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31.01.2017

15:06 Uhr

Mythos oder Wahrheit?

Die Deutschen sparen sich ärmer

VonJessica Schwarzer

Die Inflation in der Euro-Zone zieht kräftig an, doch die Zinsen bleiben niedrig. Für Sparer ist das ein Problem: Ihr Vermögen ist langfristig weniger wert. Zudem haben sie einen wichtigen Verbündeten verloren.

Die Deutschen sparen viel, aber legen ihr Geld nicht gut an. dpa

Sparschwein

Die Deutschen sparen viel, aber legen ihr Geld nicht gut an.

DüsseldorfDie Zinsen sind zwar mehr oder weniger abgeschafft, doch die Deutschen bunkern ihre Billionen weiterhin lieber auf Sparkonten. Das halten sie für sicher, im Gegensatz zur Börse. Dort können die Kurse schließlich massiv schwanken. Eine besonders kluge Anlageentscheidung ist das nicht, auch wenn der Reichtum der Bundesbürger auf dem Papier steigt.

Dabei heißt es doch oftmals: „Die Deutschen sparen sich ärmer.“ Ein Mythos oder Wahrheit? Geht das überhaupt? Leider ja. Nämlich eben dann, wenn die Inflation ins Spiel kommt.

Ulrich Kater bringt das Problem auf den Punkt: „Wenn die Deutschen sparen, dann meinen sie, mit dem Einzahlen aufs Sparkonto sei der Job getan“, sagt der Chefvolkswirt der Dekabank. „Das war schon falsch zu Zeiten, als es noch Zinsen gab.“ Denn der Sparer gibt sich gern mit Zinsen zufrieden, ohne danach zu fragen, ob sie denn höher sind als die Inflation. Denn erst dann bleibt das Kapital erhalten. „Schwindende Kaufkraft der Ersparnis – die Fachleute sagen: ein negativer Realzins – gab es bereits oft in den letzten Jahrzehnten“, so Kater.

Die schlechtesten Anlagen 2016

Sparbuch

Seit Jahren lässt sich mit dem Sparbuch nichts mehr verdienen. So war es auch 2016. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro anlegt hat einen Gewinn von gerade mal 50 Euro – entsprechend von 0,05 Prozent gemacht. Immerhin verloren Anleger aber zumindest nominal – also ohne Berücksichtigung der Inflation – auch nichts.

Alle Angaben ohne Transaktionskosten. Stand 30.12.2016

Mexikanischer Peso

Dem mexikanischen Peso – dem zweitgrößten Verlierer der Hauptwährungen zum Euro – machte der Wahlsieg von Donald Trump zum US-Präsidenten zu schaffen. Kein Wunder, die USA sind Mexikos wichtigster Handelspartner, doch Trump will den Handel massiv besteuern und die Grenzen zu Mexiko dichter machen- auch wenn zuletzt vom dem im Wahlkampf propagierten Mauerbau nichts mehr zu hören war. Wer zu Jahresbeginn 100.000 Euro in mexikanischen Peso anlegt, verfügte Ende des Jahres jetzt nur noch über 89.510 Euro.

Britisches Pfund

Das knappe Votum der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union schockte am 24. Juni Europa die ganze westliche Welt. Der britische Aktienmarkt erholte sich – wie auch andere europäische Börsen – von dem Schock zwar recht schnell und legte zweistellig zu. Doch das britische Pfund selbst steht weiter unter massivem Druck. Zum Euro hat es in diesem Jahr gut 13 Prozent verloren und damit so viel wie keine andere Hauptwährung. Aus 100.000 in Pfund investierten Euro wurden so nur noch 86.980 Euro.

Aktien China

Der Entwicklung der chinesischen Wirtschaft verunsichert Anleger weltweit seit anderthalb Jahren. Das spiegelt sich auch der Börse wider. Der Leitindex CSI 300, der die 300 größten Aktien Festlandchinas erfasst, verlor über elf Prozent. Da gleichzeitig der Yuan zum Euro weiter abwertete, bleiben Anlegern die 100.000 Euro in den Index investiert haben, nur 85.450Euro übrig.

Aktien Ägypten

In Ägypten gab die Zentralbank den Wechselkurs im November frei, das ägyptische Pfund stürzte ab. Der ägyptische Leitindex EGX 30 gewann zwar über 70 Prozent - Euro Anleger hatten aber am Jahresende von 100.000 investierten Euro nur noch 79.570 Euro übrig.

Aktien Ghana

Der Aktienindex der ebenfalls sehr kleinen Börse in Ghana, verlor ebenfalls stark. Von 100.000 Euro bleiben nur 77.840 Euro übrig. Die agrarisch strukturierte Wirtschaft des als Musterdemokratie auf dem Kontinent geltenden Landes, schrumpft. Das Land ist stark vom Export von Rohstoffen wie Gold, Öl, Kakao und Edelhölzern abhängig. Dabei steigen zwar im vergangenen Jahr viele Rohstoffpreise, doch der Kakaopreis brach um fast ein Drittel ein.

