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10.03.2016

18:00 Uhr

Musterdepots

Unfreiwillig kreativ

Mit einem ganzen Katalog an Maßnahmen beschreitet die EZB völlig neue Wege und betont dabei ihren Willen zu Handeln. Doch für Musterdepotstratege Daniel Hupfer zeugt diese ungewollte Kreativität von Verzweiflung.

Daniel Hupfer

Daniel Hupfer

Frankfurt am MainAktuell hat sich in Europa eine Situation entwickelt, in der die Kreditvergabe mit weniger als einem Prozent wächst, obwohl die Wachstumsrate der Geldmenge M3 – unterstellt man frühere Zusammenhänge – eher eine Wachstumsrate in der Kreditvergabe von etwa fünf Prozent hätte erwarten lassen. Der EZB ist das ein Dorn im Auge, denn eine derart schwache Kreditvergabe erhöht das Risiko einer Deflation. Da die EZB eine Deflation fürchtet wie der Teufel das Weihwasser, hat sie schon seit längerer Zeit einen negativen Einlagenzins festgelegt, der nun nochmals auf jetzt minus 0,4 Prozent gesenkt wurde.

Daniel Hupfer

Der Anleger

Daniel Hupfer arbeitet für M.M.Warburg. "Wir präferieren die Direktanlage, das heißt im Wesentlichen kaufen wir Aktien und Anleihen, Fonds nur bei bestimmten Themen, wie China. Zertifikate grundsätzlich nicht", sagt er.

Die Strategie

Wir werden die "Handelsblatt"-Anlagestrategie offensiv ausrichten. Das bedeutet, unser Fokus liegt auf chancenorientierten Wertpapieren, wie beispielsweise Aktien. Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase und eines enormen Anlagedrucks halten wir Aktien und Unternehmensanleihen nach wie vor für attraktiv. Zwar sind Aktien nicht mehr günstig bewertet. Aufgrund unseres positiven Konjunkturszenarios sollten aber die Unternehmensgewinne weiter steigen und sich damit die aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnisse wieder relativieren. Wir halten die Region Europa für am interessantesten. Hier gibt es am Aktienmarkt noch Aufholpotential. Der US-Aktienmarkt ist etwas höher bewertet, allerdings sehen wir auch hier noch Potential.


Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Dieser negative Einlagenzins wirkt wie eine Strafsteuer auf nicht vergebene Kredite. Allerdings belastet dieser negative Einlagenzins Geschäftsbanken derart, dass die EZB kaum eine weitere Senkung vornehmen wird. Statt dessen bestreitet sie nun einen ganz neuen Weg und offeriert Geschäftsbanken Refinanzierungsgeschäfte mit negativem Zins.

Lässt man technische Details beiseite, läuft dies letztlich auf eine Subventionierung der Kreditvergabe hinaus. Damit hat die EZB ein neues Kapitel in der Implementierung unkonventioneller geldpolitischer Instrumente aufgeschlagen. Die EZB zeigt damit indirekt aber auch, dass sie mit Sorgen auf die realwirtschaftliche Entwicklung schaut. Bei einem weitgehend positiven Ausblick wäre der Einsatz solcher Instrumente nicht notwendig gewesen. Dies erklärt vermutlich auch die zunächst verhaltene Marktreaktion am Aktienmarkt auf die Ankündigungen Draghis.

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