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05.01.2016

19:22 Uhr

Musterdepots

Nur Fehlstart oder verlorenes Jahr?

Nach dem schwarzen Jahresauftakt nimmt sich Georgios Kokologiannis die alte Börsenregel zur Brust, nach der die ersten Handelstage die Marschrichtung für das ganze Börsenjahr vorgeben. Er findet Interessantes heraus.

Georgios Kokologiannis Pablo Castagnola

Georgios Kokologiannis

Nie zuvor ist der Dax so schwach in ein Börsenjahr gestartet: Am ersten Januarhandelstag brach der Aktienindex um 4,3 Prozent ein. Als ob dies nicht schon nervenzerrend genug wäre, sorgt nun auch eine angebliche Anlageregel für Verunsicherung. Demnach gebe der Jahresstart tendenziell auch die Marschrichtung bis Ende Dezember vor. Doch stimmt das wirklich?

Georgios Kokologiannis

Der Redakteur

Mit Geldanlagethemen beschäftigt sich der Diplom-Kaufmann beim Handelsblatt seit über 16 Jahren - davor bereits während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und beim Finanzconsulting einer Unternehmensberatung.

Twitter: @kokologiannis

Die Strategie

"Mein Ziel ist es, eine durchschnittliche Rendite von sechs bis acht Prozent per annum zu erreichen – und das möglichst nervenschonend. Zwei Kernbestandteilen meiner Strategie: Erstens der Einsatz von Anlagezertifikaten und anderen Derivaten, mit denen sich zum einen Depotpositionen absichern lassen und die es zum anderen ermöglichen, auch von schwierigen Phasen an den Aktien- und Rohstoffmärkten zu profitieren. Zweitens arbeite ich bei risikoreicheren Engagements mit Stopp-Loss-Marken - das soll dazu beitragen, dass ich nicht zu lange an Fehlinvestitionen festhalte."

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Zwar verbuchte der Dax seit 2003 mit einer Wahrscheinlichkeit von 77 Prozent tatsächlich eine positive Jahresrendite, wenn der erste Handelstag im Plus endete – und umgekehrt. Verdoppelt man den Beobachtungszeitraum allerdings, dann sinkt die Trefferquote auf nur noch 57 Prozent – und liegt damit bei kaum mehr als „fifty-fifty“.

Auch sehr kurzfristig betrachtet bewahrheitet sich die gern zitierte Börsenweisheit nicht: Zuletzt hätten Anleger zweimal hintereinander die falsche Entscheidung getroffen, wenn sie 2014 sowie 2015 ihr Dax-Engagement daran orientiert hätten: In beiden Jahren verbuchte das deutsche Marktbarometer nach einem Fehlstart im Januar bis Silvester unter dem Strich doch noch ein Plus.

Fazit: Es gibt zum jetzigen Zeitpunkt viele gute Gründe dafür, an dem Dauermantra der Finanzindustrie von der Alternativlosigkeit der Aktie zu zweifeln. Doch das Bonmot "Negativer Jahresstart = Finger weg von Dividendenpapieren" gehört sicher nicht dazu.

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