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05.11.2014

20:03 Uhr

Musterdepots

Wenn sich Prophezeiungen selbst erfüllen

Wer regelmäßig am Aktienmarkt handelt, kommt um Börsenweisheiten und Faustregeln nicht herum. Welcher Ratschlag bei Anlegern besonders beliebt ist – und wieso sich hin und wieder ein Blick nach Österreich lohnt.

Georgios Kokologiannis Pablo Castagnola

Georgios Kokologiannis

Sollte der Dax in den kommenden Tagen seine so genannte „200-Tage-Linie“ überwinden, könnte der Aktienindex anschließend schubartig noch deutlich höher steigen als es derzeit fundamental gerechtfertigt ist. Die Chartlinie verläuft aktuell bei rund 9500 Punkten und dient vielen Investoren als Orientierungspunkt für ihre Börsenengagements.

Die Kurve beschreibt den gleitenden Durchschnittswert der Notierung in den zurückliegenden 200 Tagen und es gilt folgende Faustregel: Verkaufe wenn der Kurs eines Wertpapiers oder eines Börsenindexes unter diese Linie absinkt – und kaufe im umgekehrten Fall.

Weil die Handlungsanweisung so eingängig ist, orientieren sich auch massenhaft solche Anleger daran, für die Charttechnik sonst ein Buch mit sieben Siegeln ist. Die Folge: Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Georgios Kokologiannis

Der Redakteur

Mit Geldanlagethemen beschäftigt sich der Diplom-Kaufmann beim Handelsblatt seit über 16 Jahren - davor bereits während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und beim Finanzconsulting einer Unternehmensberatung.

Twitter: @kokologiannis

Die Strategie

"Mein Ziel ist es, eine durchschnittliche Rendite von sechs bis acht Prozent per annum zu erreichen – und das möglichst nervenschonend. Zwei Kernbestandteilen meiner Strategie: Erstens der Einsatz von Anlagezertifikaten und anderen Derivaten, mit denen sich zum einen Depotpositionen absichern lassen und die es zum anderen ermöglichen, auch von schwierigen Phasen an den Aktien- und Rohstoffmärkten zu profitieren. Zweitens arbeite ich bei risikoreicheren Engagements mit Stopp-Loss-Marken - das soll dazu beitragen, dass ich nicht zu lange an Fehlinvestitionen festhalte."

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Es gibt unzählige Beispiele dafür, dass diese Chartkurve tatsächlich oft als eine Art trendverstärkender Katalysator fungiert. Auch beim Markteinbruch Mitte Oktober, der den deutschen Leitindex überproportional erwischte, spielte die 200-Tage-Linie nach Überzeugung von Experten eine entscheidende Rolle.

Bereits Ende September hatten damals technische Analysten gewarnt, dass ein nachhaltiger Rutsch unter diesen vielbeachteten Signalgeber die Abwärtsbewegung beschleunigen und den Dax weiter fallen lassen würde – mindestens um acht Prozent bis zum damaligen Jahrestief auf dem Niveau von 8900 Zählern. Es kam noch heftiger: Erst unterhalb von 8400 Punkten endete der Absturz des Börsenbarometers.

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