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11.01.2015

12:17 Uhr

Musterdepots

Tsipras macht Rechnung ohne den Wirt

Die Griechenlandwahlen bieten so manches Verwerfungspotenzial für die Märkte. Daniel Hupfer fragt sich, ob sein Depot darauf vorbereitet ist. Dabei fällt ihm auf, was der griechisches Oppositionsführer nicht bedacht hat.

Daniel Hupfer

Daniel Hupfer

Erweisen sich die jüngsten Wahlprognosen als korrekt, dann könnten die Parlamentswahlen in Griechenland ein politisches Erdbeben in Europa auslösen: Die dem linken nationalistischen Spektrum zugeordnete Partei Syriza unter der Führung von Alexis Tsipras steuert den Umfragen zufolge auf einen Wahlsieg zu. Für uns wirft dies gleich mehrere Fragen auf: Wie wahrscheinlich ist ein Wahlsieg und vor allem eine absolute Mehrheit der Sitze für die Syriza?

Wie wahrscheinlich ist es, dass die Maßnahmen tatsächlich durchgesetzt werden, wenn eine Mehrheit vorhanden ist? Welche Konsequenzen drohen gegebenenfalls für die Kapitalmärkte und die Eurozone? Im Ergebnis rechnen wir damit, dass die Griechenland-Wahlen weder am Aktien, noch am Rentenmarkt dauerhafte Spuren hinterlassen und sich die Aufregung möglicherweise schon bald wieder legt.

Daniel Hupfer

Der Anleger

Daniel Hupfer arbeitet für M.M.Warburg. "Wir präferieren die Direktanlage, das heißt im Wesentlichen kaufen wir Aktien und Anleihen, Fonds nur bei bestimmten Themen, wie China. Zertifikate grundsätzlich nicht", sagt er.

Die Strategie

Wir werden die "Handelsblatt"-Anlagestrategie offensiv ausrichten. Das bedeutet, unser Fokus liegt auf chancenorientierten Wertpapieren, wie beispielsweise Aktien. Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase und eines enormen Anlagedrucks halten wir Aktien und Unternehmensanleihen nach wie vor für attraktiv. Zwar sind Aktien nicht mehr günstig bewertet. Aufgrund unseres positiven Konjunkturszenarios sollten aber die Unternehmensgewinne weiter steigen und sich damit die aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnisse wieder relativieren. Wir halten die Region Europa für am interessantesten. Hier gibt es am Aktienmarkt noch Aufholpotential. Der US-Aktienmarkt ist etwas höher bewertet, allerdings sehen wir auch hier noch Potential.


Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Denn selbst wenn – entgegen unseren Erwartungen – die Syriza die absolute Mehrheit erreicht oder eine handlungsfähige Koalition bilden kann, ist fraglich, ob die Maßnahmen auch so wie angekündigt durchgesetzt werden. Beachtliche Differenzen zwischen Wahlprogrammen und tatsächlicher Politik entsprechen ja durchaus den politischen Gepflogenheiten, nicht nur in Griechenland.

Syriza-Chef Tsipras etwa glaubt, dass die restlichen Euro-Länder seine Forderung nach einem Schuldenschnitt akzeptieren werden, weil für sie ein Euro-Austritt Griechenlands unkalkulierbare Risiken bergen würde. Aus unserer Sicht liegt es jedoch weiterhin im zentralen Interesse der solideren Euroländer, dass die Spar- und Reformpolitik fortgeführt wird, schließlich haben sie für die Schulden der anderen Länder bereits erhebliche Haftungsrisiken übernommen.

Es ist daher fraglich, ob die Zentrifugalkräfte für die Währungsunion größer sind, wenn Tsipras Forderungen nachgegeben wird oder wenn man ein Ausscheiden Griechenlands mit allen negativen Folgen für das Land akzeptiert. Tsipras könnte seine Rechnung also ohne den Wirt gemacht haben.

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