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24.01.2004

08:00 Uhr

Nachgefragt: Marcel Giacometti

"Institutionelle werden sich zurückhalten"

Fünf Fragen zum Thema Hedge-Funds an Marcel Giacometti, Präsident der Auda Group in New York City.

Deutschland hat nun den Markt für Hedge-Funds geöffnet. Wie beurteilen Sie die Chancen für die Marktentwicklung vom Finanzplatz New York aus?

Der Aufbau erfolgt anfangs vorrangig für den Privatkundenmarkt. Dessen Vertreter sind die großen Kapitalanlagegesellschaften renommierter Banken. Institutionelle Anleger werden in den nächsten Jahren weiter die etablierten Hedge-Funds zeichnen, die in der angelsächsischen Welt aufgelegt werden – und keine „Anfängerfonds“. Sie werden eine Erfolgsgeschichte suchen und vor allem angelsächsischen Hedge- Funds vertrauen. Zudem: Die deutschen Gesetze hemmen die Entwicklung eines professionellen Hedge-Funds-Marktes.

Wie lange wird es dauern, bis sich eine eigene Hedge-Funds- Kultur in Deutschland entwickelt hat?

Viele Jahre. Wir rechnen mit mindestens fünf Jahren, ehe Institutionen deutsche Hedge-Funds zeichnen. Die rechtliche Lage behindert die freie Entfaltung der Hedge-Funds-Kultur.

Welchen Rat können Sie als erfahrener Manager eines etablierten Hedge-Funds-Anbieters den Newcomern in Deutschland geben?

Sie sollten über Joint-Ventures einen Wissenstransfer herstellen und sich im Markt Reputation aufbauen.

In Deutschland ist die Strategie Long-Short-Equity (Aktien- Kauf und -leerverkauf) beliebt. Wo liegt das Renditepotenzial dieser Strategie?

Das hängt vom Stil des Managers ab. Bei einem eher marktneutralen Ansatz, wie von uns favorisiert, sollte die Rendite rund acht bis zwölf Prozent per annum betragen.

Welche Hedge-Funds-Strategien sind heute am interessantesten, und warum favorisieren Sie gerade diese Strategien?

Im aktuellen Umfeld sind dies vor allem Event-Driven (also Strategien, die sich auf Ereignisse wie Übernahmen beziehen), Global Macro (Strategien, die auf makroökonomische Trends abstellen) und Long-Short-Equity. Event-Driven ist interessant, weil Firmenausschüsse wegen der besserten wirtschaftlichen Lage und steigender Aktien Mut zu Veränderungen zeigen. Zunehmende Fusionen, Umstrukturierungen und Refinanzierungen beweisen das. Global-Macro-Strategien bieten in Anbetracht der aufstrebenden Wirtschaft, niedriger Zinsen und steigender Preise viele Möglichkeiten. Long-Short-Equity ist deshalb spannend, weil steigende Aktienkurse die Kauf-Positionen in Schwung gebracht und so das Potenzial für opportunistische Verkauf-Positionen geschaffen haben. Das ist vorteilhaft für erfahrene Stock-Picker.

Die Fragen stellte Udo Rettberg.

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