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17.05.2017

17:41 Uhr

Musterdepots

„Vier Schritte vor, drei zurück“

Drei Manager, drei Konzepte, drei Portfolios: Die Musterdepots zeigen, wie man mit Timing und Strategie den Markt schlagen kann. Für den Strategen Ulf Sommer ist ein Ende des Bullenmarktes noch nicht in Sicht.

Ulf Sommer, Alexander Kovalenko und Sönke Niefünd.

Die Handelsblatt-Musterdepots und ihre Manager

Ulf Sommer, Alexander Kovalenko und Sönke Niefünd.

Ulf Sommer, Handelsblatt

Vier Schritte vor, drei zurück – so laufen die Aktienmärkte in diesem Jahr. Neue Hochs ja, auch Allzeithochs, aber immer begleitet von leichten Rückschlägen oder nur stagnierenden Kursen. Endet so ein inzwischen schon acht Jahre währender Bullenmarkt? Wohl kaum. Die volatile Entwicklung ist eher ein Zeichen dafür, dass die Börse von Überschwang und Euphorie – wenn die Kurse, ganz so wie Ende der 90er-Jahre, nur eine Richtung kennen: nach oben – immer noch weit entfernt ist. Das heißt für Anleger im Jahr 2017: Gewinne laufen lassen, solange der Trend Bestand hat.

Ulf Sommer

Der Redakteur

Mit den Finanzmärkten, der Geldanlage und branchenübergreifenden Unternehmensthemen wie Dividenden, Aktienrückkäufe und vor allem Bilanzkennzahlen beschäftigt sich der promovierte Historiker beim Handelsblatt seit über 15 Jahren.

Die Strategie

Das Kapital wird kurzfristig nicht gebraucht. Es dient vielmehr der Altersvorsorge, dem späteren Studium der Kinder oder dem Kauf eines Hauses im Rentenalter. Deshalb steht nicht der kurzfristige Werterhalt um jeden Preis, sondern die langfristige Mehrung des Kapitals im Fokus. Verlustzeiten sind schmerzhaft, können aber ausgesessen werden. Zur Auswahl stehen Einzelaktien, Aktien-Indizes in Form von Zertifikaten, Gold, große Währungen wie Euro, Dollar und Yen sowie Hebel-Zertifikate. Mit ihnen eröffnet sich die Möglichkeit, auf stark steigende oder fallende Märkte zu spekulieren. Anleihen scheiden bis auf weiteres auf Grund aus, weil die Zinsen und Renditen zu unattraktiv sind.

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Ulf Sommer hat allerdings zum 6. März 2017 das Depot von Handelsblatt-Redakteur Georgios Kokologiannis übernommen. Den Kommentatoren steht es frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Alexander Kovalenko, Bayerische Vermögen

Das „Social Trading“-Musterdepot stellt eine Kombination aus dem Aktienkernportfolio mit 15 Einzeltiteln und einigen Wikifolio-Zertifikaten der innovativen Plattform Wikifolio. Bei der Einzeltitelauswahl investieren wir in unterbewertete Unternehmen mit einem guten Geschäftsmodell.

Bei der Selektion der Wikifolios untersuchen wir die Strategien der jeweiligen Manager und versuchen, eine bestimmte Diversifikation auf der Strategieebene zu erreichen. Unter dem Strich ist unsere Anlagestrategie langfristig ausgerichtet, transaktionsarm und sieht eine hohe Investitionsquote vor.

