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18.05.2017

16:26 Uhr

Musterdepots

„Zwei oder drei schwache Börsentage reichen nicht“

Drei Manager, drei Konzepte, drei Portfolios: Die Musterdepots zeigen, wie man mit Timing und Strategie den Markt schlagen kann. Stratege Ulf Sommer hat eine andere Erklärung für die aktuellen Kursverluste.

Ulf Sommer, Alexander Kovalenko und Sönke Niefünd.

Die Handelsblatt-Musterdepots und ihre Manager

Ulf Sommer, Alexander Kovalenko und Sönke Niefünd.

Ulf Sommer, Handelsblatt

So wie am Mittwoch sehen Korrekturen aus: Plötzlich fallen die Kurse – und die Erklärungen folgen prompt: Trump, die Enthüllungen über den US-Präsidenten und noch mal Trump. Kleiner Schönheitsfehler: Diese Belastungsfaktoren gab es vorher auch schon, ohne dass die Kurse fielen. Die bessere Erklärung lautet deshalb: Anleger realisieren ihre Gewinne. Denn erst beim Verkauf von Aktien werden aus Depotgewinnen wirkliche Gewinne. Wir warten damit noch und wollen erst wissen, ob eine Trendwende bevorsteht. Zwei oder drei schwache Börsentage reichen dafür noch nicht.

Ulf Sommer

Der Redakteur

Mit den Finanzmärkten, der Geldanlage und branchenübergreifenden Unternehmensthemen wie Dividenden, Aktienrückkäufe und vor allem Bilanzkennzahlen beschäftigt sich der promovierte Historiker beim Handelsblatt seit über 15 Jahren.

Die Strategie

Das Kapital wird kurzfristig nicht gebraucht. Es dient vielmehr der Altersvorsorge, dem späteren Studium der Kinder oder dem Kauf eines Hauses im Rentenalter. Deshalb steht nicht der kurzfristige Werterhalt um jeden Preis, sondern die langfristige Mehrung des Kapitals im Fokus. Verlustzeiten sind schmerzhaft, können aber ausgesessen werden. Zur Auswahl stehen Einzelaktien, Aktien-Indizes in Form von Zertifikaten, Gold, große Währungen wie Euro, Dollar und Yen sowie Hebel-Zertifikate. Mit ihnen eröffnet sich die Möglichkeit, auf stark steigende oder fallende Märkte zu spekulieren. Anleihen scheiden bis auf weiteres auf Grund aus, weil die Zinsen und Renditen zu unattraktiv sind.

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Ulf Sommer hat allerdings zum 6. März 2017 das Depot von Handelsblatt-Redakteur Georgios Kokologiannis übernommen. Den Kommentatoren steht es frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Alexander Kovalenko, Bayerische Vermögen

An diesem Mittwoch gerieten die internationalen Börsen unter erheblichen Druck. Vor allem die amerikanischen Aktienmärkte mussten erhebliche Kursverluste hinnehmen. Eine derartige kurzfristige Volatilität hat jedoch keinen Einfluss auf unsere langfristige Anlagestrategie. Die Investitionsquote des Aktienkernportfolios wird modellbasiert von unserem langfristig ausgelegten Wertsicherungssystem gesteuert. So schließen wir diskretionäre Entscheidungen und emotionales Handeln in den volatilen Zeiten aus. Bei den Ziel-Wikifolios steuern die jeweiligen Portfoliomanager die Liquiditätsquote.

Alexander Kovalenko

Der Anleger

Alexander Kovalenko arbeitet für Bayerische Vermögen. „Wir machen normalerweise keine Prognosen, weil es aus unserer Sicht eher wenig Sinn macht“, sagt er. „Wir können nur sagen, dass die Aktien für uns aktuell eine stark bevorzugte Anlageklasse darstellen, und hier vor allem die (süd)europäischen Aktien, die noch deutlich unter ihrem Fair-Wert gehandelt werden. Dazu kommt eine Dividendenrendite von durchschnittlich etwa drei Prozent. Bei Aktien sehen wir also trotz eventuellen und sogar eher wahrscheinlichen Korrekturen ein sehr attraktives Chance/Risiko-Profil!“

Die Strategie

Das Social-Trading-Depot versteht sich als Kombination eines langfristig orientierten Kernportfolios und der innovativen Anlageform des Social Trading. Einen Anteil von 60 bis 70 Prozent bildet ein Aktienportfolio, das einen Value-Ansatz verfolgt: Es wird in zehn bis 15 stark unterbewertete Einzeltitel aus dem breiten europäischen Aktienmarkt investiert, wobei die Selektion der Einzeltitel mittels Analyse der Fundamentalkriterien beziehungsweise der Bilanzdaten erfolgt. Der Social-Trading-Anteil beträgt zwischen 30 und 40 Prozent und wird in wikifolio-Indexzertifikate investiert: Diese bilden unterschiedliche Strategien von Top-Tradern auf wikifolio.com ab. Das Social-Trading-Depot soll in der Regel voll investiert sein. Der Anlagehorizont ist mittel- bis langfristig ausgerichtet und sieht nur selten Umschichtungen vor. Betreut wird das Social-Trading-Depot von Bayerische Vermögen AG.

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Sönke Niefünd, Otto M. Schröder Bank

Cisco Systems hat für das dritte Quartal des Geschäftsjahres einen gestiegenen Nettogewinn von 2,5 Milliarden Dollar bekanntgegeben, schafft es jedoch nicht, den Umsatz zu steigern. Dieser sank zum wiederholten Male, auch für das kommende Quartal wird keine Besserung erwartet. An der Wall Street wurde diese Aussicht abgestraft, der Kurs sank nach Börsenschluss um mehr als acht Prozent. Wir halten dies für nicht gerechtfertigt und denken über Zukäufe im Musterdepot nach. Gemessen an Nachhaltigkeitskriterien ist Cisco eines der weltweit wertvollsten Unternehmen.

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Kommentare (1)

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Frau Edelgard Kah

18.05.2017, 17:40 Uhr

Sehr geehrter Herr Sommer,

zwei oder drei Verlusttage, markieren für Sie noch keine Trendwende. Diese Sicht ist Ihr gutes Recht. Aber Sie müssen sich schon fragen lassen, wie Sie eine Trendwende überhaupt erkennen. Brauchen Sie dazu vielleicht 20 - 30 Verlusttage oder gar ein paar Hundert?

Und wie wäre es, wenn Sie bei der Frage nach einer Trendwende für einen Augenblick die Kurse völlig ausblenden und sich einmal die politischen und wirtschaftlichen Veränderungen ansehen? Ihr Blatt berichtet nicht erst seit heute über die Befürchtungen der amerikanischen Anleger, dass Trump nicht mehr die politische Kraft hat, seine wirtschaftspolitische Agenda durchzusetzen.

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