig, um nicht ständig in den Markt ein- und wieder auszusteigen. Hin und Her macht bekanntlich die Taschen leer.

Von daher haben wir uns für eine Systematik entschieden, die an positiven Kapitalmärkten teilhaben soll, die Anleger in unruhigen Börsenphasen auf die Probe stellen kann, allerdings in turbulenten Phasen vor den ganz großen Einbrüchen bewahrt.

Alexander Kovalenko

Der Anleger

Alexander Kovalenko arbeitet für Bayerische Vermögen. „Wir machen normalerweise keine Prognosen, weil es aus unserer Sicht eher wenig Sinn macht“, sagt er. „Wir können nur sagen, dass die Aktien für uns aktuell eine stark bevorzugte Anlageklasse darstellen, und hier vor allem die (süd)europäischen Aktien, die noch deutlich unter ihrem Fair-Wert gehandelt werden. Dazu kommt eine Dividendenrendite von durchschnittlich etwa drei Prozent. Bei Aktien sehen wir also trotz eventuellen und sogar eher wahrscheinlichen Korrekturen ein sehr attraktives Chance/Risiko-Profil!“

Die Strategie

Das Social-Trading-Depot versteht sich als Kombination eines langfristig orientierten Kernportfolios und der innovativen Anlageform des Social Trading. Einen Anteil von 60 bis 70 Prozent bildet ein Aktienportfolio, das einen Value-Ansatz verfolgt: Es wird in zehn bis 15 stark unterbewertete Einzeltitel aus dem breiten europäischen Aktienmarkt investiert, wobei die Selektion der Einzeltitel mittels Analyse der Fundamentalkriterien beziehungsweise der Bilanzdaten erfolgt. Der Social-Trading-Anteil beträgt zwischen 30 und 40 Prozent und wird in wikifolio-Indexzertifikate investiert: Diese bilden unterschiedliche Strategien von Top-Tradern auf wikifolio.com ab. Das Social-Trading-Depot soll in der Regel voll investiert sein. Der Anlagehorizont ist mittel- bis langfristig ausgerichtet und sieht nur selten Umschichtungen vor. Betreut wird das Social-Trading-Depot von Bayerische Vermögen AG.

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Sönke Niefünd, Otto M. Schröder Bank

Der seit Jahren ungelöste Konflikt in Syrien fordert weitere Opfer und trägt vermehrt zur Unsicherheit in der Welt bei. Möglicherweise sehen wir im zweiten Quartal 2017 deutlich schwächere Kurse an den Aktienbörsen. Unser Musterdepot ist darauf vorbereitet – zum einen durch die Liquidität in Höhe von 16 Prozent.

Zum anderen entwickelt sich unser Zertifikat Xetra-Gold positiv. Diesen Wert hatten wir wegen seiner gegenläufigen Korrelation zu Aktienkursen erworben, um mögliche Kursverluste abzufedern. Die von uns gesetzten Stop-Loss-Marken helfen zudem, Kursgewinne abzusichern.

Sönke Niefünd

Der Anleger Niefünd

Das Anlageziel besteht darin, nachhaltig zu investieren und dabei einen langfristigen Vermögenszuwachs zu erzielen. Dazu werden je nach Einschätzung der Wirtschafts- und der Börsenaussichten Wertpapiere erworben und veräußert. Dabei wird besonders auf die Risikostreuung geachtet.

Der Stratege Niefünd

Unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien der Themengebieten Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance), auch ESG-Ansatz genannt. Das Mandat wird aktiv gemanagt, gleichzeitig werden jedoch strategisch langfristig Positionen gehalten. Wir verfolgen die Umsetzung der „Politik der ruhigen Hand“. Es werden Fonds, ETFs und Einzeltitel gekauft, die unseren Kriterien erfüllen. Die Auswahl der Einzeltitel erfolgt in den Themengebieten innerhalb der 4 Säulen Wirtschaftliches, Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG-Ansatz). Ausgewählte Wertpapiere haben in jedem Bereich mindestens 65 Punkte von 100 Punkten im Bereich der Nachhaltigkeit. Zudem kommen Negativkritieren und ein Best-in-Class Ansatz bei der Einzeltitelauswahl zum Tragen.

Die Regeln Niefünd

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Sönke Niefünd hat allerdings zum 1. August 2016 das Depot von Daniel Hupfer von der M.M. Warburg übernommen. Den Kommentatoren steht es frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Kommentare (1)

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Frau Edelgard Kah

10.04.2017, 13:56 Uhr

Vielleicht lesen Sie einmal die heutige Ausgabe Ihres Blatts. Nach der Sentiment-Umfrage von Stephan Heibel hat die Stimmung der Anleger binnen einer Woche ohne erkennbaren Grund zu abgrundtiefem Pessimismus gewechselt. Und Dirk Müller überschreibt seinen Artikel mit "Der nächste Abwärtszyklus steht vor der Tür". Dessen Quatsch mit den steigenden Zinsen übernehmen Sie Gott sei Dank nicht.

Dessen ungeachtet weise ich darauf hin, dass wir in Europa leben. Dass hierzulande die Leitzinsen noch mindestens zwei Jahre bei Null verharren werden und die EZB mit ihren Anleihekäufen fortfährt. Ganz abgesehen davon gibt es keinen Automatismus: Steigende Zinsen schaden nur dann und erst dann den Börsenkursen, wenn sie die Konjunktur abwürgen.

Verehrter Herr Dr. Sommer: In Übertreibungsphasen das Risiko zu reduzieren, ist eine gute Idee. Nur, was bitte schön, ist eine Übertreibungsphase? Auf welche DAX-Punktzahl warten Sie denn? Ich glaube, dass Gewinnmitnahmen schrittweise erfolgen sollten. So habe ich beispielsweise bei
11 600 Punkten eine sehr kleine Position verkauft. Bei 12 000 Punkten eine etwas größere Position. Und bei 12 500 Punkten soll es deutlich mehr sein.

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