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02.07.2014

21:04 Uhr

Musterdepots

„Mach mir den Draghi“

„Mach mir den Draghi“ riefen Börsianer Anfang Juni, als der EZB-Chef sein umstrittenes Maßnahmenpaket präsentiert hatte und für Euphorie am Aktienmarkt sorgte. Mittlerweile scheint klar; die Maßnahme wurde überschätzt.

Georgios Kokologiannis Pablo Castagnola

Georgios Kokologiannis

Mit einem kleinen Kursfeuerwerk bedankten sich Aktienhändler Anfang Juni, als der Chef der Europäischen Zentralbank nach der Ratssitzung sein umstrittenes Maßnahmenpaket präsentiert hatte. „Mach mir den Draghi“ riefen sie. Doch mittlerweile scheint klar, dass die Verzweiflungstaten der EZB überschätzt worden sein dürften.

So nutzen die Banken trotz der eingeführten Strafzinsen weiterhin massiv die Möglichkeit Geld bei der EZB zu parken, statt es in Form von Krediten zu verleihen. Unterm Strich sind die realen Fremdkapitalkosten für Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten außer in Deutschland und Portugal gestiegen.

Georgios Kokologiannis

Der Redakteur

Mit Geldanlagethemen beschäftigt sich der Diplom-Kaufmann beim Handelsblatt seit über 16 Jahren - davor bereits während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und beim Finanzconsulting einer Unternehmensberatung.

Twitter: @kokologiannis

Die Strategie

"Mein Ziel ist es, eine durchschnittliche Rendite von sechs bis acht Prozent per annum zu erreichen – und das möglichst nervenschonend. Zwei Kernbestandteilen meiner Strategie: Erstens der Einsatz von Anlagezertifikaten und anderen Derivaten, mit denen sich zum einen Depotpositionen absichern lassen und die es zum anderen ermöglichen, auch von schwierigen Phasen an den Aktien- und Rohstoffmärkten zu profitieren. Zweitens arbeite ich bei risikoreicheren Engagements mit Stopp-Loss-Marken - das soll dazu beitragen, dass ich nicht zu lange an Fehlinvestitionen festhalte."

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Und auch an den Aktienmärkten ist das kurzzeitig bejubelte Maßnahmenbündel längst verpufft, das den Dax erstmals über die 10000er-Marke gehievt hatte. Mittlerweile stehen Dax und Euro Stoxx 50 wieder ziemlich genau dort, wo sie bereits am 5. Juni notierten. Gleiches gilt für den Wechselkurs des Euro zum US-Dollar, den die Intervention eigentlich drücken sollte, um Inflation und Wirtschaft anzukurbeln.

Kein Wunder, dass Schuldenstaaten und Börsenzocker vor der am Donnerstag anstehenden EZB-Ratssitzung auf die nächste geldpolitische Eskalationsstufe drängen: Anleihekäufe nach dem Vorbild der US-Zentralbank Fed. So fordert jetzt etwa der französische Ministerpräsident Manuel Valls eine Zentralbank, die noch weiter gehe als bisher –„auch durch den  Kauf von Vermögenswerten“. Im Klartext: Staatsfinanzierung durch die Notenpresse.

Jüngsten Umfragen zufolge erwarten Experten zwar nicht, dass EZB-Chef Draghi schon morgen aktiv wird. Es gilt als sicher, dass man vorerst noch eine Weile die Wirkung des jüngst beschlossenen Maßnahmenpakets abwarten werde. Sollte die Teuerung nicht anziehen und die Konjunktur weiter schwächeln, seien Anleihekäufe allerdings in der zweiten Jahreshälfte nicht ausgeschlossen.

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