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20.02.2017

18:35 Uhr

Musterdepots

Warum der Immobilien-Kaufrausch irrational ist

Dem Minizinsen auf dem Sparkonto durch Hauskauf entfliehen – diese Anlagestrategie verfolgen derzeit viele Deutsche. Unvernünftig sei das, findet Alexander Kovalenko und erklärt, warum. Die Musterdepots im Überblick.

Alexander Kovalenko

Alexander Kovalenko

In ihrem aktuellen Bericht weist die Bundesbank auf die Preisübertreibungen am deutschen Immobilienmarkt hin. Tatsächlich erlebt man in der Bundesrepublik einen regelrechten Immobilien-Run. Aufgrund der fehlenden Renditen bei den Sparanlagen gepaart mit der für Deutschland traditionellen Unbeliebtheit der Aktien ist die Nachfrage nach Wohnimmobilien in den letzten Jahren rasant gestiegen. Stellt dies aber ein rationales Verhalten dar? Unseres Erachtens bieten die Dividendenpapiere im aktuellen Umfeld langfristig ein attraktiveres Chance-Risikoprofil, vor allem für diejenigen, die ihr komplettes Kapital in eine Wohnung oder in ein Haus investieren möchten.

Alexander Kovalenko

Der Anleger

Alexander Kovalenko arbeitet für Bayerische Vermögen. „Wir machen normalerweise keine Prognosen, weil es aus unserer Sicht eher wenig Sinn macht“, sagt er. „Wir können nur sagen, dass die Aktien für uns aktuell eine stark bevorzugte Anlageklasse darstellen, und hier vor allem die (süd)europäischen Aktien, die noch deutlich unter ihrem Fair-Wert gehandelt werden. Dazu kommt eine Dividendenrendite von durchschnittlich etwa drei Prozent. Bei Aktien sehen wir also trotz eventuellen und sogar eher wahrscheinlichen Korrekturen ein sehr attraktives Chance/Risiko-Profil!“

Die Strategie

Das Social-Trading-Depot versteht sich als Kombination eines langfristig orientierten Kernportfolios und der innovativen Anlageform des Social Trading. Einen Anteil von 60 bis 70 Prozent bildet ein Aktienportfolio, das einen Value-Ansatz verfolgt: Es wird in zehn bis 15 stark unterbewertete Einzeltitel aus dem breiten europäischen Aktienmarkt investiert, wobei die Selektion der Einzeltitel mittels Analyse der Fundamentalkriterien beziehungsweise der Bilanzdaten erfolgt. Der Social-Trading-Anteil beträgt zwischen 30 und 40 Prozent und wird in wikifolio-Indexzertifikate investiert: Diese bilden unterschiedliche Strategien von Top-Tradern auf wikifolio.com ab. Das Social-Trading-Depot soll in der Regel voll investiert sein. Der Anlagehorizont ist mittel- bis langfristig ausgerichtet und sieht nur selten Umschichtungen vor. Betreut wird das Social-Trading-Depot von Bayerische Vermögen AG.

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Wir sehen einige Argumente, die momentan gegen Immobilienanlagen sprechen. Zum einen haben die Preise in Ballungsgebieten astronomische Höhen erreicht haben. Viele kontern damit, dass die Finanzierungskosten dagegen gesunken sind. Das stimmt zwar, in den meisten Fällen macht aber ein hoher Anschaffungspreis diesen Vorteil zunichte. Außerdem können die Finanzierungskosten ab jetzt fast nur noch steigen. Zum anderen stellt die Illiquidität einen massiven Nachteil dar, was bei einem unerwarteten größeren Liquiditätsbedarf sehr unangenehme Folgen haben kann. Des Weiteren vergisst man oft, dass die Immobilienpreise durchaus fallen können. Wenn ein zu 75 Prozent fremdfinanziertes Haus 25 Prozent seines Wertes verliert, kann dies einen Anleger deutlich schmerzhafter treffen, als eine 25-prozentige Korrektur am Aktienmarkt.

