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07.07.2015

20:03 Uhr

Musterdepots

Wie gewonnen, so zerronnen

An die Börsenweisheit „Sell in May and go Away” halten sich viele Anleger. In diesem Jahr wären sie besser beraten, schon im April zu verkaufen, schreibt Georgios Kokologiannis. Jetzt heißt es: Depot absichern.

Georgios Kokologiannis Pablo Castagnola

Georgios Kokologiannis

Gut beraten waren Anleger in diesem Jahr sich nicht an die Börsenregel „Sell in May an go Away“ zu halten - sondern schon einen Monat früher ihr Depot gegen Verluste zu wappnen. Trotz aller Durchhalteparolen der Berufsoptimisten befinden sich deutsche Bluechip-Aktien auf Talfahrt. Rund 1.600 Punkte hat der Dax inzwischen eingebüßt, nachdem er am 10. April sein Allzeithoch bei 12.391 Zählern markierte.

Georgios Kokologiannis

Der Redakteur

Mit Geldanlagethemen beschäftigt sich der Diplom-Kaufmann beim Handelsblatt seit über 16 Jahren - davor bereits während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und beim Finanzconsulting einer Unternehmensberatung.

Twitter: @kokologiannis

Die Strategie

"Mein Ziel ist es, eine durchschnittliche Rendite von sechs bis acht Prozent per annum zu erreichen – und das möglichst nervenschonend. Zwei Kernbestandteilen meiner Strategie: Erstens der Einsatz von Anlagezertifikaten und anderen Derivaten, mit denen sich zum einen Depotpositionen absichern lassen und die es zum anderen ermöglichen, auch von schwierigen Phasen an den Aktien- und Rohstoffmärkten zu profitieren. Zweitens arbeite ich bei risikoreicheren Engagements mit Stopp-Loss-Marken - das soll dazu beitragen, dass ich nicht zu lange an Fehlinvestitionen festhalte."

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Wer sich an die oft belächelte Börsenregel hielt, der konnte sein Portfolio diesmal aber zumindest vor einem großen Teil der seit dem Frühjahr aufgelaufenen Verluste schützen. Die gerne empfohlene breite Streuung der Aktieninvestitionen über möglichst viele Anlageregionen hinweg war dagegen wenig hilfreich: Von allen halbwegs bedeutenden Märkten konnte sich im letzten Monat des ersten Halbjahres einzig Brasilien gegen den weltweiten Negativtrend stemmen.

In den kommenden Tagen dürfte eine weitere Börsenregel auf den Prüfstand gestellt werden: Verkaufe wenn ein Wertpapier oder ein Index unter seine sogenannte 200-Tage Linie fällt. Beim Dax verläuft diese Kurve derzeit bei rund 10.600 Punkten. Sie beschreibt den gleitenden Durchschnittswert in den zurückliegenden 200 Tagen und dient vielen Investoren als Orientierungspunkt.

Weil die Handlungsanweisung so eingängig ist, orientieren sich auch massenhaft solche Anleger daran, für die Charttechnik sonst ein Buch mit sieben Siegeln ist. Die Folge: Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Rutscht der Dax unter die 200-Tage-Linie, dann dürfte es Experten zufolge noch eine Etage tiefer gehen. Selbst vierstellige Dax-Stände seien dann wieder denkbar. Wie gewonnen, so zerronnen hieße es dann mit Blick auf den zwischenzeitlich rund 27 Prozent hohen Gewinn, den der Index während der Übertreibungsphase Anfang des Jahres erzielt hatte.   

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