Alexander Kovalenko

Der Anleger

Alexander Kovalenko arbeitet für Bayerische Vermögen. „Wir machen normalerweise keine Prognosen, weil es aus unserer Sicht eher wenig Sinn macht“, sagt er. „Wir können nur sagen, dass die Aktien für uns aktuell eine stark bevorzugte Anlageklasse darstellen, und hier vor allem die (süd)europäischen Aktien, die noch deutlich unter ihrem Fair-Wert gehandelt werden. Dazu kommt eine Dividendenrendite von durchschnittlich etwa drei Prozent. Bei Aktien sehen wir also trotz eventuellen und sogar eher wahrscheinlichen Korrekturen ein sehr attraktives Chance/Risiko-Profil!“

Die Strategie

Das Social-Trading-Depot versteht sich als Kombination eines langfristig orientierten Kernportfolios und der innovativen Anlageform des Social Trading. Einen Anteil von 60 bis 70 Prozent bildet ein Aktienportfolio, das einen Value-Ansatz verfolgt: Es wird in zehn bis 15 stark unterbewertete Einzeltitel aus dem breiten europäischen Aktienmarkt investiert, wobei die Selektion der Einzeltitel mittels Analyse der Fundamentalkriterien beziehungsweise der Bilanzdaten erfolgt. Der Social-Trading-Anteil beträgt zwischen 30 und 40 Prozent und wird in wikifolio-Indexzertifikate investiert: Diese bilden unterschiedliche Strategien von Top-Tradern auf wikifolio.com ab. Das Social-Trading-Depot soll in der Regel voll investiert sein. Der Anlagehorizont ist mittel- bis langfristig ausgerichtet und sieht nur selten Umschichtungen vor. Betreut wird das Social-Trading-Depot von Bayerische Vermögen AG.

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Sönke Niefünd, Otto M. Schröder Bank

Der schwache US-Dollar verunsichert den Dax nur vorübergehend. Inzwischen hält sich der deutsche Aktienmarkt auf seinem hohen Niveau. Unsere Liquidität bleibt somit für situative Käufe vorgehalten. Lufthansa etwa fliegt weiter – unsere im Musterdepot gehaltene nachrangige Anleihe notiert mit 109,70 Prozent knapp am Allzeithoch. Unter Nachhaltigkeitsaspekten mit einem durchschnittlichen Gesamt-ESG in Höhe von 75,09 Punkten bewertet, überzeugt die Anleihe mit einem Wertzuwachs von über vier Prozent in 2017 und wird zudem mit derzeit 5,125 Prozent sehr komfortabel verzinst.

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Kommentare (1)

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Frau Edelgard Kah

18.05.2017, 14:36 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Sommer,

ein schönes Motto, das Sie da verkünden: Gewinne laufen lassen - so lange der Trend Bestand hat. Ich kenne niemand, der Ihnen widersprechen wollte. Aber viele, die zweifeln, ob der Trend Bestand hat. Schade, dass Sie sich um diese Kernfrage herumdrücken.

Dass Trumps Affairen zu einem Amtsenthebungsverfahren führen, ist unwahrscheinlich. Dass seine Republikaner in Partei und Parlament öffentlich von ihm abrücken, ist ebenfalls unwahrscheinlich. Aber sein Ansehen ist schwer beschädigt. Auch und gerade bei seinen eigenen Leuten. Dass sie ihm bei strittigen Gesetzesvorhaben bedingungslos Gefolgschaft leisten, wird man nicht erwarten dürfen. Nehmen Sie als Beispiel die Riesensteuersenkung auf Pump, die auch bei vielen Republikanern auf große Bedenken stößt. Ein Präsident, der sich jeden Tag lächerlich macht und seine Autorität schon längst verloren hat, wird diese Bedenken nicht zerstreuen können.

Zur Diskussion steht somit, ob Trumps wirtschaftspolitische Agenda nicht zur Makulatur geworden und die Trump-Rally rückabgewickelt werden muß.

Grämen Sie sich nicht, dass Sie zu Höchstkursen eingekauft haben. Erstens operieren Sie ohnehin nur mit Spielgeld. Und zweitens sehen Sie Ihre Einstandskurse sicher wieder. Zugegeben, das kann 30 Jahre dauern. Aber Sie sind ja noch jung und werden diesen erhebenden Moment sicher noch erleben.

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