Denn das Erste zerstört faktisch das gesamte Eigenkapital. Darüber hinaus ist der Immobilienbesitz mit laufenden Reparatur- beziehungsweise Instandhaltungskosten sowie mit der Altersentwertung verbunden, welche ein Mieter nicht hat. Ein Immobilienkauf kann natürlich durchaus sinnvoll sein, wenn man nur einen Teil seines Vermögens investiert und somit eine Diversifikation schafft. Es wäre allerdings nicht ratsam sein komplettes Kapital für eine Immobilie einzusetzen und dies vor allem, wenn sie fremdfinanziert wird. Wir empfehlen ein diversifiziertes Portfolio, welches neben Immobilien und festverzinslichen Anlagen auf jeden Fall einen signifikanten Aktienanteil beinhalten sollte. Wie dieser aufgebaut werden kann, versuchen wir mit unserem langfristigen transaktionsarmen Musterdepot zu zeigen.

Kommentare (3)

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Frau Edelgard Kah

21.02.2017, 12:41 Uhr

Sehr geehrter Herr Kovalenko,

"und ewig steigen die Preise". Die Immobilienkäufer scheinen daran zu glauben. Ich glaube eher, dass in viele Großstädten Preisblasen existieren, die spätestens durch einen Anstieg der Zinsen platzen werden. Wenn aber mein neu gekauftes Haus in ein paar Jahren beispielsweise 25 % weniger Wert ist, habe ich ein dickes Verlustgeschäft gemacht. Günstige Zinsen ändern daran nichts.

Mit ins Bild gehört aber auch, dass viele Mitbürger keine Rendite, sondern einfach ein schönes Zuhause suchen. Für sie ist das Eigenheim vergleichbar mit einem Porsche, der bekanntlich kein Geld verdienen, sondern nur Spaß machen muß. Aber auch bei diesem Motiv ist der Kauf einer Wohnung oder eines Hauses zumeist die größte Anschaffung des Lebens, die jahrzehntelang abbezahlt werden muß.

Umso weniger verstehe ich, dass sich alle meine Bekannte keine Minute darum gekümmert haben, auf was es bei einer Immobielie ankommt. Nie ein Buch gelesen, nie research betrieben. Anscheinend alles geborene Immobilienfachleute. Lesen die wenigen Anzeigen der Wohnungsbauunternehmen und besichtigen vielleicht ein halbes Dutzend Objekte. Dass es einen riesigen second-hand-Markt gibt, haben sie nie gehört.

Herr Eugen Schmidt

23.02.2017, 12:56 Uhr

Die Prosa dieser Finanzgurus ist unerträglich. Als es dann 2008 nur noch Abgründe gab, musste der Steuerzahler ran. Die Staatsschulden haben sich da doch verdoppelt. Die Boni für ihre Heldentaten behalten sie aber. Die letzte Krise war bei einem DAX Stand von 8000. Und 12000 sind normal, entsprechen den Wertzuwachs der Unternehmen?
Erklären Sie die Vorzüge einer Investition in Aktien einmal einem kleinen Mann der vor wenigen Jahren RWE Aktien, oder ähnliche sichere Papiere, gekauft hat. Das waren doch die Aktien die man kaufen sollte, unters Kopfkissen legen und Dividenden kassieren. Bis Frau Merkel hysterisch wurde.
Nur Leute die Verbindungen in solche Kreise haben, sollten ähnliche Risiken eingehen.

Herr Eugen Schmidt

23.02.2017, 12:56 Uhr

Die Prosa dieser Finanzgurus ist unerträglich. Als es dann 2008 nur noch Abgründe gab, musste der Steuerzahler ran. Die Staatsschulden haben sich da doch verdoppelt. Die Boni für ihre Heldentaten behalten sie aber. Die letzte Krise war bei einem DAX Stand von 8000. Und 12000 sind normal, entsprechen den Wertzuwachs der Unternehmen?
Erklären Sie die Vorzüge einer Investition in Aktien einmal einem kleinen Mann der vor wenigen Jahren RWE Aktien, oder ähnliche sichere Papiere, gekauft hat. Das waren doch die Aktien die man kaufen sollte, unters Kopfkissen legen und Dividenden kassieren. Bis Frau Merkel hysterisch wurde.
Nur Leute die Verbindungen in solche Kreise haben, sollten ähnliche Risiken eingehen.

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