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27.04.2017

16:23 Uhr

Musterdepots

Warum es einen Immobilien-Run gibt

Drei Manager, drei Konzepte, drei Portfolios: Die Musterdepots zeigen, wie man mit Timing und Strategie den Markt schlagen kann. Stratege Ulf Sommer schreibt über die Trump-Rally – die eigentlich andere Gründe hatte.

Ulf Sommer, Alexander Kovalenko und Sönke Niefünd.

Die Handelsblatt-Musterdepots und ihre Manager

Ulf Sommer, Alexander Kovalenko und Sönke Niefünd.

Ulf Sommer, Handelsblatt

Amerikas größte Steuerreform aller Zeiten droht zu scheitern, ehe sie begonnen hat. Doch die Börsen, die angeblich auf den ganz großen Wurf gewartet haben und deshalb gestiegen sind, reagieren kaum. Das nährt einmal mehr den Verdacht, dass die Aktienkurse weit weniger von den vielen Worten und wenigen Taten Donald Trumps getrieben werden, als vielfach – und ohne Beleg – beschrieben. Unternehmensgewinne, Cashflow und vor allem Perspektiven über künftige Geschäfte treiben die Kurse weit stärker als die vielen Winkelzüge des neuen und politisch unerfahrenen US-Präsidenten.

Ulf Sommer

Der Redakteur

Mit den Finanzmärkten, der Geldanlage und branchenübergreifenden Unternehmensthemen wie Dividenden, Aktienrückkäufe und vor allem Bilanzkennzahlen beschäftigt sich der promovierte Historiker beim Handelsblatt seit über 15 Jahren.

Die Strategie

Das Kapital wird kurzfristig nicht gebraucht. Es dient vielmehr der Altersvorsorge, dem späteren Studium der Kinder oder dem Kauf eines Hauses im Rentenalter. Deshalb steht nicht der kurzfristige Werterhalt um jeden Preis, sondern die langfristige Mehrung des Kapitals im Fokus. Verlustzeiten sind schmerzhaft, können aber ausgesessen werden. Zur Auswahl stehen Einzelaktien, Aktien-Indizes in Form von Zertifikaten, Gold, große Währungen wie Euro, Dollar und Yen sowie Hebel-Zertifikate. Mit ihnen eröffnet sich die Möglichkeit, auf stark steigende oder fallende Märkte zu spekulieren. Anleihen scheiden bis auf weiteres auf Grund aus, weil die Zinsen und Renditen zu unattraktiv sind.

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Ulf Sommer hat allerdings zum 6. März 2017 das Depot von Handelsblatt-Redakteur Georgios Kokologiannis übernommen. Den Kommentatoren steht es frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Alexander Kovalenko, Bayerische Vermögen

Derzeit gibt es keine nennenswerten Renditen auf Sparanlagen, zudem sind Aktien in Deutschland traditionell unbeliebt. Das führt zu einem regelrechten Immobilien-Run in der Bundesrepublik. Unseres Erachtens sind jedoch die Dividendenpapiere im aktuellen Umfeld langfristig attraktiver, vor allem für diejenigen, die nicht ihr komplettes Kapital in eine Wohnung oder in ein Haus investieren möchten. Wir empfehlen ein diversifiziertes Portfolio, das neben Immobilien und festverzinslichen Anlagen auf jeden Fall einen signifikanten‧Aktienanteil beinhalten sollte.

Alexander Kovalenko

Der Anleger

Alexander Kovalenko arbeitet für Bayerische Vermögen. „Wir machen normalerweise keine Prognosen, weil es aus unserer Sicht eher wenig Sinn macht“, sagt er. „Wir können nur sagen, dass die Aktien für uns aktuell eine stark bevorzugte Anlageklasse darstellen, und hier vor allem die (süd)europäischen Aktien, die noch deutlich unter ihrem Fair-Wert gehandelt werden. Dazu kommt eine Dividendenrendite von durchschnittlich etwa drei Prozent. Bei Aktien sehen wir also trotz eventuellen und sogar eher wahrscheinlichen Korrekturen ein sehr attraktives Chance/Risiko-Profil!“

