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12.06.2014

13:40 Uhr

Nach Entscheidungen

EZB sieht keine Deflationsgefahr im Euroraum

Die EZB glaubt fest an einen Anstieg der Teuerungsrate und sieht damit keine Gefahr für eine Deflation im Euroraum. Die niedrige Inflationsrate sei nur das Ergebnis von sinkenden Preisen und politischen Reformen.

Die EZB sieht trotz der niedrigen Inflation weiter keinen Anlass, eine Deflation in der Euro-Zone zu befürchten. dpa

Die EZB sieht trotz der niedrigen Inflation weiter keinen Anlass, eine Deflation in der Euro-Zone zu befürchten.

Trotz der extrem niedrigen Inflation sieht die Europäische Zentralbank (EZB) weiterhin keine Deflationsgefahren im Euroraum. Zwar werde der Preisdruck für einen längeren Zeitraum gedämpft bleiben, insgesamt werde die Teuerungsrate aber schrittweise ansteigen, erklärten die Währungshüter in ihrem am Donnerstag in Frankfurt veröffentlichten Monatsbericht.

Bei einer Deflation sinken die Preise quer durch alle Warengruppen. Verbraucher kaufen in Erwartung weiter sinkender Preise nicht mehr ein, Unternehmen stellen Investitionen zurück. Das würgt die Konjunktur ab.

Reaktionen auf die EZB-Entscheidung

Otmar Lang, Chefvolkswirt Targobank

Eines ihrer wichtigsten Ziele, nämlich die Banken zu einer großzügigeren Kreditvergabe an die Wirtschaft zu bewegen, hat die EZB bislang nicht erreicht. Zum anderen erreichen die europäischen Aktienmärkte - insbesondere der Dax - befeuert durch die niedrigen Zinsen Woche für Woche neue Höchststände. Diese Entwicklung ist jedoch nicht durch die konjunkturelle Entwicklung in Europa unterlegt. Insbesondere für europäische Aktien sehe ich daher die Gefahr für eine Blasenbildung. Last but not least existiert derzeit auch keine wirkliche Deflationsgefahr, die extreme Maßnahmen rechtfertigen würde. Die heutige Entscheidung der EZB geht daher zu weit.

Ulrich Wortberg, Analyst Heleba

Die EZB hat die Markterwartungen mit der Zinssenkung erst einmal erfüllt. Große Überraschungen gab es nicht, von daher wundert es mich, dass der Euro jetzt nachgibt. Nun richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Pressekonferenz mit EZB-Chef Mario Draghi, da wird sicherlich noch einiges kommen.

Ulrich Leuchtmann, Devisenstratege Commerzbank

Die Zinssenkung war keine Überraschung. Aber es gibt den Hinweis der EZB, dass noch mehr kommt. Der Markt setzt offensichtlich darauf, dass eine starke Liquiditätsmaßnahme in hohem Umfang kommen könnte oder eine deutliche Andeutung, dass es QE durch die EZB geben könnte - deshalb fällt der Euro. Ich empfinde das allerdings als mutig, denn es könnten ja auch lediglich relativ schwache Maßnahmen verkündet werden.

Marcel Fratzscher, Präsident der deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung

Für sich betrachtet sind die Zinssenkungen und der negative Einlagezins eher symbolische Maßnahmen: Sie werden weder die Kreditvergabe in den Krisenländern maßgeblich verbessern noch das Deflationsrisiko deutlich mindern. Ich interpretiere sie aber als Startsignal und Anfang einer neuen EZB-Strategie einer stärkeren geldpolitischen Expansion. Als erste Schritte in einer Reihe von weiteren Maßnahmen in den kommenden Monaten sind sie bedeutungsvoll. Die EZB-Maßnahmen bergen große Risiken: Sie könnten die Blasenbildung und das riskante Verhalten von Banken noch verstärken. Allerdings wäre es noch riskanter und eine deutlich schlechtere Option, wenn die EZB nichts täte.

Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes

Ein negativer Zins auf die Einlagen der Geschäftsbanken bei der EZB wird kaum zur gewünschten Belebung der Kreditvergabe und des Interbankenmarktes führen. An Liquidität zur Kreditvergabe mangelt es im Eurosystem nicht. Es sind eher überschuldete Unternehmen beziehungsweise hohe Kreditrisiken, die in den Peripherieländern eine Ausweitung der Kreditvergabe verhindern. Die Banken werden daher vermutlich entweder ihre Überschussliquidität weiter abbauen oder lieber Verluste durch den negativen Einlagenzins in Kauf nehmen, als zu hohe Risiken an anderer Stelle einzugehen - etwa durch zusätzliche Interbankenkredite.

Jörg Krämer, Chefvolkswirt Commerzbank

Die EZB hat ihren Hauptrefinanzierungssatz nur um 10 Basispunkte auf 0,15 Prozent gesenkt und nicht wie von den meisten Beobachtern erwartet um 15 Basispunkte. Wenn die EZB ihre Politik in den kommenden Monaten noch einmal lockern wollte, könnte sie ihre Leitzinsen also noch einmal senken und müsste nicht direkt zum Hammer der Staatsanleihenkäufe greifen. Der negative Einlagenzins führt nicht dazu, dass die Banken in den Krisenländern mehr Kredite an die Unternehmen ausreichen. Denn die Banken leiden nicht unter vermeintlich zu hohen Notenbankzinsen, sondern unter dem hohen Bestand fauler Kredite, an dem Negativzinsen nichts ändern. Die wahren Nutznießer des negativen Leitzinses sind die Finanzminister der hoch verschuldeten Krisenländer.

Jörg Zeuner, KfW-Chefvolkswirt

Die Zinssenkung von heute gibt wenig neue Impulse für richtiges Wachstum. Die EZB muss daher vielleicht sogar noch mehr tun. Für die Sparer ändert sich mit dem heutigen Schritt wenig. Die wichtigste Einkommensquelle für die überwältigende Mehrheit aller Europäer ist ohnehin das Gehalt, der Lohn oder die beitragsfinanzierte Rente. Das alles steigt nur, wenn die Wirtschaft wächst. Dann steigen auch die Zinsen an den Finanzmärkten - übrigens auch ohne die EZB - wieder, denn es wird mehr investiert und die Nachfrage nach Kredit steigt. Wie wir das schaffen, darüber sollten wir derzeit vor allem nachdenken.

Die außergewöhnlich niedrige Inflation von zuletzt 0,5 Prozent sei insbesondere auf den weltweiten Rückgang der Energie- und Nahrungsmittelpreise zurückzuführen, erklärten die Notenbanker. Auch der Anstieg des Euro-Kurses in den vergangenen Monaten sowie Strukturreformen an den Arbeits- und Gütermärkten in einigen Ländern hätten zur Abschwächung des Preisdrucks beigetragen.

Von

dpa

/ Frankfurt

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

12.06.2014, 13:59 Uhr

Wenn ich mich Recht erinnerne, war doch ein Argument die Deflationsgefahr. Wer "schießt" den Draghi endlich ab, soll heißen wie lange sitzt der noch auf diesen Posten und enteignet Deutschland weiter.
Ich hätte nämlich ganz gern noch was von meiner Rente!

Account gelöscht!

12.06.2014, 14:03 Uhr

Wenn ich mir heute ein Auto kaufe, kaufe ich nicht in Erwartung sinkender Preise nicht mehr ein. Den Fuhrpark haben Schizophren so wie sie. sie sind kein Ökonomen und können nichts, das haben sie global bewiesen. Euch haben Huren bewiesen wie Ökonomie geht, deswegen ist Euer männliches Hirn in den Letzen Jahren auf ein Minimum geschrumpft. Euch liegt eben die Kriminelle Karriere mehr. Scheiße anschleppen. Werte kanntet Ihr nie.

Account gelöscht!

13.06.2014, 12:27 Uhr

Bei einer solchen Jubelmeldung verzichte ich gerne mal auf einen Kommentar, und lasse stattdessen die Zahlen sprechen:

http://blog.fdik.org/2014-04/S21_C_Inflation_AN.jpg

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