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26.06.2016

10:25 Uhr

Musterdepots

Strategien im Härtetest

Der schwarze Freitag nach dem Brexit kam für die Anleger überraschend. Herbe Verluste gab es vor allem bei Aktien und Währungen. Wie die Handelsblatt-Strategen den Crash in ihren Depots meistern.

Daniel Hupfer

Daniel Hupfer

Aus ökonomischer Sicht ist die Entscheidung der Briten für einen Austritt aus der EU vermutlich weniger bedeutsam als aus politischer Sicht. Wenn Großbritannien den Binnenmarkt verlässt und viele Firmensitze nach Dublin, Paris oder Frankfurt verlegt werden, ist das für das Vereinigte Königreich eine Belastung, die zwar spürbar, aber doch zu tragen sein wird.

Wir halten es sogar für möglich, dass sich Großbritannien mittelfristig als regulationsärmere und weniger bürokratische Alternative zur EU positionieren könnte, um verlorene Marktanteile zurückzugewinnen. Aus dieser Sicht gibt es somit keinen Grund, für die Zukunft Großbritanniens übermäßig skeptisch zu sein, auch wenn die nächsten Jahre zunächst eine Herausforderung darstellen werden.

Daniel Hupfer

Der Anleger

Daniel Hupfer arbeitet für M.M.Warburg. "Wir präferieren die Direktanlage, das heißt im Wesentlichen kaufen wir Aktien und Anleihen, Fonds nur bei bestimmten Themen, wie China. Zertifikate grundsätzlich nicht", sagt er.

Die Strategie

Wir werden die "Handelsblatt"-Anlagestrategie offensiv ausrichten. Das bedeutet, unser Fokus liegt auf chancenorientierten Wertpapieren, wie beispielsweise Aktien. Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase und eines enormen Anlagedrucks halten wir Aktien und Unternehmensanleihen nach wie vor für attraktiv. Zwar sind Aktien nicht mehr günstig bewertet. Aufgrund unseres positiven Konjunkturszenarios sollten aber die Unternehmensgewinne weiter steigen und sich damit die aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnisse wieder relativieren. Wir halten die Region Europa für am interessantesten. Hier gibt es am Aktienmarkt noch Aufholpotential. Der US-Aktienmarkt ist etwas höher bewertet, allerdings sehen wir auch hier noch Potential.


Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Politisch ist die aktuelle Lage allerdings hochproblematisch. Es hat den Anschein, als wenn viele Teilnehmer an den Finanzmärkten einen Brexit nie ernsthaft in Erwägung gezogen haben und erst in den kommenden Tagen und Wochen realisieren werden, was für Europa auf dem Spiel steht.

Schließlich liegt jetzt eine Blaupause dafür vor, dass man tatsächlich die EU verlassen kann und dass es möglich ist, in einem Referendum Mehrheiten dafür zu finden. Für viele populistische Parteien in Europa ist dies eine Steilvorlage, und es überrascht nicht, dass aus einigen Ländern schon erste Hinweise vorliegen, vergleichbare Referenden anstreben zu wollen.

Damit befindet sich Europa potenziell in einer ähnlich kritischen Situation wie zum Höhepunkt der Euro- oder auch der Griechenlandkrise. Allerdings gibt es zu den vorherigen Krisen einen signifikanten Unterschied: Während die vorherigen Krisen durch beherztes geldpolitisches Eingreifen zumindest abgemildert oder kaschiert werden konnten, dürfte dies in dem jetzigen Fall weniger gut gelingen. Damit besteht auch für die Märkte die erhöhte Wahrscheinlichkeit einer anhaltend hohen Volatilität.

Es kommt jetzt auf die Politik an, dafür zu sorgen, die Phase der Unsicherheit so kurz wie möglich zu halten, damit nicht Investitionsentscheidungen auf Eis gelegt werden und aus einer politischen Krise auch noch eine gesamteuropäische wirtschaftliche Krise wird. Für eine antizyklische Anlagepolitik ist es noch zu früh. Leider erinnert uns die jetzige Situation ein wenig an die Lehman-Insolvenz, bei der die gesamte Tragweite erst Tage nach dem Ereignis erkannt wurde.

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