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25.08.2014

09:46 Uhr

Nach Draghi-Rede

Rendite auf Rekordtief in Italien und Spanien

Die Rede von EZB-Präsodent Draghi zur zieht weitere Kreise: Italienische und spanische Anleihen fallen auf ein Rekordtief. Draghi will eine niedrigere Inflation in der Euro-Zone unter allen Umständen durchsetzen.

Fed-Vorsitzende Janet Yellen (r.) und EZB-Präsidentin Mario Draghi in Jackson Hole: Italien und Spanien spüren die Auswirkungen bereits. ap

Fed-Vorsitzende Janet Yellen (r.) und EZB-Präsidentin Mario Draghi in Jackson Hole: Italien und Spanien spüren die Auswirkungen bereits.

Im Euroraum verbuchten insbesondere italienische und spanische Anleihen Kursgewinne, ihre Renditen fielen auf Rekordtiefs nach einem Kommentar von Mario Draghi. Die Rendite von zehnjährigen italienischen Anleihen fiel bis auf 2,499 Prozent und damit den tiefsten Stand seit Bloomberg mit der Erhebung der Daten 1993 begann. Spanische Bonds mit zehn Jahren Laufzeit rentierten im Tagestief bei 2,3 Prozent.

Der EZB-Präsident hatte am 22. August in einer Rede auf der Zentralbankkonferenz in Jackson Hole, Wyoming, gesagt, dass die Erwartungen zur Preisentwicklung im Euroraum „erhebliche Rückgänge” aufwiesen. Er signalisierte damit, dass die Währungshüter sich näher in Richtung quantitative Lockerung bewegen.

Das Ende der Eurokrise?

Was bedeutet der Schritt Lissabons für die Eurozone?

Es ist ein Indiz, dass sich die Finanzlage im gemeinsamen Währungsgebiet erheblich beruhigt hat. Länder im Süden des Kontinents können sich zur Zeit zu sehr günstigen Konditionen an den Finanzmärkten Geld leihen.

Lissabon will keine Übergangshilfen mehr. Ist das realistisch?

Ja. Die EU-Kommission, die in der Troika vertreten ist, unterstützt den Beschluss für einen „sauberen Ausstieg“ ausdrücklich. „Das sorgt für eine bessere Stimmung und Vertrauen von (Finanz-)Investoren“, lautet die Devise des verantwortlichen EU-Vize-Kommissionspräsidenten Siim Kallas.

Das Vertrauen kehrt also in die Eurozone zurück?

Ja. Aber dies hat vor allem zwei Gründe. Da ist zunächst die Europäische Zentralbank (EZB). Die Notenbank versprach, den Euro um jeden Preis zu retten. EZB-Patron Mario Draghi ist auch bereit, gegen die niedrige Inflation sowie gegen die Deflation zu kämpfen. Deflation ist ein umfassender Preisverfall, der die Konjunktur ausbremsen kann.

Was ist der andere Grund?

Angesichts von Turbulenzen bei aufstrebenden Wirtschaftsriesen in Asien oder Südamerika gilt Europa wieder als ein „sicherer Hafen“ für Anleger. Aus Russland gibt es wegen der Annexion der Krim einen bedeutenden Kapitalabfluss. Nach Moskauer Schätzungen waren es allein im ersten Vierteljahr rund 50 Milliarden Euro. Von internationalen Kapitalströmen profitiert auch der krisengeschüttelte europäische Süden.

Wie ist die Lage in Griechenland?

Griechenland hat die schwere Rezession überwunden und wird wieder wachsen. Das soll auch dem angespannten Arbeitsmarkt zugutekommen. Jeder Vierte ist dort ohne Job. Athen erzielte 2013 erstmals seit langem einen Haushaltsüberschuss - ausgeblendet sind dabei jedoch der Schuldendienst und Kapitalspritzen an Banken.

Braucht Athen ein neues Rettungspaket?

Die griechische Koalitionsregierung ist dagegen. Finanzminister Ioannis Stournaras strebt aber an, Zahlungsfristen für die Hilfskredite weiter zu strecken, um dem Land Luft zu verschaffen. Entscheidungen der Eurogruppe wird es voraussichtlich erst im Herbst geben. Ende des Jahres läuft das Griechenland-Programm von europäischer Seite aus.

Wie sieht es in Zypern aus?
Viele wollen das Kapitel „Eurokrise“ abschließen. Ist das gerechtfertigt?

Nein. Es sind nach dem Willen der Brüsseler Währungshüter weitere Reformen in vielen Ländern der Eurozone nötig, um die Erholung dauerhaft abzusichern. Nach der Krise steigen die Schuldenberge der 18 Euro-Mitgliedstaaten im laufenden Jahr sogar weiter an - um einem Punkt auf 96 Prozent der Wirtschaftsleistung. In Griechenland wächst beispielsweise der staatliche Schuldenberg um zwei Punkte auf 177 Prozent. Erlaubt sind höchstens 60 Prozent. Für Entwarnung ist es also viel zu früh, sagen die Experten.

„Der EZB-Rat nimmt diese Entwicklungen zur Kenntnis und wird innerhalb seines Mandats alle zur Verfügung stehenden Instrumente nutzen, um die Preisstabilität mittelfristig zu gewährleisten”, sagte Draghi auf dem jährlichen Symposium der Federal Reserve Bank of Kansas City.

Zehnjährige Bundesanleihen rentierten bei 0,96 Prozent zwei Basispunkte niedriger. Am Terminmarkt zog der Bund-Future um 35 Basispunkte auf 150,62 Prozent an. Die Rendite von US-Bonds mit zehn Jahren Laufzeit gab um einen Basispunkt auf 2,39 Prozent ab. Am Primärmarkt will Deutschland im Tagesverlauf 2 Mrd. Euro über unverzinsliche Schatzanweisungen mit zwölf Monaten Laufzeit aufnehmen. Frankreich plant bis zu 8 Mrd. Euro über Papiere mit Laufzeiten von 84, 147 und 357 Tagen zu beschaffen.

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