Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.06.2014

17:27 Uhr

Musterdepots zum Halbjahr

„Der Superzyklus wird weitergehen“

VonGeorgios Kokologiannis

Zum Halbjahr stehen alle drei Musterdepots satt im Plus – eine erfreuliche Bilanz. Was die Börsenaussichten betrifft, sind sich die Anlagestrategen allerdings uneins. Klar ist aber: Pessimisten sind in der Unterzahl.

Alexander Kovalenko

Alexander Kovalenko

DüsseldorfUneinigkeit über die weiteren Aussichten an den Börsen herrscht bei den Betreuern der Handelsblatt-Musterdepots: Während der Portfolioverantwortliche für das Redaktionsdepot davor warnt, dass die Luft an den Aktienmärkten dünner wird, sehen die beiden externen Anlageprofis weiter Potenzial bei Dividendentiteln.

„Wir gehen davon aus, dass der Superzyklus bei den Aktien mittel- und vor allem langfristig weiterlaufen wird“, sagt Alexander Kovalenko vom Vermögensverwalter Bayerische Vermögen, der das „Social-Trading-Depot“ steuert. Nur selten sei die Kombination aus makroökonomischen Umfeld und Attraktivität der Dividendentitel im Vergleich zu anderen Anlagealternativen so vielversprechend gewesen, findet der Analyst.

„Selbstverständlich kann es dabei zwischendurch Schwankungen geben“, ergänzt Kovalenko. Das eigentliche Risiko stelle im aktuellen Umfeld jedoch nicht die kurzfristige Volatilität auf dem Aktienmarkt dar – die auch ziemlich heftig ausfallen könne – sondern das „Nicht-in Aktien-Investiert-Sein“.

Alexander Kovalenko

Der Anleger

Alexander Kovalenko arbeitet für Bayerische Vermögen. „Wir machen normalerweise keine Prognosen, weil es aus unserer Sicht eher wenig Sinn macht“, sagt er. „Wir können nur sagen, dass die Aktien für uns aktuell eine stark bevorzugte Anlageklasse darstellen, und hier vor allem die (süd)europäischen Aktien, die noch deutlich unter ihrem Fair-Wert gehandelt werden. Dazu kommt eine Dividendenrendite von durchschnittlich etwa drei Prozent. Bei Aktien sehen wir also trotz eventuellen und sogar eher wahrscheinlichen Korrekturen ein sehr attraktives Chance/Risiko-Profil!“

Die Strategie

Das Social-Trading-Depot versteht sich als Kombination eines langfristig orientierten Kernportfolios und der innovativen Anlageform des Social Trading. Einen Anteil von 60 bis 70 Prozent bildet ein Aktienportfolio, das einen Value-Ansatz verfolgt: Es wird in zehn bis 15 stark unterbewertete Einzeltitel aus dem breiten europäischen Aktienmarkt investiert, wobei die Selektion der Einzeltitel mittels Analyse der Fundamentalkriterien beziehungsweise der Bilanzdaten erfolgt. Der Social-Trading-Anteil beträgt zwischen 30 und 40 Prozent und wird in wikifolio-Indexzertifikate investiert: Diese bilden unterschiedliche Strategien von Top-Tradern auf wikifolio.com ab. Das Social-Trading-Depot soll in der Regel voll investiert sein. Der Anlagehorizont ist mittel- bis langfristig ausgerichtet und sieht nur selten Umschichtungen vor. Betreut wird das Social-Trading-Depot von Bayerische Vermögen AG.

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Ähnlich beurteilt die Lage sein Kollege Daniel Hupfer von M.M. Warburg, der das „Privatbank-Depot“ managt: „Insgesamt bleiben die Aussichten für risikobehaftete Anlageklassen trotz möglicher Korrekturen gut“, sagt der Fachmann. „Alles in allem – und das ist die entscheidende Botschaft – wächst die globale Wirtschaft, wenn auch verhalten“, so Hupfer.

Skeptischer zeigt sich Georgios Kokologiannis, der das Redaktionsdepot des Handelsblatts verantwortet: Bedenklich findet er, dass sich die Aktienkurse zuletzt immer extremer von fundamentalen Wirtschaftsdaten abkoppeln:

„Die Dax-Konzerne etwa sind mittlerweile mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18,3 bewertet – eine Überbewertung von knapp zwei Dritteln bezogen auf das durchschnittliche KGV der vergangenen zehn Jahre, das bei 11,3 liegt“, erklärt der Finanzredakteur. Seit 2010 aber gelänge es den Dax-Firmen unterm Strich nicht mehr, nennenswerte Zuwächse der Ergebnisse je Aktie zu erreichen. Das berge wachsende Abwärtsrisiken am Aktienmarkt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×