Die Strategie

Das Social-Trading-Depot versteht sich als Kombination eines langfristig orientierten Kernportfolios und der innovativen Anlageform des Social Trading. Einen Anteil von 60 bis 70 Prozent bildet ein Aktienportfolio, das einen Value-Ansatz verfolgt: Es wird in zehn bis 15 stark unterbewertete Einzeltitel aus dem breiten europäischen Aktienmarkt investiert, wobei die Selektion der Einzeltitel mittels Analyse der Fundamentalkriterien beziehungsweise der Bilanzdaten erfolgt. Der Social-Trading-Anteil beträgt zwischen 30 und 40 Prozent und wird in wikifolio-Indexzertifikate investiert: Diese bilden unterschiedliche Strategien von Top-Tradern auf wikifolio.com ab. Das Social-Trading-Depot soll in der Regel voll investiert sein. Der Anlagehorizont ist mittel- bis langfristig ausgerichtet und sieht nur selten Umschichtungen vor. Betreut wird das Social-Trading-Depot von Bayerische Vermögen AG.

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Sönke Niefünd, Otto M. Schröder Bank

Im März verabschiedete der Deutsche Bundestag ein Gesetz, das Unternehmen ab 2018 dazu verpflichtet, in ihren Konzernberichten nicht nur eine Bilanz ihrer Finanzen vorzulegen, sondern auch die ökologische und soziale Seite ihrer Unternehmensführung transparent zu machen. Wir begrüßen dies, denn nachhaltiges Handeln beeinflusst nach unserer Beobachtung den Wert eines Unternehmens positiv. Dies bestätigt die in unserem Musterdepot enthaltene Airbus-Aktie. Der Kurs erreicht ein Allzeithoch und beschert uns seit Jahresbeginn einen Kursgewinn von fast 19 Prozent.

Sönke Niefünd

Der Anleger Niefünd

Das Anlageziel besteht darin, nachhaltig zu investieren und dabei einen langfristigen Vermögenszuwachs zu erzielen. Dazu werden je nach Einschätzung der Wirtschafts- und der Börsenaussichten Wertpapiere erworben und veräußert. Dabei wird besonders auf die Risikostreuung geachtet.

Der Stratege Niefünd

Unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien der Themengebieten Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance), auch ESG-Ansatz genannt. Das Mandat wird aktiv gemanagt, gleichzeitig werden jedoch strategisch langfristig Positionen gehalten. Wir verfolgen die Umsetzung der „Politik der ruhigen Hand“. Es werden Fonds, ETFs und Einzeltitel gekauft, die unseren Kriterien erfüllen. Die Auswahl der Einzeltitel erfolgt in den Themengebieten innerhalb der 4 Säulen Wirtschaftliches, Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG-Ansatz). Ausgewählte Wertpapiere haben in jedem Bereich mindestens 65 Punkte von 100 Punkten im Bereich der Nachhaltigkeit. Zudem kommen Negativkritieren und ein Best-in-Class Ansatz bei der Einzeltitelauswahl zum Tragen.

Die Regeln Niefünd

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Sönke Niefünd hat allerdings zum 1. August 2016 das Depot von Daniel Hupfer von der M.M. Warburg übernommen. Den Kommentatoren steht es frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Kommentare (1)

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Frau Edelgard Kah

27.04.2017, 17:22 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Sommer,

es freut mich richtig, immer wieder auf "Börsenversteher" zu stoßen. Ich denke dabei weniger an Sie persönlich, als an die täglichen Börsenberichte- und Kommentare der Medien. Es ist jeden Abend das gleiche Spiel. Die Börsenkurse sind beispielsweise gestiegen. Und am Abend kommt dann der Kommentator und erklärt uns die Gründe und Wirkungszusammenhänge ganz genau. Wie einen das freut.

A propos Wirkungszusammenhänge. Man darf doch wohl annehmen, dass sie sich die Ursachen nicht jeden Tag ändern. Also einige Monate lang werden sie sicher ihre Wirkungen unverändert entfalten. Das müßte unsere "Börsenversteher" doch in die Lage versetzen, auch in die Zukunft zu sehen. Aber hier sehe ich leider kein einziges gutes Beispiel. Was die Zukunft bringen wird, weiß anscheinend kein einziger "Börsenversteher".

Das weiß nicht einmal Sir Isaac Newton. Der große Physiker schreibt: "Ich kann zwar die Bahn der Gestirne auf Zentimeter und Sekunde berechnen, aber nicht, wohin eine verrückte Menge einen Börsenkurs treiben kann". Vielleicht fällt Ihnen auf, dass in seinem Denken eine verrückte Menschenmenge im Mittelpunkt steht. Das liegt sicher daran, dass er Ihre Unternehmensgewinne und Ihren cash flow überhaupt nicht gekannt hat.

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