Aktien Nigeria

Deutsche Anleger, die 2016 an der kleinen nigerianischen Börse 100.000 Euro investierten, hatten Ende des Jahres nur noch 61.390 Euro auf dem Konto. Das lag vor allem daran, dass die Währung Naira im Sommer einbrach, nachdem die Zentralbank die Anbindung der heimischen Währung an den Dollar aufgab.

In den vergangenen Jahren hieß es häufig, die niedrigen Zinsen seien kein allzu großes Problem, weil die Inflation ebenfalls homöopathisch dosiert war. Doch das hat sich mittlerweile geändert. Die Inflation steigt, in Deutschland so stark wie seit Juli 2013 nicht mehr. Im Januar legten die Verbraucherpreise um 1,9 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Daten am Montag mitteilte. Im Dezember lag die Teuerungsrate noch bei 1,7 Prozent. Insbesondere der anziehende Ölpreis sorgte dafür, dass sich die Lebenshaltungskosten hierzulande erhöhten. Auch Nahrungsmittel erwiesen sich als Kostentreiber.

„Die Zeit der niedrigen Inflationsraten ist in Deutschland passé“, ist Ulrike Kastens, stellvertretende Leiterin Volkswirtschaft von Sal. Oppenheim, überzeugt. „Der höhere Ölpreis wird die deutsche Inflationsrate auch in den kommenden Monaten weiter über die Zwei-Prozent-Marke katapultieren.“ Doch dies seien nur temporäre Effekte, denn trotz guter Konjunktur und Lohnsteigerungen sei der Preiswettbewerb in Deutschland sehr hoch, was den Preisauftrieb generell begrenzen würde. Für das Gesamtjahr rechnet die Expertin zwar mit einer Inflationsrate von 1,8 Prozent, eine weitere Beschleunigung darüber hinaus prognostiziert sie aber nicht.

Die Europäische Zentralbank strebt mittelfristig eine Teuerungsrate von knapp zwei Prozent in den Staaten der Währungsgemeinschaft an. Dass der Wert nun in der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone annähernd erreicht wurde, ist Wasser auf die Mühlen der Gegner einer lockeren Geldpolitik. Bundesbankchef Jens Weidmann hat mit Blick auf die anziehende Teuerungsrate bereits laut über eine Abkehr von der laxen geldpolitischen Linie der EZB nachgedacht. Die EZB will damit die Konjunktur beflügeln und die unerwünscht niedrige Inflationsrate nach oben treiben.

Die Verbraucherpreise im Euro-Raum sind zum Jahresstart auf Grund gestiegener Energiekosten so stark nach oben geschnellt wie seit rund vier Jahren nicht mehr. Im Januar kosteten Waren und Dienstleistungen im Schnitt 1,8 Prozent mehr als vor Jahresfrist, wie das Statistikamt Eurostat am Dienstag mitteilte. Hauptgrund des Anstiegs waren die Energiepreise, die um kräftige 8,1 Prozent zulegten. Das Opec-Kartell und andere Förderländer hatten sich auf eine Produktionskürzung geeinigt, wodurch der Rohölpreis anzog. Unverarbeitete Lebensmittel verteuerten sich um 3,3 Prozent, Dienstleistungen um 1,2 Prozent.

Kommentare (28)

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Account gelöscht!

31.01.2017, 15:34 Uhr

Vielleicht spart man auch, weil man eine Reise, ein Auto oder sonst was nicht so einfach aus der Portotasche wie die Politiker oder Medienangestellten zahlen kann?!

Herr Hans-Jörg Griesinger

31.01.2017, 15:35 Uhr

Wer sind „DIE DEUTSCHEN“ @ Handelsblatt?
40 % der Gesamtbevölkerung haben doch gar keine nennenswerten Vermögenswerte, geschweige denn hohe Sparvermögen.
Warum formuliert ihre Redaktion die Artikel mit solchen manipulativ wirkenden, falschen Überschriften?
Ein Teil der deutschen Bevölkerung, welche überhaupt noch über freie Kapitalmittel zum Ansparen verfügen ... so müsste eine wahrheitsgemäß richtige Überschrift lauten.
Warum verallgemeinert ihr mit „DIE DEUTSCHEN“?
Das ist schlechter unseriöser Journalismus!

Frau Annette Bollmohr

31.01.2017, 15:36 Uhr

Das Problem fängt schon damit an, dass viele Menschen offenbar glauben, dass Geld ein Wert an sich sei, d.h. dass es quasi einen absoluten Wert habe. Deshalb haben sie auch solche Angst vor Inflation. Dabei handelt es sich bei Geld im Grunde nur um bedrucktes Papier oder sich ständig ändernde Zahlen auf einem Display, mit denen ständig gearbeitet wird. Stellt sich natürlich die Frage: Wer arbeitet damit, und vor allem: wer stellt dabei die Regeln auf?

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