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05.06.2017

17:08 Uhr

Ulf Sommer, Alexander Kovalenko und Sönke Niefünd.

Die Handelsblatt-Musterdepots und ihre Manager

Ulf Sommer, Alexander Kovalenko und Sönke Niefünd.

Musterdepots

Nichtstun als wichtige Tugend

Drei Manager, drei Konzepte, drei Portfolios: Die Musterdepots zeigen, wie man mit Timing und Strategie den Markt schlagen kann. Depotstratege Ulf Sommer beobachtet die anhaltende Euphorie ganz entspannt.

Ulf Sommer, Handelsblatt

Die US-Aktienmärkte eilen von einem Rekord zum nächsten. Das treibt auch den Dax in Richtung Allzeithoch. Am Freitag wurde mit 12.878 Punkten eine neue Rekordmarke erreicht. Wir beobachten die frühsommerliche Rally mit Respekt und Erstaunen, steigen aber mit keinen weiteren Käufen mehr ein. Die meisten amerikanischen und europäischen Aktien sind ambitioniert oder sogar hoch bewertet. Auch spricht die Saisonalität mit den traditionell schwachen Sommer- und Frühherbstmonaten gegen weiter steigende Kurse. Wir warten auf preiswertere Zeiten. Geduld und Nichtstun sind wichtige Tugenden an der Börse.

Ulf Sommer

Der Redakteur

Mit den Finanzmärkten, der Geldanlage und branchenübergreifenden Unternehmensthemen wie Dividenden, Aktienrückkäufe und vor allem Bilanzkennzahlen beschäftigt sich der promovierte Historiker beim Handelsblatt seit über 15 Jahren.

Die Strategie

Das Kapital wird kurzfristig nicht gebraucht. Es dient vielmehr der Altersvorsorge, dem späteren Studium der Kinder oder dem Kauf eines Hauses im Rentenalter. Deshalb steht nicht der kurzfristige Werterhalt um jeden Preis, sondern die langfristige Mehrung des Kapitals im Fokus. Verlustzeiten sind schmerzhaft, können aber ausgesessen werden. Zur Auswahl stehen Einzelaktien, Aktien-Indizes in Form von Zertifikaten, Gold, große Währungen wie Euro, Dollar und Yen sowie Hebel-Zertifikate. Mit ihnen eröffnet sich die Möglichkeit, auf stark steigende oder fallende Märkte zu spekulieren. Anleihen scheiden bis auf weiteres auf Grund aus, weil die Zinsen und Renditen zu unattraktiv sind.

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Ulf Sommer hat allerdings zum 6. März 2017 das Depot von Handelsblatt-Redakteur Georgios Kokologiannis übernommen. Den Kommentatoren steht es frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Alexander Kovalenko, Bayerische Vermögen

Die Einzelpositionen unseres Musterdepots haben sich im Mai mehrheitlich sehr positiv entwickelt. Beim Aktienkernportfolio gehörten Energias de Portugal (14,7 Prozent), OMV (12,6 Prozent) und Eon (11,5 Prozent) zum Kreis der Performance-Spitzenreiter. Die Schlusslichter bildeten Peugeot (-6,5 Prozent) sowie Anglo American (-10 Prozent), die, wie auch andere Minenwerte, etwa seit Mitte Februar schwächelt. Bei den Ziel-wikifolios schnitten vor allem „ETF-Werte des ICAX“ mit fast sechs Prozent Plus, „Dividende und Eigenkapital Deutschland“ mit einem Gewinn von 3,5 Prozent sowie das „Aktien? yeah!“-wikifolio mit 3,2 Prozent Plus sehr solide ab.

Alexander Kovalenko

Der Anleger

Alexander Kovalenko arbeitet für Bayerische Vermögen. „Wir machen normalerweise keine Prognosen, weil es aus unserer Sicht eher wenig Sinn macht“, sagt er. „Wir können nur sagen, dass die Aktien für uns aktuell eine stark bevorzugte Anlageklasse darstellen, und hier vor allem die (süd)europäischen Aktien, die noch deutlich unter ihrem Fair-Wert gehandelt werden. Dazu kommt eine Dividendenrendite von durchschnittlich etwa drei Prozent. Bei Aktien sehen wir also trotz eventuellen und sogar eher wahrscheinlichen Korrekturen ein sehr attraktives Chance/Risiko-Profil!“

