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07.03.2017

16:12 Uhr

Mythos oder Wahrheit

Die Dividende als Weg aus der Zinsfalle?

VonJessica Schwarzer

Dax-Firmen verwöhnen Aktionäre mit Ausschüttungen von über 30 Milliarden Euro. Die Dividendenrendite liegt bei fast drei Prozent. Von diesen Renditen können Anleihebesitzer nur träumen. Sind Dividenden die neuen Zinsen?

Die Zinsen sind abgeschafft, aber die Dividenden sprudeln. dpa

Münzen und Scheine

Die Zinsen sind abgeschafft, aber die Dividenden sprudeln.

DüsseldorfFlossen früher in regelmäßigen Abständen ein paar hübsche Sümmchen auf die Konten von Sparern, sind es heute eher Cent-Beträge. In Zeiten von Niedrigst- und sogar Nullzinsen ist es vorbei mit den regelmäßigen und vor allem nennenswerten Erträgen, die das Ersparte abwarf. Ausschüttungsstarke Aktien können ein Ausweg sein. Sie werden nicht umsonst immer wieder als Alternative genannt. „Dividenden sind die neuen Zinsen“, heißt es dann oft. Aber stimmt das überhaupt, oder gehört diese Aussage ins Reich der Mythen?

Wahrheit oder Mythos? Ganz klar: Mythos! Oder wie es Chris-Oliver Schickentanz, Chefanlagestratege der Commerzbank, formuliert: „Dieser Spruch ist ein netter Marketing-Gag, um Anleger für Dividendenfonds und Vergleichbares zu begeistern.“ Er ist nicht der einzige Banker, der das so sieht. Auch für Ralf Zimmermann vom Bankhaus Lampe ist das ein „hübsches Marketing-Argument pro Aktie“.

Trotzdem kann er diesem Argument einiges abgewinnen. „Es hat einen wahren Kern, aber Anleger sollten sich der Einschränkungen bewusst sein“, sagt der Anlagestratege. Richtig sei, das risikofreie Anleihen mit Zinsen von gerundet null Prozent nicht attraktiv seien und offensichtlich nicht geeignet seien, das Vermögen nominal, geschweige denn real – also nach Abzug der Inflation – zu mehren.

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Richtig sei auch, dass die Dividendenrendite der Dax-Werte mit 2,7 Prozent deutlich höher sei als die Zinsen deutscher Staats- aber auch vieler Unternehmensanleihen – während bis Ende 2008 deutsche Anleihen immer einen Renditevorsprung gegenüber Aktien geboten hätten. „Aktien bieten demnach eine höhere Ertragschance als Anleihen. So weit, so gut“, sagt Zimmermann. „Allerdings flüstert das Argument auch eine nicht vorhandene Sicherheit ein, die viele Anleger mit dem Begriff ‚Zinsen‘ verbinden.“

Und genau da liegt das Problem: Natürlich sind Aktien keine Anleihen, sie haben ein ganz anderes Risikoprofil. Die optisch attraktive Dividende kann bereits in ein oder zwei Handelstagen weg sein. „Wer am 30. Dezember 2015 den Dax gekauft hat, lag mit seinem Investment die ganze Zeit bis August 2016 hinten, zwischenzeitlich rund 16 Prozent“, rechnet Zimmermann vor. „Erst nach der US-Wahl im November hat sich Blatt gewendet.“ Das heißt: Aktien schwanken, es gibt zwar eine höhere Renditechance als mit Anleihen – aber eben auch ein höheres Risiko. „Wer dies nicht aushalten kann oder möchte, sollte sich Aktien nur sehr dosiert nähern“, sagt Anlageexperte. „Allerdings zahlt man einen Preis: die Rendite ist kümmerlich.“

Kommentare (3)

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Frau Edelgard Kah

07.03.2017, 16:53 Uhr

Sehr geehrte Frau Schwarzer,

"Renditechance spricht für Aktien" titeln Sie. Niemand bestreitet, dass dies auf sehr lange Sicht tatsächlich gilt. Aber zu dieser "sehr langen Sicht" meinte der englische Nationalökonom John Meynard Keynes "In the long run, we are all dead".

Wenn wir über Rendite- oder Verlustchancen reden, ist vielleicht der wichtigste Gesichtspunkt, dass die Börse keine Gleichgewichtslage kennt, sondern ständig über- oder untertreibt. Unvorstellbar gewaltig über- oder untertreibt. Deshalb hängt die Gewinn- oder Verlustchance sehr stark davon ab, in welcher Börsenphase man einsteigt.

Baron v. Fink

07.03.2017, 18:23 Uhr

Nur 3% in diesem Lande sind nicht nur die Renten schlecht sondern die Renditen sogar skandalös schlecht. Wovon soll der Investor Arbeitsplätze schaffen, von nebbich 3% mit lauwarmer Wurst zum abnehmen. Kein Wunder das halb Europa arbeitslos ist oder der Mob sich sein Geld am Amt abholen muss. Ein Herr trump muss her, die Steuern senken, die Zölle erhöhen, den Prolos Arbeit geben und die Kest für die Finken abschaffen. Ha Ha Ha

Herr Michael Feiß

08.03.2017, 09:20 Uhr

Mir ist nicht ganz klar bzw. es wird nich klar dargestellt ob sich die genannte Rendite auf den Nominalwert oder den Handelswert der Aktien bezieht. Interessant wäre mal ein Vergleich verschiedener Aktien, wobei im Sinne eiens "Zinseinkommens" eigentlich nur die auf den Handelswert bezogene Rendite relevant ist.

Interessant ist auch dass die Aussicht auf Rendite/Dividenden als Lohn für eine Unternehmensfinanzierung bzw. eigentlich Unternehmensbeteiligung ja das Prinzip der Aktie ist - die Aussicht auf Wertsteigerung ist eigentlich ein Nebeneffekt, der heute leider zum Haupteffekt geworden ist.

Neben Aktien gab es früher auch mal für die Beteiligung an Bergwerksgesellschaften (konkrete Gesellschaftsform bergrechtliche Gewerkschaft) - sogenannte Kuxe - im Prinzip wie Aktien und es gab nicht nur Dividenden wenn es gut lief, aber wenn es schlecht lief - also Verluste gemacht wurden oder aus anderen Gründen dringender Kapitalbedarf bestand, etwa um einen zusätzlichen Schacht abzuteufen, bestand Zubußepflicht - also Geld nachschießen.

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