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26.06.2014

19:23 Uhr

Musterdepots

Zeiten von „Kaufen und Liegenlassen“ sind vorbei

Die Europäische Zentralbank hat mit ihrem negativen Einlagezins eine neue Zeit eingeleitet. Auf die müssen sich auch die Musterdepots einstellen. Von den Akteuren verlangt das neue Umfeld eine höhere Flexibilität.

Daniel Hupfer

Daniel Hupfer

Das Zinsniveau in Deutschland hat sich seit Jahresanfang nochmals deutlich verringert. Rentierten zehnjährige deutsche Staatsanleihen zu Beginn des Jahres noch bei knapp zwei Prozent, liegt die aktuelle Rendite mittlerweile bei unter 1,3 Prozent. Nach Steuern und Kosten können Anleger also hiermit noch nicht einmal mehr die Inflation ausgleichen, die in Deutschland zuletzt bei 0,9 Prozent gelegen hat. Ein Blick auf deutsche Pfandbriefe und Unternehmensanleihen mit guter Bonität verbessert die Situation kaum, auch bei diesen Papieren sind die Renditen nahezu unattraktiv geworden.

Daniel Hupfer

Der Anleger

Daniel Hupfer arbeitet für M.M.Warburg. "Wir präferieren die Direktanlage, das heißt im Wesentlichen kaufen wir Aktien und Anleihen, Fonds nur bei bestimmten Themen, wie China. Zertifikate grundsätzlich nicht", sagt er.

Die Strategie

Wir werden die "Handelsblatt"-Anlagestrategie offensiv ausrichten. Das bedeutet, unser Fokus liegt auf chancenorientierten Wertpapieren, wie beispielsweise Aktien. Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase und eines enormen Anlagedrucks halten wir Aktien und Unternehmensanleihen nach wie vor für attraktiv. Zwar sind Aktien nicht mehr günstig bewertet. Aufgrund unseres positiven Konjunkturszenarios sollten aber die Unternehmensgewinne weiter steigen und sich damit die aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnisse wieder relativieren. Wir halten die Region Europa für am interessantesten. Hier gibt es am Aktienmarkt noch Aufholpotential. Der US-Aktienmarkt ist etwas höher bewertet, allerdings sehen wir auch hier noch Potential.


Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Wir investieren in unserer Portfoliostrategie aber dennoch in Anleihen, da es in einigen Bereichen gute Opportunitäten gibt. Im Falle des iShares Barclays Spain Treasury ETF und der Portugal-Anleihe konnten wir von der Erholung der europäischen Peripherie profitieren. Darüber hinaus kaufen wie sehr selektiv Anleihen von Unternehmen mit weniger guter Bonität bzw. von Unternehmen, die nicht geratet sind, wie zum Beispiel Hochtief. Diese Anleihen stehen allerdings täglich auf dem Prüfstand, die Zeiten von „Kaufen und Liegenlassen“ sind unseres Erachtens auch im Anleihebereich vorbei.

Die Europäische Zentralbank hat Anfang Juni beschlossen, den Leitzins auf 0,15 Prozent zu reduzieren. Mutig ist die EZB, weil mit dem negativen Einlagezins, der Vorbereitung für den Ankauf von Asset Backed Securities (darunter versteht man verbriefte und besicherte Kredite) und neuen gezielten langfristigen Refinanzierungsgeschäften, die bis 2018 laufen, geldpolitisches Neuland betreten wird. Diese Maßnahmen sind nicht frei von Risiken, weil im Vorhinein nicht klar ist, ob sie den gewünschten Erfolg bringen werden. Aber nicht zu handeln, wäre unseres Erachtens die schlechtere Alternative gewesen. Die neuen Inflationsprognosen der EZB deuten darauf hin, dass die Zinsen sogar noch länger niedrig bleiben werden als bislang erwartet wurde und eine erste Zinserhöhung frühestens 2017 kommen wird. Von daher müssen sich Anleger darauf einstellen, dass die Zinsen sehr niedrig bleiben werden – oder sogar noch weiter sinken.

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