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17.05.2016

17:03 Uhr

Musterdepots

Wenn Erwartungen nicht erfüllt werden

Depotstratege Daniel Hupfer war positiv überrascht, als vor einigen Wochen die aktuellen Gewinnschätzungen für europäische Unternehmen leicht nach oben revidiert wurden. Doch ist diese Entwicklung nachhaltig?

Daniel Hupfer

Daniel Hupfer

Seit mehreren Jahren weisen Gewinnschätzungen für die europäischen und US-amerikanischen Aktienmärkte eine negative Eigenschaft auf. Immer und immer wieder müssen die Schätzungen nach unten angepasst werden, da Unternehmen die ambitionierten Erwartungen der Analysten nicht erfüllen.

In der Regel ist dies eher schlecht für die Kursentwicklung von Aktien, da die negativen Gewinnrevisionen auf die Stimmung von Investoren drücken. Aus diesem Grund waren wir positiv überrascht, als vor einigen Wochen die Schätzungen für das laufende und für das nächste Geschäftsjahr europäischer Unternehmen endlich wieder einmal leicht nach oben revidiert wurden.

Daniel Hupfer

Der Anleger

Daniel Hupfer arbeitet für M.M.Warburg. "Wir präferieren die Direktanlage, das heißt im Wesentlichen kaufen wir Aktien und Anleihen, Fonds nur bei bestimmten Themen, wie China. Zertifikate grundsätzlich nicht", sagt er.

Die Strategie

Wir werden die "Handelsblatt"-Anlagestrategie offensiv ausrichten. Das bedeutet, unser Fokus liegt auf chancenorientierten Wertpapieren, wie beispielsweise Aktien. Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase und eines enormen Anlagedrucks halten wir Aktien und Unternehmensanleihen nach wie vor für attraktiv. Zwar sind Aktien nicht mehr günstig bewertet. Aufgrund unseres positiven Konjunkturszenarios sollten aber die Unternehmensgewinne weiter steigen und sich damit die aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnisse wieder relativieren. Wir halten die Region Europa für am interessantesten. Hier gibt es am Aktienmarkt noch Aufholpotential. Der US-Aktienmarkt ist etwas höher bewertet, allerdings sehen wir auch hier noch Potential.


Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Leider scheint diese Entwicklung aber doch nur ein Strohfeuer gewesen zu sein, denn zuletzt ging es dann doch wieder bergab – eine Trendwende sieht leider anders aus. Auch beim S&P sieht die Situation ähnlich aus – mit Wohlwollen kann zwar eine rückläufige Fallgeschwindigkeit bei den Gewinnrevisionen ausgemacht werden, jedoch ist auch hier eine Trendwende noch nicht wirklich erkennbar.

Das ist in gewisser Weise überraschend, da bei vergleichbaren Konjunkturdaten in der Vergangenheit eher positive Gewinnrevisionstendenzen vorgeherrscht haben.

Zwar waren die letzten Monate und Quartale nicht von überschäumender Konjunkturdynamik geprägt, jedoch ist die Wirtschaft sowohl in den USA als auch in Europa meilenweit von rezessiven Tendenzen entfernt, so dass kontinuierliche Enttäuschungen in der Gewinnentwicklung schwer zu erklären sind. Ein Erklärungsansatz wäre, dass in den letzten Jahren ein untypisch hohes Margenniveau erreicht wurde, das sich nicht langfristig aufrechterhalten lässt.

Eine andere Möglichkeit liegt aber auch in der Preisentwicklung. Analysten sind es seit Jahren gewohnt, in einem Umfeld normaler Inflationsraten Gewinnschätzungen vorzunehmen. Wenn nun aber die Inflationsraten systematisch tiefer liegen, werden auch die Gewinnwachstumsraten rückläufig sein müssen, was die Gewinnrevisionen der Vergangenheit zum Teil erklären könnte.

Wir haben jedoch noch nicht die Hoffnung aufgegeben, dass im Laufe des Jahres trotzdem die Talsohle bei den Gewinnschätzungen erreicht werden könnte.

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