Die Strategie

Das Social-Trading-Depot versteht sich als Kombination eines langfristig orientierten Kernportfolios und der innovativen Anlageform des Social Trading. Einen Anteil von 60 bis 70 Prozent bildet ein Aktienportfolio, das einen Value-Ansatz verfolgt: Es wird in zehn bis 15 stark unterbewertete Einzeltitel aus dem breiten europäischen Aktienmarkt investiert, wobei die Selektion der Einzeltitel mittels Analyse der Fundamentalkriterien beziehungsweise der Bilanzdaten erfolgt. Der Social-Trading-Anteil beträgt zwischen 30 und 40 Prozent und wird in wikifolio-Indexzertifikate investiert: Diese bilden unterschiedliche Strategien von Top-Tradern auf wikifolio.com ab. Das Social-Trading-Depot soll in der Regel voll investiert sein. Der Anlagehorizont ist mittel- bis langfristig ausgerichtet und sieht nur selten Umschichtungen vor. Betreut wird das Social-Trading-Depot von Bayerische Vermögen AG.

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Sönke Niefünd, Otto M. Schröder Bank

Wie geht es weiter an den Aktienmärkten? Wenn die US-Notenbank in zwei Wochen keine zeitnahe Zinserhöhung ankündigt, könnte sich die Aufwärtsbewegung der Aktienmärkte fortsetzen.

Unser nach Nachhaltigkeitskriterien ausgewogen ausgerichtetes und mit „ruhiger Hand“ gesteuertes Musterdepot würde davon profitieren. Infineon´notieren aktuell bei 20,09 Euro. Mit einem Kursziel von 22 Euro bleiben wir investiert.

Sönke Niefünd

Der Anleger Niefünd

Das Anlageziel besteht darin, nachhaltig zu investieren und dabei einen langfristigen Vermögenszuwachs zu erzielen. Dazu werden je nach Einschätzung der Wirtschafts- und der Börsenaussichten Wertpapiere erworben und veräußert. Dabei wird besonders auf die Risikostreuung geachtet.

Der Stratege Niefünd

Unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien der Themengebieten Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance), auch ESG-Ansatz genannt. Das Mandat wird aktiv gemanagt, gleichzeitig werden jedoch strategisch langfristig Positionen gehalten. Wir verfolgen die Umsetzung der „Politik der ruhigen Hand“. Es werden Fonds, ETFs und Einzeltitel gekauft, die unseren Kriterien erfüllen. Die Auswahl der Einzeltitel erfolgt in den Themengebieten innerhalb der 4 Säulen Wirtschaftliches, Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG-Ansatz). Ausgewählte Wertpapiere haben in jedem Bereich mindestens 65 Punkte von 100 Punkten im Bereich der Nachhaltigkeit. Zudem kommen Negativkritieren und ein Best-in-Class Ansatz bei der Einzeltitelauswahl zum Tragen.

Die Regeln Niefünd

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Sönke Niefünd hat allerdings zum 1. August 2016 das Depot von Daniel Hupfer von der M.M. Warburg übernommen. Den Kommentatoren steht es frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Kommentare (1)

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Frau Edelgard Kah

05.06.2017, 17:33 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Sommer,

ich stimme Ihnen zu, bei einem DAX-Stand von 12 800 Punkten muß man nicht neu einsteigen. Aber vielleicht sollte man sich darüber klar werden, wer als Käufer auftritt und die Rally treibt.

Nach der Trump-Rally notiert der amerikanische S&P 500 bei einem KGV von 18, der DAX kommt nur auf ein KGV von 14. Die deutschen blue chips sind somit relativ gesehen sehr viel preiswerter. Hinzu kommt, dass in den USA die Hoffnungen auf eine Realisierung der wirtschaftspolitischen Agenda von Donald Trump am schwinden sind. Und während die amerikanische Konjunktur in sehr ruhigen Bahnen verläuft, registrieren wir in Deutschland einen kräftigen Konjunkturaufschwung.

Alles in allem gesehen gibt es somit für amerikanische Anleger eine ganze Reihe von Gründen, einen Teil ihrer Aktienanlagen in europäische Werte umzuschichten. Soweit so gut. Aber niemand kann sagen, wie lange der Prozeß des Umschichtens andauern wird. Er kann schon heute Abend zu Ende gehen. Oder erst in einigen Monaten bei einem deutlich höheren DAX-Stand.

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