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12.01.2007

14:31 Uhr

Nach jahrelanger Rally

Indiens Aktienmarkt läuft heiß

VonOliver Müller

Indiens Börsen-Boom hat Anlegern 2006 traumhafte Renditen beschert: Der Sensex, mit seinen 30 Top-Werten das bekannteste Börsenbarometer, stieg um über 40 Prozent. Seit 2003 macht die Börse jedes Jahr ähnliche Sprünge. Nun allerdings raten Analysten wegen der hohen Bewertung zur Vorsicht - doch sie sehen immer noch Chancen.

Handel an der Bombay Stock Exchange, der wichtigsten indischen Börse. Foto: ap ap

Handel an der Bombay Stock Exchange, der wichtigsten indischen Börse. Foto: ap

NEU-DELHI. Skeptiker hatten der Rally schon beim Durchbrechen der Rekordmarken von 10 000 und 12 000 Punkten ein Ende vorausgesagt. Inzwischen notiert er bei gut 13 500 Punkten. ICICIDirect, die Online-Broker-Tochter von Indiens größter Privatbank, sieht den Sensex bis Jahresende auf 16 700 Punkte klettern. Doch viele Analysten erwarten keine großen Performance-Sprünge mehr. JP Morgan geht davon aus, dass der Index im Dezember bei 13 600 Punkten steht. Morgan Stanley erwartet sogar ein deutliches Minus.

Analysten empfehlen, auf gute Kaufgelegenheiten zu warten. „Bis der Sensex unter 12 500 notiert, raten wir zu Zurückhaltung“, meint Ajit Roongta von IDBI Capital Markets. Das extreme Bewertungsniveau macht Experten nervös. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 23 zählen Indien-Werte zu den teuersten der Welt.

„Anleger müssen 2007 vorsichtiger sein“, warnt daher Cominvest-Analyst Oliver Stönner-Venkatarama, „Rückschläge sind möglich.“ Er erwartet keinen harten, dauerhaften Einbruch, doch auch keine großen Gewinne. Einige Volkswirte warnen indes vor Überhitzungsgefahren, denen die Zentralbank mit wachstumsdämpfenden Zinsschritten begegnen werde. Noch wichtiger dürften externe Faktoren für Indiens Börse werden: Eine Abkühlung der US-Wirtschaft etwa würde Aktien belasten. Noch folgenreicher wäre ein Abflauen der Liquiditätswelle, von der alle Schwellenländer kräftig profitiert haben. „Sollte der Appetit westlicher Investoren auf Risiko nachlassen, fällt die Korrektur bei indischen Aktien wegen der hohen Bewertungen besonders heftig aus“, warnt Stönner.

Eine Kapitalflucht fürchtet er jedoch nicht. „Denn Indien bleibt auf der Wachstumshitliste auf absehbare Zeit ganz oben“, meint der Cominvest-Analyst, „die langfristige Story ist intakt.“ Wegen seiner Größe, seiner überdurchschnittlichen Dynamik, seiner ungesättigten Märkte und seiner gut gemanagten Firmen werde das Land auf Dauer im Fokus global agierender Anleger bleiben. „Alle Korrekturen sind Kaufgelegenheiten“, findet daher CLSA-Stratege Christopher Wood, für den „Indien die weltweit beste Wachstumsstory“ darstellt.

Wegen ihrer geringeren Bewertungen erwarten viele Analysten, dass 2007 ein Jahr der Mid-Caps wird. Für Auslandsanleger ist dies kein Trost: Viele dieser mittleren Werte sind illiquide, und die Spreu vom Weizen zu trennen ist schwierig. Vor allem sind die Aktien selten in Übersee zweitnotiert und können von ausländischen Privatanlegern wegen Indiens Kapitalverkehrskontrollen nicht gekauft werden. Das können nur lokal zugelassene Fondsmanager. Nur sie haben auch Zugriff auf Neuemissionen, von denen Indien 2007 erneut eine Flut ins Haus steht. Heiß erwartet werden Börsengänge wie der des Immobilienriesen DLF, der Ratingagentur ICRA, des Mobilfunkers Idea und der Softwarefirma Mind Tree Consulting.

Anlegern auf der Suche nach Blue-Chips empfiehlt Naresh Kothari von Edelweiss Securities neben der Punjab National Bank und dem Offshoring-Spezialisten HCL Technologies den Maschinen- und Anlagenbauer Larsen & Toubro. Er steigert seine Exporte sehr stark und profitiert von Großaufträgen für den Ausbau der maroden Infrastruktur im eigenen Land. Dinesh Thakkar, Chef des großen Börsenhändlers Angel Broking, rät Kunden zu TCS, Asiens größter Softwareschmiede, zum Mobilfunk-Marktführer Bharti und zu Ranbaxy, dem größten Pharmahersteller des Landes.

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