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27.12.2015

16:17 Uhr

Musterdepots

„Risikoaufschläge könnten steigen“

Vertrauen die Europäer noch den Institutionen der EU? Es besteht Grund zur Sorge, dass die Unsicherheit an den Märkten wächst. Die Risikoaufschläge auf Staatsanleihen südeuropäischer Länder könnten wieder anziehen.

Daniel Hupfer

Daniel Hupfer

In Europa werden Stimmen lauter, die mehr nationale Souveränität, weniger Einfluss von EU-Institutionen und weniger zentral vorgegebene verbindliche Regelwerke für Mitgliedsländer der EU und der Eurozone fordern. Prominente Vertreter dieser Forderungen finden sich in den Ländern der Peripherie, aber auch zunehmend in Finnland und vor allem in Großbritannien. Diese Forderungen nach größeren Gestaltungsspielräumen gehen aber gleichzeitig einher mit dem Wunsch nach einer zunehmenden gemeinschaftlichen Haftung.

Daniel Hupfer

Der Anleger

Daniel Hupfer arbeitet für M.M.Warburg. "Wir präferieren die Direktanlage, das heißt im Wesentlichen kaufen wir Aktien und Anleihen, Fonds nur bei bestimmten Themen, wie China. Zertifikate grundsätzlich nicht", sagt er.

Die Strategie

Wir werden die "Handelsblatt"-Anlagestrategie offensiv ausrichten. Das bedeutet, unser Fokus liegt auf chancenorientierten Wertpapieren, wie beispielsweise Aktien. Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase und eines enormen Anlagedrucks halten wir Aktien und Unternehmensanleihen nach wie vor für attraktiv. Zwar sind Aktien nicht mehr günstig bewertet. Aufgrund unseres positiven Konjunkturszenarios sollten aber die Unternehmensgewinne weiter steigen und sich damit die aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnisse wieder relativieren. Wir halten die Region Europa für am interessantesten. Hier gibt es am Aktienmarkt noch Aufholpotential. Der US-Aktienmarkt ist etwas höher bewertet, allerdings sehen wir auch hier noch Potential.


Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Demokratietheoretisch ist das äußerst problematisch (um nicht zu sagen unvereinbar) und wird – setzt sich dieser Trend im kommenden Jahr fort – zu verstärkten Spannungen in der EU und Eurozone führen. Dabei scheint die EU schon jetzt überfordert, die dringlichsten aktuellen Probleme zu lösen, und deutsche Alleingänge in der Energie- und Flüchtlingspolitik machen die Lage nicht besser. Es wäre verwunderlich, wenn diese Gemengelage an den Kapitalmärkten spurlos vorbeigehen sollte. Damit spricht viel für weiter hohe Volatilitäten, wobei wir davon ausgehen, dass sich der Aktienmarkt von diesen Anspannungen nicht nachhaltig beeindrucken lässt. Kritischer ist da schon der Rentenmarkt: Wir erwarten, dass die Renditeaufschläge vieler europäischer Staatsanleihen im kommenden Jahr gegenüber den Bundesanleihen ansteigen, wenn die derzeit spürbaren politischen Spannungen weiter zunehmen.

Aus rein fundamentaler Sichtweise wäre ein solcher Renditeanstieg allerdings nicht unbedingt zu erwarten. Nach unseren Berechnungen liegt das BIP-Wachstum in den meisten Ländern der EU und der Eurozone in der Nähe des langfristigen Trendwachstums, und die Arbeitslosenquoten gehen eher zurück. Dementsprechend entwickeln sich die Staatsfinanzen in den meisten Ländern Europas im Vergleich zu früheren Jahren vergleichsweise solide. Zudem kauft die EZB jeden Monat Staatsanleihen in erheblichem Umfang, so dass Renditeanstiege allein schon dadurch nach oben begrenzt sind. Verwerfungen können somit an den Rentenmärkten nur entstehen, wenn es tatsächlich zu einem zunehmenden langfristigen Vertrauensverlust in europäische Institutionen und das gemeinsame Regelwerk kommt. Die aktuellen Entwicklungen lassen allerdings befürchten, dass die Angst davor nicht komplett unbegründet ist, und die jüngsten sehr scharfen Äußerungen von Matteo Renzi und Pablo Iglesias bestätigen leider diese Einschätzung.

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