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12.07.2016

19:54 Uhr

Musterdepots

Steigende Kurse zum Abbau von Risiko nutzen

Musterdepotstratege Georgios Kokologiannis hat den gestrigen Anstieg zum Verkauf von offensiven Positionen genutzt. Sein Kollege Daniel Hupfer ist ebenfalls skeptisch und hält sich bei Finanzwerten zurück.

Georgios Kokologiannis Pablo Castagnola

Georgios Kokologiannis

FrankfurtVorsichtige Anleger sollten derzeit Kurssprünge am Aktienmarkt eher zum Risikoabbau in ihren Depots nutzen, statt auf eine nachhaltige Aufwärtsbewegung zu setzen. Genau das geschieht nun im Musterportfolio: Ich verkaufe einen Teil meiner Sprintzertifikate, die sich auf den Euro Stoxx 50 beziehen (WKN: CW7CXY) und zu den offensivsten Positionen gehören.

So beeindruckend die jüngste Erholung an Europas Börsen vordergründig auch erscheint: Es handelt sich um eine blutleere Zwischenrally, die nur von mauen Umsätzen getragen wird. Angetrieben wohl vor allem durch Spekulanten, die ursprünglich auf tiefer fallende Notierungen gesetzt hatten und nun kurzfristig durch Zwangseindeckungen ihre Verluste begrenzen müssen.

Georgios Kokologiannis

Der Redakteur

Mit Geldanlagethemen beschäftigt sich der Diplom-Kaufmann beim Handelsblatt seit über 16 Jahren - davor bereits während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und beim Finanzconsulting einer Unternehmensberatung.

Twitter: @kokologiannis

Die Strategie

"Mein Ziel ist es, eine durchschnittliche Rendite von sechs bis acht Prozent per annum zu erreichen – und das möglichst nervenschonend. Zwei Kernbestandteilen meiner Strategie: Erstens der Einsatz von Anlagezertifikaten und anderen Derivaten, mit denen sich zum einen Depotpositionen absichern lassen und die es zum anderen ermöglichen, auch von schwierigen Phasen an den Aktien- und Rohstoffmärkten zu profitieren. Zweitens arbeite ich bei risikoreicheren Engagements mit Stopp-Loss-Marken - das soll dazu beitragen, dass ich nicht zu lange an Fehlinvestitionen festhalte."

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Fundamental gerechtfertigt sind höhere Niveaus bei Dax & Co. meiner Überzeugung nach nicht: Nach einem Plus von knapp 700 Punkten in nur drei Handelstagen hat der deutsche Leitindex am Dienstag an der Marke von 10.000 Punkten gekratzt.

Damit notiert das Börsenbarometer keine drei Prozent unter dem Stand vor Bekanntgabe des Brexit-Votums der Briten am 23. Juni: Am Tag der Volksbefragung ging der Dax bei  10257 Punkten aus dem Handel – allerdings wurde damals fest mit dem Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union gerechnet.

Inzwischen aber ist nicht nur klar, dass die Investoren damals mit ihrer Einschätzung völlig daneben lagen und der Brexit ansteht – auch die konjunkturellen Warnsignale häufen sich: So hat der Aufschwung in Deutschland bereits an Kraft verloren. Das schreibt das Bundeswirtschaftsministerium in seinem am Dienstag veröffentlichten Monatsbericht für Juli. Zusätzlich belasten könne nun auch die Entscheidung der Briten, die EU zu verlassen.

In den vergangene Tagen war bereits bekannt geworden, dass die deutschen Exporte im Mai um 1,8 Prozent zum Vormonat gesunken sind und es auch bei der Industrieproduktion, den Auftragseingängen und den Wirtschaftserwartungen institutioneller Investoren ernst zu nehmende Dämpfer gibt.

 

Großbritannien ist für die ausfuhrabhängige deutsche Wirtschaft der weltweit drittwichtigste Markt nach den Vereinigten Staaten und Frankreich. Nun aber drohen Handelshemmnisse nach dem EU-Abschied der Briten. Die Ertragsrückgänge in den Bilanzen der hiesigen Unternehmen dürften schmerzhaft ausfallen: Allein 2015 nahmen die Briten schließlich deutsche Waren und Dienstleistungen im Wert von rund 90 Milliarden Euro ab. Dieser Wert könnte Fachleuten zufolge deutlich sinken - ähnlich wie die Geschäfte mit den anderen bisherigen EU-Partnern.

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